Commerzbank Aktie: Unicredit plant 1,3 Milliarden Einsparungen

Jens Weidmann kritisiert Unicredits Vorgehen, während die EZB die Übernahme prüft und starke Commerzbank-Zahlen für Eigenständigkeit sprechen.

Die Kernpunkte:
  • Weidmann verlangt staatliche Beteiligung
  • Unicredit kontrolliert knapp 50 Prozent
  • EZB befasst sich mit Übernahme
  • Commerzbank meldet starkes Quartal

Der Ton im Übernahmestreit um die Commerzbank verschärft sich deutlich. Aufsichtsratschef Jens Weidmann forderte den Bund am Sonntag auf, vorerst Aktionär der Bank zu bleiben, um die Interessen des Standorts Deutschland gegenüber Unicredit zu vertreten. Zugleich verlangte er eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts.

Weidmanns Kritik zielt auf den Kern des Deals: Unicredit habe mit einem finanziell unattraktiven Angebot die Mehrheit erreicht, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.

Nur 18 Prozent der Aktien seien angedient worden, davon lediglich 2,7 Prozent von unabhängigen Anlegern – aus Sicht des Aufsichtsratschefs ein zu schmales Fundament für einen derart weitreichenden Kontrollwechsel. Er warnte zudem vor massiven Einschnitten: Unicredits Plan sehe Kosteneinsparungen von 1,3 Milliarden Euro binnen zwölf Monaten vor.

Gespräche laufen weiter, EZB prüft

Trotz der scharfen Rhetorik ist der Dialog zwischen den Häusern nicht abgebrochen. Bereits Ende Juli hatte Weidmann Gesprächsbereitschaft signalisiert, im August folgten erste formelle Gespräche zwischen Unicredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Vorstandsvorsitzender Bettina Orlopp zu Kontrollwechsel, Bilanzfragen und Risikomanagement.

Parallel dazu lehnt sich die Europäische Zentralbank laut einem internen Dokument, über das Bloomberg berichtete, zur Genehmigung von Unicredits Übernahme vor – ein Signal, das den Vorgang aufsichtsrechtlich weiter voranbringen dürfte.

Der Bund hatte seinen Anteil von 12,7 Prozent am vergangenen Sonntag nicht an Unicredit verkauft, sondern nur Gesprächsbereitschaft signalisiert, die Aktie legte seither um 2,8 Prozent zu. Regierungsvertreter zeigten sich laut Bloomberg zuvor bereits bereit, über einen solchen Schritt zu diskutieren, sofern Strategie und Zukunft der Bank geklärt seien.

Weidmanns aktuelle Attacke liest sich damit auch als Versuch, den politischen Rückhalt für eine eigenständige Commerzbank nachträglich zu mobilisieren, nachdem der wichtigste institutionelle Anker bereits verkauft hat.

Geschäftszahlen sprechen für Eigenständigkeit

Operativ liefert die Commerzbank Argumente für die Position ihres Aufsichtsratschefs. Im Mai hatte das Institut die Nettoergebnis-Guidance für 2026 auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben, nach zuvor über 3,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis im ersten Quartal erreichte mit 1,4 Milliarden Euro einen Rekordwert.

Zugleich stellte die Bank mit der Strategie „Momentum 2030″ ambitionierte Ziele auf: eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 43 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts.

An der Börse kommt die Gemengelage aus Übernahmepoker und robusten Zahlen gut an. Die Aktie schloss gestern bei 40,13 Euro, nach einem Rekordhoch von 41,00 Euro Ende vergangener Woche liegt sie nur noch 2,1 Prozent darunter.

Auf Jahressicht steht ein Plus von 24 Prozent zu Buche – ein Kursverlauf, der die Frage aufwirft, ob der Markt eher auf eine geglückte Übernahme oder auf eine gestärkte, eigenständige Commerzbank wettet. Angesichts der Kaufwelle der vergangenen Monate scheint klar: Anleger honorieren beide Szenarien, solange die operative Entwicklung stimmt.

Für Investoren bleibt die Gemengelage komplex. Unicredit kontrolliert nach eigenen Angaben bereits knapp 50 Prozent der Stimmrechte, nachdem bis Anfang Juli 17,6 Prozent der Aktien angedient wurden.

Die Commerzbank selbst betonte nach Bekanntwerden des Andienungsergebnisses, der Fokus liege auf Wertschaffung für alle Stakeholder. Wie sich der Machtkampf zwischen Mailand, Frankfurt und Berlin auflöst, dürfte über die kommenden Wochen die entscheidende Frage für die Aktie bleiben.

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