Commerzbank Aktie: Übernahmepoker eskaliert

UniCredit erhält durch neue Finanzierungsregeln mehr Spielraum für eine Übernahme der Commerzbank, die mit Rekordausschüttungen und starken Zahlen kontert.

Die Kernpunkte:
  • Neue Rechtslage erleichtert Aktienfinanzierung für UniCredit
  • Commerzbank erhöht Dividende und startet Rückkaufprogramm
  • Starker Jahresgewinn, aber enttäuschende Zukunftsprognose
  • Fusion würde Macht in Firmenkundenkonsortien massiv erhöhen

Die italienische UniCredit erhöht den Druck auf die Commerzbank. Seit dem 22. Februar darf die Mailänder Großbank ein mögliches Übernahmeangebot vollständig mit eigenen Aktien finanzieren – eine taktische Wende, die den Spielraum der Italiener erheblich vergrößert. Frankfurt kontert mit Rekordzahlen und einer aggressiven Ausschüttung. Der Übernahmekrimi erreicht eine neue Eskalationsstufe.

Neue Rechtslage verschiebt die Machtverhältnisse

Der Hintergrund der neuen Situation: Wer in den sechs Monaten vor einem Übernahmeangebot nicht mehr als fünf Prozent der Zielgesellschaft gegen Bargeld kauft, darf später komplett in Aktien bieten. UniCredit hatte zuletzt im August 2025 eine relevante Position gegen Geld aufgebaut – mit Ablauf dieser Frist fällt die sogenannte Aktientauschsperre nun weg.

Die Italiener halten derzeit rund 26 Prozent direkt sowie weitere knapp 4 Prozent über Finanzinstrumente. Die kritische 30-Prozent-Schwelle rückt näher. Ab dieser Marke wäre UniCredit verpflichtet, ein Übernahmeangebot für alle ausstehenden Anteile vorzulegen. Der Bund hält weiter 12 Prozent und lehnt eine Übernahme ab.

UniCredit buhlt seit September 2024 um die Commerzbank. Mit der Tochter Hypovereinsbank ist sie bereits im deutschen Markt vertreten – eine Fusion würde erhebliche Synergien ermöglichen. Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter ein Horrorszenario.

Rekordausschüttung als Verteidigungsstrategie

Die Commerzbank setzt auf Abwehr durch Attraktivität. Die Dividende steigt von 65 Cent auf 1,10 Euro je Aktie. Zusätzlich plant das Institut Aktienrückkäufe für bis zu 540 Millionen Euro. Zusammen mit dem bereits abgeschlossenen Rückkaufprogramm von 2025 fließen damit 2,7 Milliarden Euro an die Aktionäre zurück – mehr als der gesamte Jahresgewinn.

Die Botschaft ist klar: Commerzbank-Aktien sollen für Anleger so attraktiv werden, dass sie ihre Papiere lieber behalten, als sie an UniCredit zu verkaufen. Parallel dazu platzierte die Bank erfolgreich zwei Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 1,75 Milliarden Euro. Bemerkenswert: Das begleitende Bankenkonsortium musste keinerlei Kursstabilisierung vornehmen.

Starke Zahlen, verhaltener Ausblick

CEO Bettina Orlopp präsentierte für 2025 einen Nettogewinn von 2,63 Milliarden Euro. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr war durch Restrukturierungskosten für den Abbau von 3.900 Stellen geplant. Das Ziel für die Nettozinserträge 2026 hob das Management leicht auf 8,5 Milliarden Euro an.

Der Markt reagierte dennoch enttäuscht. Der Vorstand kündigte an, das bisherige Gewinnziel von 3,2 Milliarden Euro übertreffen zu wollen. Der Konsens am Markt lag jedoch bereits bei 3,4 Milliarden Euro. Die Bank bleibt damit hinter den Erwartungen zurück.

Zusätzlich belastet die Beteiligung an Aquila Capital das Vertrauen. Erneut mussten 52 Millionen Euro abgeschrieben werden – bereits zwei Drittel des Kaufpreises aus dem Jahr 2024 sind vernichtet. Der Versuch, über Zukäufe im Bereich nachhaltiger Vermögensverwaltung zu wachsen, entwickelt sich zum kostspieligen Fehlschlag.

Mittelstandskunden in Warteposition

Die monatelange Hängepartie zeigt konkrete Auswirkungen im Firmenkundengeschäft. Laut einer Analyse des Beratungshauses Fox Corporate Finance ist bei 72,3 Prozent der untersuchten Unternehmensfinanzierungen mindestens eine der beiden Banken Teil des Konsortiums, bei rund einem Drittel sogar beide.

Ein Zusammenschluss würde die Macht der neuen Einheit in bestehenden Konsortien deutlich erhöhen – und sorgt bei Firmenkunden für Unsicherheit.

Entscheidende Monate stehen bevor

Die Commerzbank hat ihren Börsenwert auf rund 38 Milliarden Euro hochgeschraubt, was sie selbst für die etwa dreimal so wertvolle UniCredit schwer angreifbar macht. Die Hauptversammlung am 20. Mai dürfte zum nächsten Kraftmessen zwischen den beiden Lagern werden. Bis dahin läuft am 26. März das aktuelle Aktienrückkaufprogramm aus, die Quartalszahlen für Q1 folgen am 8. Mai.

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