Commerzbank Aktie: UniCredit fordert 1,4 Milliarden Euro
Commerzbank-Chefin Orlopp trifft UniCredit-Manager zu Gesprächen über Kostensenkungen und strategische Ausrichtung. Die Verhandlungen beginnen nach den Quartalszahlen am 6. August.

- Gespräche mit UniCredit nach Quartalszahlen
- Orcel fordert 1,4 Milliarden Euro Einsparungen
- Commerzbank plant 3.000 Stellenstreichungen
- UniCredit könnte fast 50 Prozent halten
Eine Woche hat Bettina Orlopp noch Zeit. Dann muss sich die Commerzbank-Chefin einer Videokonferenz stellen, die über die Zukunft ihres Instituts entscheiden könnte. Am anderen Ende der Leitung: Manager von UniCredit, die konkrete Forderungen mitbringen.
Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 37,73 Euro, ein Plus von 1,34 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 2,81 Prozent zu Buche. Der Kurs bleibt damit rund 3,70 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das die Aktie Mitte Juli erreicht hatte.
Was UniCredit fordert
Nach einem Bericht von Bloomberg soll Orlopp kurz nach der Vorlage der Zweitquartalszahlen mit UniCredit-Managern sprechen. Das Gespräch soll Verhandlungen einleiten, die sich über Monate hinziehen könnten. Es geht um das Ausmaß der Veränderungen bei der Commerzbank, sobald diese unter Kontrolle des italienischen Rivalen steht.
Die Zahlen dahinter sind konkret. UniCredit-Chef Andrea Orcel strebt rund 1,4 Milliarden Euro an Kosteneinsparungen an. Das schließt Kürzungen im internationalen Netzwerk der Commerzbank und in den Back-Office-Bereichen ein.
Die Commerzbank hat bereits eigene Pläne vorgelegt. Das Institut skizzierte rund 3.000 Stellenstreichungen im Rahmen eines Programms, das den Gewinn bis 2030 verdoppeln soll.
Machtverhältnisse vor dem Gespräch
Die Ausgangslage begünstigt UniCredit deutlich. Die Italiener erhielten durch ein Übernahmeangebot mit praktisch keiner Prämie fast 18 Prozent der Commerzbank-Aktien. Rechnet man Derivate und den Effekt eines Commerzbank-Aktienrückkaufs ein, dürfte die Position auf knapp unter 50 Prozent steigen.
Diese Beteiligung könnte UniCredit eine Mehrheit bei Hauptversammlungen verschaffen. Nicht jeder Investor stimmt dort ab. Orcel könnte die Mehrheit nutzen, um auf Management- und Strategieänderungen zu drängen.
Die Commerzbank verweist dagegen auf eine höhere Hürde. Für viele bedeutende Änderungen brauche UniCredit 75 Prozent Zustimmung, argumentiert das Institut. Das gelte besonders, wenn sich Minderheitsaktionäre, Beschäftigte und Management gegen die Pläne stellen.
Orlopps rote Linien
Orlopp selbst rechnet mit einer einvernehmlichen Lösung. Ihre Prioritäten: der Schutz des internationalen Geschäfts, der Erhalt der eigenständigen Börsennotierung und die Absicherung jener Aktionäre, die das UniCredit-Angebot nicht angenommen haben.
Rückendeckung bekommt sie weiterhin von wichtigen Stakeholdern. Die deutsche Regierung hält mehr als 12 Prozent der Commerzbank und unterstützt Orlopp ebenso wie die Arbeitnehmervertreter. Der politische Ton hat sich allerdings verschoben: Berlin lehnte eine Übernahme zunächst ab, zeigt sich laut Bloomberg inzwischen aber weniger widerständig.
Der Zeitplan entscheidet
Die Verhandlungen sind eng mit der Quartalsberichterstattung verknüpft. Die Bank legt ihre Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 am 6. August vor. Das Gespräch zwischen Orlopp und den UniCredit-Vertretern soll direkt danach stattfinden.
Damit dürfte auch die operative Entwicklung im ersten Halbjahr Einfluss auf die Verhandlungsposition nehmen. Für Commerzbank-Anleger fallen zwei Termine in derselben Woche zusammen: die Quartalszahlen und der Auftakt der Gespräche über die künftige Ausgestaltung der UniCredit-Beteiligung. Beide dürften die Kursbewegung der kommenden Tage maßgeblich bestimmen.
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