Commerzbank Aktie: Ultimatum endet 3. Juli
Im Übernahmepoker zwischen Commerzbank und UniCredit eskaliert der Ton. CEO Orlopp verteidigt die Eigenständigkeit gegen Orcels Übernahmepläne.

- Streit um Auslandsgeschäft und Stellenabbau
- UniCredit kontrolliert knapp 40 Prozent
- Commerzbank erhöht Zins auf Topzinskonto
- Frist für Tauschangebot endet am 3. Juli
Bei der Commerzbank prallen zwei Welten aufeinander. CEO Bettina Orlopp verteidigt die Eigenständigkeit ihres Hauses. UniCredit-Chef Andrea Orcel drängt auf eine schnelle Übernahme. Der Ton zwischen Frankfurt und Mailand wird rauer. Es geht um Strategie, tausende Jobs und den Preis.
Strategie und Stellenabbau
Im Zentrum des Streits steht das Auslandsgeschäft. Die Commerzbank ist in 40 Ländern aktiv. Orlopp sieht darin den Kern des Geschäftsmodells. Die Italiener halten das Netzwerk für ineffizient. Die Folge: ein radikaler Sparkurs. Bei einer Übernahme könnte UniCredit bis zu 7.000 Stellen streichen. Betriebsrat und Bundesregierung leisten massiven Widerstand.
Auch finanziell liegen die Parteien weit auseinander. Orlopp fordert eine zweistellige Übernahmeprämie für die Aktionäre. Orcel lehnt das strikt ab. Er bietet derzeit 0,485 eigene Aktien pro Commerzbank-Papier. Das Frankfurter Management rät Anlegern von diesem Tausch ab.
Fakten und Abwehrmaßnahmen
Die Italiener haben bereits Fakten geschaffen. UniCredit kontrolliert knapp 40 Prozent der Anteile. Inklusive Derivaten könnte der Zugriff bei fast 56 Prozent liegen. Ein komplettes Delisting bleibt trotzdem fast unmöglich. Der Bund hält 12,4 Prozent der Aktien und blockiert einen Verkauf.
Um Kundenabflüsse zu verhindern, greift die Commerzbank zu defensiven Maßnahmen. Die Bank erhöht den Zins für ihr Topzinskonto auf 2,25 Prozent. Das Angebot gilt für zwölf Monate. Marktbeobachter werten dies als Versuch, die eigene Liquiditätsbasis zu sichern.
An der Börse reagieren Anleger relativ gelassen. Die Commerzbank-Aktie notiert am Dienstag bei 37,55 Euro. Das ist ein leichtes Minus von knapp einem Prozent. Damit bleibt der Kurs nah am jüngsten 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro. Der mittelfristige Aufwärtstrend ist intakt.
Am 3. Juli endet die aktuelle Nachfrist des UniCredit-Tauschangebots. Scheitert eine Einigung, droht der nächste Eskalationsschritt. Berichten zufolge will UniCredit dann eine außerordentliche Hauptversammlung erzwingen. Das Ziel: Vorstand und Aufsichtsrat austauschen, um den Weg für die Übernahme freizumachen.
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