Commerzbank Aktie: Rhein stellt Orcel fünf Bedingungen
Hessens Ministerpräsident stellt Bedingungen für die Commerzbank, während Kurs, Quartalsergebnis und Prognose der Bank weiter Stärke zeigen.

- Rhein formuliert fünf Bedingungen
- Aktie nahe am 52-Wochen-Hoch
- Erstes Quartal mit 913 Millionen Euro
- UniCredit-Treffen am 14. September geplant
Die Commerzbank steht diese Woche im Zentrum eines politischen Ringens um ihre Zukunft. Während der Aktienrückkauf über 1,2 Milliarden Euro seit Freitag läuft und dem Kurs zuletzt Auftrieb gab, rückt nun ein anderer Schauplatz in den Vordergrund: Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat am Freitag UniCredit-Chef Andrea Orcel in Wiesbaden getroffen und dabei fünf klare Bedingungen formuliert.
Fünf Forderungen aus Wiesbaden
Rhein verlangt laut Handelsblatt, dass die Commerzbank als eigenständige AG deutschen Rechts mit Börsennotierung erhalten bleibt. Sitz und Vorstand sollen dauerhaft in Frankfurt verbleiben, Arbeitsplätze und Standorte gesichert werden.
Zudem soll der Name Commerzbank als Hauptmarke im deutschen Markt bestehen bleiben, verbunden mit dem übergeordneten Ziel, den Finanzstandort Frankfurt zu stärken. Die Forderungen zeigen, dass der Widerstand gegen eine mögliche Übernahme durch UniCredit nicht nur auf Bundesebene, sondern auch auf Länderebene formuliert wird.
Auf Bundesebene hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bereits Ende August einen Kurswechsel eingeleitet: Er lädt Orcel für den 14. September ins Bundesfinanzministerium ein, nachdem die Bundesregierung eine Übernahme bislang abgelehnt hatte. Auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte sich Mitte August dafür ausgesprochen, dass der Bund vorerst Aktionär bleiben solle, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten.
Kurs nahe am Zehn-Jahres-Hoch
Die Gemengelage aus politischem Tauziehen und operativer Stärke spiegelt sich im Aktienkurs. Das Papier notiert aktuell bei 42,34 Euro und damit nur 1,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro, das Anfang September markiert wurde.
Auf Jahressicht steht ein Plus von 17 Prozent, über zwölf Monate summiert sich der Anstieg auf 29 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 35,89 Euro beträgt derzeit 18 Prozent – ein deutliches Zeichen für den robusten Aufwärtstrend der vergangenen Monate.
Fundamental untermauert wird diese Entwicklung durch die im Mai vorgelegten Zahlen: Die Commerzbank erzielte im ersten Quartal ein Rekord-Nettoergebnis von 913 Millionen Euro bei einem um fünf Prozent gestiegenen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro.
Der Vorstand hob daraufhin die Jahresprognose an und stellte einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro sowie eine Eigenkapitalrendite von 12 Prozent in Aussicht. Mit der Strategie „Momentum 2030″ peilt das Institut bis zum Ende des Jahrzehnts sogar einen Nettogewinn von 5,9 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent an.
Übernahmefantasie bleibt Kurstreiber
Die politische Debatte um die Eigenständigkeit der Bank verändert die Ausgangslage für Investoren nicht grundlegend, sie verschiebt aber die Zeitachse. Solange weder eine Entscheidung der Bundesregierung noch ein Angebot von UniCredit vorliegt, bleibt die Commerzbank-Aktie ein Spiel auf zwei Szenarien zugleich: operative Verbesserung aus eigener Kraft und die fortbestehende Übernahmefantasie.
Das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel am 14. September dürfte richtungsweisend dafür sein, welches der beiden Szenarien die Anleger in den kommenden Wochen stärker gewichten.
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