Commerzbank Aktie: UniCredit eskaliert vor Fristende

UniCredit fordert BaFin-Prüfung des Commerzbank-Verhaltens und droht mit Vorstandsabberufung. Die Annahmefrist endet am 16. Juni.

Die Kernpunkte:
  • UniCredit verlangt BaFin-Ermittlungen
  • Drohung mit Abberufung des Vorstands
  • Streit um Wertpapierleihe-Vorwürfe
  • Annahmefrist endet am Dienstag

Das Übernahmedrama zwischen UniCredit und Commerzbank erreicht in der Zielgeraden eine neue Eskalationsstufe. Bis Dienstag, 16. Juni, läuft die Annahmefrist — und der Ton zwischen beiden Banken ist deutlich rauer geworden.

BaFin als Schiedsrichter

UniCredit hat die Finanzaufsicht BaFin aufgefordert, das Verhalten der Commerzbank zu untersuchen. Die Mailänder werfen dem Frankfurter Institut vor, die Integrität des Übernahmeverfahrens zu beeinträchtigen und bei Stakeholdern Verwirrung zu stiften. Obendrein droht UniCredit dem Commerzbank-Vorstand mit Abberufung: Mit ausreichender Hauptversammlungsmehrheit könnte sie sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat neu besetzen — der seinerseits den Vorstand bestellt.

Auslöser des Streits sind Vorwürfe rund um sogenannte Wertpapierleihe-Aktivitäten. Die Commerzbank hatte vergangene Woche darauf hingewiesen, dass ein erheblicher Teil der angedienten Aktien möglicherweise nicht im echten Eigentum der andienenden Parteien liege — und einen Zusammenhang mit UniCredit nahestehenden Parteien nicht ausschloss. UniCredit weist das entschieden zurück: Die Behauptungen seien „falsch und entbehrten jeder Grundlage.“

Zahlen und Kräfteverhältnisse

Der aktuelle Stand ist bemerkenswert. UniCredit hielt bereits vor dem Angebot 26,8 Prozent der Commerzbank-Aktien direkt. Mit Stand 12. Juni wurden ihr weitere 11,86 Prozent angedient — damit kontrolliert sie rechnerisch deutlich mehr als 30 Prozent. Kein Wunder, dass der Commerzbank-Betriebsrat bereits Strafanzeige wegen Verdachts der Marktmanipulation gestellt hat.

Dass so viele Aktionäre das Angebot dennoch angenommen haben, wirft Fragen auf. UniCredit bietet lediglich 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Anteil — ein Tauschverhältnis, das unter dem aktuellen Commerzbank-Kurs liegt. Wirtschaftlich rational ist die Andienung damit kaum zu erklären.

Was nach Dienstag kommt

Mit Ablauf der Frist ist der eigentliche Machtkampf noch nicht entschieden. Eine Fusion mit der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank steht nicht unmittelbar bevor — dafür wäre zunächst eine Restrukturierung der Commerzbank selbst nötig, und für gesellschaftsrechtliche Verschmelzungen ist ohnehin eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. UniCredit betont, dies sei „aktuell nicht relevant.“

Entscheidend wird die nächste Hauptversammlung: Gelingt es UniCredit, die Aufsichtsratsbesetzung zu kippen, verliert der amtierende Commerzbank-Vorstand seine institutionelle Rückendeckung — und damit seinen wichtigsten Hebel gegen die Übernahme.

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