Commerzbank Aktie: UniCredit springt auf 49,65 Prozent
Durch die Einziehung eigener Aktien steigt der Stimmrechtsanteil von UniCredit an der Commerzbank auf 49,65 Prozent. Die EZB-Entscheidung steht weiter aus.

- Stimmrechtsanteil steigt auf 49,65 Prozent
- EZB-Entscheidung steht noch aus
- Nettogewinn im Q2 um 94 Prozent gestiegen
- Aktie verliert trotz solider Zahlen
Die Commerzbank hat ihre letzten zurückgekauften Aktien eingezogen. Diese technische Maßnahme, gestern per Stimmrechtsmitteilung bekannt gegeben, hat für UniCredit spürbare Folgen: Der italienische Mehrheitsaktionär kann nun auf 49,65 Prozent der Stimmrechte zugreifen, zuvor waren es 47,59 Prozent. Enthalten sind darin 3,36 Prozentpunkte, die auf Kaufoptionen entfallen, nicht auf direkten Aktienbesitz.
Der Mechanismus ist simpel, aber wirkungsvoll: Zieht die Commerzbank eigene Aktien ein, sinkt die Gesamtzahl der ausstehenden Anteile. Wer wie UniCredit eine feste Anzahl an Stimmrechten hält, sieht seinen prozentualen Anteil dadurch automatisch steigen, ganz ohne zusätzlichen Aktienkauf.
Für Anleger bedeutet das: Die italienische Bank nähert sich der psychologisch wichtigen 50-Prozent-Schwelle, ohne dafür einen einzigen weiteren Euro investiert zu haben.
Regulatorischer Prozess läuft weiter
Der Übernahmeprozess selbst befindet sich noch im behördlichen Verfahren. Die BaFin hatte den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung Anfang August als vollständig eingestuft und an die Europäische Zentralbank weitergeleitet. Seither läuft eine Frist von 60 Arbeitstagen, innerhalb derer die EZB über den Antrag entscheiden muss.
Laut Bloomberg und Reuters signalisiert ein internes EZB-Dokument aus dem Juni, das Mitte August publik wurde, eine Neigung zur Genehmigung der Übernahme, trotz Bedenken der BaFin. Es handelt sich dabei um eine vorläufige interne Einschätzung, nicht um die formale Entscheidung. Diese steht weiterhin aus.
Rekordzahlen als Fundament
Untermauert wird die Übernahmegeschichte von einer robusten operativen Entwicklung. Die Commerzbank hatte vor rund zwei Wochen Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, die den Nettogewinn im Jahresvergleich um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro steigen ließen. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Institut seine Prognose von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn und kündigte Aktienrückkäufe von bis zu 1,2 Milliarden Euro an.
Bereits im ersten Quartal hatte die Bank mit 913 Millionen Euro Nettogewinn überzeugt und ihre Jahresziele angehoben. Bis 2030 strebt das Management eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 Prozent sowie eine Cost-Income-Ratio von 43 Prozent an.
Aktie unter Druck trotz solider Basis
An der Börse hat die jüngste Entwicklung dem Papier nicht geholfen. Seit einer Woche hat die Aktie 3,5 Prozent verloren und notierte am Donnerstag bei 38,41 Euro, kaum verändert zum Vortag.
Zum bisherigen Jahreshoch von 40,11 Euro, erreicht im August, fehlen der Aktie derzeit 4,2 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 6,4 Prozent zu Buche, und im Vergleich zum 52-Wochen-Tief von 28,90 Euro aus dem vergangenen Oktober liegt die Aktie deutlich höher.
Die Kursschwäche der vergangenen Tage dürfte weniger mit dem operativen Geschäft als mit der Unsicherheit über den Ausgang des Übernahmeverfahrens zusammenhängen. Anleger warten nun auf die formale Entscheidung der EZB, die über das weitere Schicksal der Commerzbank als eigenständiges Institut oder als Teil von UniCredit maßgeblich entscheiden wird.
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