Commerzbank Aktie: Showdown mit UniCredit
Die Annahmefrist für das UniCredit-Angebot endet. Entscheidend ist die Zustimmung unabhängiger Aktionäre, deren Quote noch unbekannt ist.

- Annahmefrist für UniCredit-Angebot läuft ab
- Wenig Zustimmung von freien Aktionären
- Commerzbank peilt höhere Renditeziele an
- Kurs nahe 52-Wochen-Hoch bei 38,85 Euro
Heute läuft die verlängerte Annahmefrist für das UniCredit-Übernahmeangebot ab. Die Commerzbank-Aktie notiert bei 37,90 Euro, nur 2,45 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro. Der Markt scheint eine Entscheidung nahen zu spüren – doch die wichtigste Zahl bleibt bis zum 8. Juli unter Verschluss.
Politisch wird der Ton schärfer. Einem Handelsblatt-Bericht zufolge stemmt sich die Commerzbank mit Rückendeckung der Bundesregierung gegen die Übernahme. Mitglieder des EZB-Rats zeigen dafür wenig Verständnis. Einer von ihnen bringt es auf den Punkt: „Alle wissen: Wenn Europa funktionieren soll, ist eine gewisse Konsolidierung nötig.“
Die entscheidende Frage
Der eigentliche Machtkampf entscheidet sich an einer einzigen Zahl. Wie hoch ist die tatsächliche Zustimmung der freien, unabhängigen Aktionäre – losgelöst von der Gesamtquote, die UniCredit für sich reklamiert?
Die Commerzbank selbst liefert dazu bemerkenswerte Werte. Institutionelle Investoren haben bislang nur etwas mehr als 1 Prozent der Aktien angedient. Bei Privatanlegern sind es gerade einmal 0,05 Prozent, der Rest der Andienungen stammt von Banken.
Der verbleibende Streubesitz ist damit riesig: mehrere hundert institutionelle Investoren und über 500.000 Privatanleger halten noch Aktien. Bestätigt sich dieses Bild am 8. Juli, dürfte der Markt es als klaren Vertrauensbeweis für die Eigenständigkeit werten. Fällt die Zustimmung aus dem echten Streubesitz dagegen deutlich höher aus, verschiebt sich die Machtbalance zugunsten Mailands. Der RSI von 58,5 zeigt derweil ein moderat bullisches, aber keineswegs überhitztes technisches Bild.
Bullisches Szenario
Für die Eigenständigkeitsthese spricht zunächst die Chartlage. Der Kurs liegt 3,78 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,52 Euro und 10,77 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von 34,88 Prozent zu Buche.
Fundamental untermauert das Management seine Unabhängigkeit mit der „Momentum 2030″-Strategie. Bis 2028 will die Bank die Nettoeigenkapitalrendite auf rund 17 Prozent steigern – mehr als die zuvor genannten 15 Prozent. Bis 2030 soll die Rendite sogar auf 21 Prozent klettern.
Ergänzend plant die Commerzbank, ihr Nettoergebnis bis 2028 auf 4,6 Milliarden Euro zu erhöhen. Bis 2030 soll es auf 5,9 Milliarden Euro wachsen. Solange die Annahmequote aus dem unabhängigen Streubesitz gering bleibt, dürfte der Markt dies als Bestätigung dieser Wachstumsstory lesen – nicht als Fortschritt für UniCredit.
Bärisches Szenario
Dagegen steht ein Risiko, das über den heutigen Stichtag hinausreicht. Der politische Druck aus Frankfurt könnte zunehmen, sollten weitere EZB-Ratsmitglieder öffentlich Konsolidierung fordern.
Unabhängig vom heutigen Fristablauf bleibt UniCredit mit einem eigenen Anteil von rund 42,5 Prozent der dominierende Einzelaktionär. Dieser Umstand hält Fusionsfantasie und regulatorisches Risiko gleichermaßen am Leben. Sollte die tatsächliche Annahmequote entgegen den Commerzbank-Angaben doch höher ausfallen, würde dies die Verhandlungsposition des Managements deutlich schwächen.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 22,61 Prozent signalisiert zudem, dass der Markt weiterhin mit spürbaren Kursausschlägen rechnet. Rund um die anstehenden Verkündungen bleibt die Nervosität hoch.
Ausblick
Solange die Aktie ihre Unterstützung oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 36,52 Euro verteidigt, spricht vieles für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Das nächste Ziel wäre das 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro.
Kippt hingegen die Wahrnehmung der Annahmequote – etwa durch überraschend hohe Zustimmung unabhängiger Aktionäre oder verstärkten politischen Druck aus dem EZB-Rat – gerät die eingepreiste Übernahmeprämie ins Wanken. Als nächstes technisches Auffangnetz dient dann der 200-Tage-Durchschnitt bei 34,21 Euro.
Der nächste konkrete Fixpunkt ist die für den 8. Juli angekündigte Veröffentlichung des endgültigen Annahmeergebnisses durch UniCredit. Danach dürfte der Fokus zunehmend auf die für das dritte Quartal erwarteten Q2-Zahlen der Commerzbank übergehen.
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