Commerzbank Aktie: S&P senkt Ausblick auf stabil

S&P senkt Bonitätsausblick der Commerzbank auf stabil. Grund ist die drohende Übernahme durch UniCredit, die eigenständige Risikopuffer gefährdet.

Die Kernpunkte:
  • S&P senkt Ausblick auf stabil
  • UniCredit nähert sich Kontrollmehrheit
  • Bundesregierung bereitet Verhandlungsbedingungen vor
  • Aktie trotzt Ratingwarnung nahe Jahreshoch

Die Ratingagentur S&P Global Ratings hat den Bonitätsausblick für die Commerzbank von „positiv“ auf „stabil“ gesenkt. Das Langfrist-Rating „A“ bleibt zwar bestätigt, doch S&P begründet den Schritt mit der absehbaren Mehrheitsübernahme durch UniCredit. Im Zuge einer möglichen Integration drohe der Verlust eigenständiger Risikopuffer, konkret der sogenannten ALAC-Puffer, die im Ernstfall Gläubiger vor Verlusten schützen sollen. Der Schritt der Ratingagentur vom 16. Juli rückt damit erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie es mit der Frankfurter Bank in den kommenden Monaten weitergeht.

UniCredit hält knapp die Hälfte der Stimmrechte

Klarheit über den Stand der Übernahme brachte Anfang Juli das finale Ergebnis des freiwilligen Tauschangebots von UniCredit. Nach Angaben der italienischen Großbank und Reuters wurden 17,60 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. Zusammen mit bereits gehaltenen Positionen steigt der Gesamtkontrollanteil von UniCredit damit auf 47,59 Prozent der Anteile beziehungsweise 49,65 Prozent der Stimmrechte. Die italienische Bank steht damit unmittelbar vor der Kontrollmehrheit, ohne sie formal bereits zu besitzen.

Die Bundesregierung bereitet laut Bloomberg und dpa-AFX Bedingungen für mögliche Verhandlungen mit UniCredit vor. Zentrale Forderung sei demnach der Erhalt der Commerzbank-Struktur, um die Finanzierung des deutschen Mittelstands nicht zu gefährden. Friedrich Merz stellte allerdings bereits klar, dass die Politik die Übernahme nicht aktiv verhindern werde, da die Entscheidungshoheit letztlich bei den Eigentümern liege. Diese Aussage lässt UniCredit weiterhin freie Bahn, auch wenn Berlin offenkundig auf strukturelle Zusagen drängen will.

Auf Vorstandsseite bleibt der Ton kritisch. Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp warnte in einem Brief an die Aktionäre vor Synergieeffekten, die zulasten der Belegschaft gehen könnten, und riet ausdrücklich von einer Integration in den UniCredit-Konzern ab. Der Konflikt zwischen dem amtierenden Management und dem italienischen Großaktionär bleibt damit ungelöst, während sich die Fronten zwischen Frankfurt, Mailand und Berlin weiter verhärten.

JPMorgan bleibt vorsichtig, Zahlen stehen an

JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein stufte die Commerzbank-Aktie am 20. Juli mit „Neutral“ und einem Kursziel von 37,00 Euro ein. Er verwies dabei sowohl auf die anstehenden Quartalszahlen als auch auf die komplexe Übernahmesituation, die eine klare Bewertung derzeit erschwere. Die Einschätzung fällt damit zurückhaltender aus als der aktuelle Kurs der Aktie, was auf eine gewisse Skepsis gegenüber der kurzfristigen Kursdynamik hindeutet.

Für Bewegung dürfte in wenigen Wochen die Veröffentlichung der Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 sorgen, die Commerzbank für den 6. August angekündigt hat. Die Zahlen gelten als wichtiger Test dafür, wie robust das operative Geschäft trotz der andauernden Übernahmedebatte tatsächlich ist. Erst im Frühjahr hatte der Vorstand zudem das sechste Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von 524 Millionen Euro abgeschlossen, im Rahmen dessen 15,7 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 33,45 Euro zurückgekauft wurden – ein Zeichen dafür, dass das Management auch unabhängig von der Übernahmefrage aktiv Kapital an die Aktionäre zurückführt.

Kurs behauptet sich nahe am Jahreshoch

An der Börse zeigt sich die Aktie von der Ratingwarnung bislang unbeeindruckt. Zum Mittwochsschluss stand das Papier bei 38,31 Euro, ein Plus von 1,35 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit notiert die Aktie nur rund 2,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst Mitte Juli erreicht wurde. Die Marktbewertung von gut 40 Milliarden Euro unterstreicht, dass Anleger die Übernahmefantasie weiterhin höher gewichten als die von S&P benannten Bonitätsrisiken. Ob sich dieses Bild nach den Zahlen am 6. August und im weiteren Verlauf der Verhandlungen zwischen Berlin und Mailand hält, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Anzeige

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 23. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 23. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Commerzbank