Commerzbank Aktie: UniCredit kontrolliert 47,59 Prozent
Vor dem Treffen mit UniCredit-Chef Orcel fordert Klingbeil Schutz für Frankfurt, Arbeitsplätze und die Kreditversorgung des deutschen Mittelstands.

- Klingbeil empfängt Orcel am Montag
- Bund fordert zwei Aufsichtsratssitze
- UniCredit kontrolliert 47,59 Prozent
- Commerzbank-Aktie nahe dem Jahreshoch
Der Übernahmekampf um die Commerzbank tritt in eine entscheidende Woche ein. Bundesfinanzminister Klingbeil (SPD) empfängt am kommenden Montag UniCredit-Chef Andrea Orcel in Berlin – und will dabei klare Vorbedingungen für eine mögliche Übernahme formulieren. Die Aktie reagierte am Freitag mit Kursgewinnen auf die Nachricht.
Frankfurt, Jobs und Mittelstand als Kernforderungen
Im Zentrum der Forderungen steht der Erhalt der deutschen Identität der Commerzbank: eine dauerhafte Börsennotierung in Frankfurt, der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen sowie die Sicherung der Kreditversorgung für den deutschen Mittelstand.
Ein Sprecher des Finanzministeriums betonte, die Rolle der Commerzbank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft habe hohe Priorität. Die hessische Landesregierung geht noch weiter und verlangt, dass Sitz und Vorstand dauerhaft in Frankfurt verbleiben und die Bank als Aktiengesellschaft deutschen Rechts firmiert.
Der Bund selbst ist an dem Ausgang unmittelbar beteiligt: Über den Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS) hält die Bundesrepublik noch gut 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Aktionär. Aus dieser Position heraus fordert Klingbeil zusätzlich das Recht auf zwei Aufsichtsratssitze.
UniCredit hat seine Position parallel deutlich ausgebaut: Der italienische Konzern kontrolliert inzwischen 47,59 Prozent des Kapitals, was 49,65 Prozent der Stimmrechte entspricht – nahezu die Hälfte der Anteile.
Eine Fusion beider Häuser würde eine Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro schaffen. Die EZB tendiert laut Berichten zur Genehmigung des Zusammenschlusses.
Gleichzeitig kursieren Zahlen zu den möglichen Folgen: Orcel rechnet mit dem Abbau von rund 7.000 Stellen, verbunden mit Einsparungen von etwa 1,3 Milliarden Euro. Genau an diesem Punkt setzt der Widerstand aus Berlin an, das einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zur Bedingung machen will.
Kapitalmarktstimme mahnt strukturelle Reformen an
Der Streit um die Commerzbank wird von manchen Beobachtern auch grundsätzlicher gerahmt. Robert Halver, Kapitalmarktanalyst der Baader Bank, sagte, Deutschland brauche starke Banken, sonst sei man fremdbestimmt. Er verwies darauf, dass die letzte große Reform in Deutschland unter Kanzler Schröder erfolgt sei, und mahnte, das Land müsse wieder attraktiver für Investoren werden – das Kapital gehe schließlich dahin, wo die Rendite locke.
Aktie nahe Jahreshoch
Der Markt goutiert die Entwicklung: Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 42,78 Euro und legte am Freitag um 2,4 Prozent zu, nachdem sie am Donnerstag noch bei 41,77 Euro geschlossen hatte. Damit liegt das Papier nur noch 0,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro, das erst am 8. September markiert wurde. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 8,7 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 18 Prozent verteuert.
Für Anleger bleibt der Ausgang des Treffens am Montag der entscheidende Kurstreiber. Sollte Klingbeil bei Orcel mit seinen Forderungen durchdringen, könnte dies den Weg für eine geordnete Integration ebnen – scheitert die Annäherung, droht der monatelange Übernahmestreit sich weiter hinzuziehen.
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