Commerzbank Aktie: Rekordgewinn, offene Machtfrage

Commerzbank übertrifft Erwartungen mit Halbjahresrekord, während UniCredit eine Kontrollübernahme anstrebt. Der Bund hält weiterhin 12 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Halbjahresgewinn steigt auf 1,8 Milliarden Euro
  • UniCredit nähert sich Kontrollübernahme an
  • Bund hält weiterhin zwölf Prozent der Anteile
  • Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro geplant

Die Commerzbank legt Zahlen vor, die selbst optimistische Analysten übertreffen — und steckt trotzdem mitten in einer Debatte über ihre eigene Zukunft. Der Rekordgewinn im ersten Halbjahr fällt in eine Phase, in der UniCredit-Chef Andrea Orcel bereits eine Kontrollübernahme in Aussicht stellt. Zahlen und Machtfrage laufen an diesem Donnerstag parallel — das macht den Bericht zu mehr als einer reinen Pflichtmitteilung.

Zahlen deutlich über Erwartungen

Im zweiten Quartal verdiente die Bank 898 Millionen Euro nach Steuern — fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum, als Kosten für den Stellenabbau den Gewinn auf 462 Millionen Euro gedrückt hatten. Analysten hatten mit 845 Millionen Euro gerechnet. Der Halbjahresüberschuss kletterte damit auf 1,8 Milliarden Euro, ein Plus von 40 Prozent und ein neuer Rekordwert für das Institut.

Getragen wurde das Ergebnis von kräftig steigenden Provisionseinnahmen, die um 7 Prozent zulegten, während der Zinsüberschuss trotz sinkender Leitzinsen stabil blieb. Die Erträge insgesamt wuchsen um 9,3 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro — auch das über der eigenen Prognose. Auf dieser Basis bestätigte der Vorstand die Jahresziele: mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn, eine Eigenkapitalrendite von rund 12 Prozent und Erträge von etwa 13,2 Milliarden Euro. Zusätzlich plant die Bank ein weiteres Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,2 Milliarden Euro.

UniCredit rückt näher

Die guten Zahlen ändern nichts an der eigentlichen Frage, die die Aktie seit Monaten treibt. UniCredit hält inzwischen Zugriff auf fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile, Orcel rechnet nach eigenen Aussagen mit einer baldigen Kontrollübernahme. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betonte, dass die Italiener zwar über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügen dürften, wesentliche Strukturmaßnahmen aber nicht allein durchsetzen könnten. Sie sprach von einem „gemeinsamen Gestaltungsauftrag“ für beide Seiten.

Mitreden kann auch der Bund, der als Folge der Rettungsaktion während der Finanzkrise 2008/2009 noch gut 12 Prozent der Anteile hält. Für die kommenden Wochen sind nach Angaben Orlopps weitere Gespräche zwischen den beiden Häusern angekündigt — ein Treffen mit der UniCredit-Führung war bereits für den heutigen Tag im Anschluss an die Zahlenvorlage terminiert.

Die Aktie notiert nahe einem 15-Jahres-Hoch, ein Umstand, der die Erwartungshaltung an das operative Geschäft zusätzlich erhöht hat. Gute Zahlen allein dürften kaum reichen, um die Übernahmefrage in den Hintergrund zu drängen — sie verschaffen dem Management aber zumindest eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Orcel. Wie belastbar diese Position tatsächlich ist, dürfte sich in den nun anstehenden Gesprächen zwischen Frankfurt und Mailand zeigen.

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