Commerzbank Aktie: Söder fordert Lockerung der Unicredit-Blockade
Markus Söder fordert von der Bundesregierung eine europäischere Haltung im Übernahmepoker um die Commerzbank. Die Aktie notiert nahe ihrem Jahreshoch.

- Bayerns Ministerpräsident für Unicredit-Übernahme
- Italienische Großbank hält fast 50 Prozent
- Bundesregierung lehnt Verkauf bislang ab
- Commerzbank-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch
Im Ringen um die Zukunft der Commerzbank meldet sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu Wort. Der CSU-Politiker fordert die Bundesregierung auf, ihre Blockadehaltung gegenüber der italienischen Großbank Unicredit aufzugeben. „Wir haben in Bayern mit Unicredit gute Erfahrungen gemacht“, sagte Söder und verwies auf die Übernahme der HypoVereinsbank durch die Italiener im Jahr 2005. Im globalen Wettbewerb müsse Deutschland verstärkt europäisch denken, so seine Argumentation.
Unicredit hält fast die Hälfte der Stimmrechte
Der Vorstoß aus München trifft auf eine festgefahrene Lage. Unicredit hat sich nach eigenen Angaben mittlerweile fast 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank gesichert und drängt damit unübersehbar auf mehr Einfluss bei der Frankfurter Bank. Die Bundesregierung selbst hält noch über 12 Prozent an dem Institut und lehnt eine Übernahme durch die Italiener bislang vehement ab. Auch die Führung der Commerzbank stellt sich gegen die Ambitionen des Großaktionärs aus Mailand.
Söders Appell reiht sich damit in eine seit Monaten schwelende politische Auseinandersetzung ein, bei der wirtschaftspolitische und strategische Erwägungen aufeinanderprallen. Während Befürworter einer Öffnung auf europäische Integration und Marktlogik pochen, sehen Gegner in der Commerzbank ein Institut von besonderer Bedeutung für die deutsche Mittelstandsfinanzierung, das nicht in ausländische Hände fallen sollte. Eine Einigung zwischen Berlin und Unicredit zeichnet sich nach der jüngsten Wortmeldung nicht ab – im Gegenteil, die Fronten wirken verhärtet.
Aktie bewegt sich nahe am Jahreshoch
An der Börse zeigt sich die Commerzbank-Aktie von der politischen Debatte zunächst unbeeindruckt. Das Papier schloss am Dienstag bei 37,56 Euro und notiert damit nur 4,13 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das die Aktie Mitte Juli erreicht hatte. Auf Sicht von zwölf Monaten steht für die Commerzbank-Aktie ein Plus von 24,58 Prozent zu Buche – ein Wertzuwachs, der auch die andauernde Übernahmefantasie widerspiegelt. Die Marktkapitalisierung des Instituts liegt aktuell bei 40,33 Milliarden Euro.
Die Nähe zum Jahreshoch deutet darauf hin, dass Anleger die Unsicherheit rund um den Übernahmepoker bislang nicht als akutes Risiko einpreisen. Vielmehr scheint der Markt auf eine mittelfristige Lösung zu setzen, sei es in Form einer Übernahme, einer Beteiligungsreduzierung von Unicredit oder eines politischen Kompromisses. Solange keine der Parteien nachgibt, dürfte die Aktie jedoch anfällig für Nachrichten aus Berlin, München oder Mailand bleiben.
Warnung vor Betrugsversuchen
Parallel zur Übernahmedebatte sehen sich Kunden der Commerzbank mit einer anderen Herausforderung konfrontiert: Im Umlauf befindet sich derzeit eine Phishing-Mail, die zur angeblichen Neuregistrierung des photoTAN-Verfahrens auffordert. Betroffene sollten weder auf enthaltene Links klicken noch persönliche Daten eingeben, da es sich um einen Betrugsversuch handelt. Die Warnung zeigt, dass das Institut nicht nur strategisch, sondern auch operativ im Fokus steht – Kundinnen und Kunden sind angehalten, bei vermeintlichen Sicherheitsaufforderungen besondere Vorsicht walten zu lassen.
Für Anleger bleibt die politische Gemengelage der entscheidende Faktor. Solange sich weder die Bundesregierung noch Unicredit bewegen, dürfte der Übernahmestreit die Kursentwicklung der Commerzbank auf absehbare Zeit mitbestimmen.
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