Commerzbank Aktie: UniCredit steigt auf über 60 Prozent

Berlin signalisiert Bereitschaft, seine Commerzbank-Anteile an UniCredit zu veräußern, sofern sich beide Banken auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Die Kernpunkte:
  • Bund prüft Anteilsverkauf an UniCredit
  • Strategieeinigung als zentrale Bedingung
  • UniCredit-Anteil könnte auf 60 Prozent steigen
  • Aktie nahe 52-Wochen-Hoch

Die Bundesregierung zeigt sich offen dafür, ihren verbliebenen 12,7-Prozent-Anteil an der Commerzbank an UniCredit zu verkaufen. Das berichtete Bloomberg am heutigen Montag unter Berufung auf Regierungsvertreter. Eine Bedingung ist zentral: Nur wenn sich UniCredit und die Commerzbank-Führung auf eine gemeinsame Strategie einigen, will Berlin seinen Anteil abgeben.

Ein Verkauf wäre eine Kehrtwende gegenüber der bisherigen Zurückhaltung des Bundes. UniCredit hält bereits knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile – laut Bloomberg konkret 47,6 Prozent der Aktien und 49,7 Prozent der Stimmrechte. Käme der Bundesanteil hinzu, stiege die Beteiligung der Italiener auf über 60 Prozent und damit auf eine klare Mehrheit.

Offiziell äußerte sich die Regierung bislang nicht zu den Berichten, und Bloomberg betont, dass Gespräche über einen solchen Deal keineswegs garantiert sind. Neben der Strategieeinigung müssten auch Preis und Zusagen zur Zukunft der Bank stimmen.

Machtkampf zwischen Orlopp und Orcel

Hinter den Kulissen tobt offenbar ein Ringen um die Ausrichtung der Bank. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt Teile der Pläne von UniCredit-Chef Andrea Orcel ab, insbesondere Kürzungen im internationalen Netzwerk der Commerzbank. Orcel wiederum soll damit gedroht haben, das Management auszutauschen und stattdessen direkt mit der Bundesregierung zu verhandeln.

Gleichzeitig soll Orlopp inzwischen die Realität der UniCredit-Übernahme akzeptiert haben und in Verhandlungen eingetreten sein. Auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte bereits Ende Juli die Einladung zu Gesprächen mit UniCredit ausgesprochen.

Ein Verkauf des Bundesanteils könnte die Position Orlopps in diesem Ringen sogar stärken, da er UniCredit näher an die Mehrheit brächte, ohne dass die Übernahme über den Kapitalmarkt erzwungen werden müsste.

Für die Kartellbehörden bleibt ohnehin die Europäische Zentralbank am Zug: Eine Entscheidung über die aufsichtsrechtliche Freigabe wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Damit hätte die Bundesregierung im Sommer ihre im Juni signalisierte Ablehnung eines Verkaufs faktisch zurückgenommen.

Aktie nahe Zwei-Jahrzehnte-Hoch

Der Kapitalmarkt reagiert verhalten auf die neuen Signale aus Berlin. Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 39,70 Euro und damit leicht unter dem Schlusskurs vom Freitag von 39,85 Euro. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,5 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar von 8,3 Prozent.

Das Papier bewegt sich damit nur knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst kürzlich markiert wurde – ein Niveau, das laut Marktbeobachtern einem Zwei-Jahrzehnte-Hoch entspricht.

Getragen wird die Kursentwicklung auch von der operativen Stärke der Bank: Vor rund zwei Wochen hatte die Commerzbank einen Nettogewinn von 898 Millionen Euro für das zweite Quartal vorgelegt, seither hat die Aktie rund 3,0 Prozent zugelegt.

Diese Kombination aus soliden Zahlen und der nun greifbareren Übernahmeperspektive dürfte die Nachfrage nach der Aktie in den kommenden Wochen bestimmen. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich Orlopp und Orcel tatsächlich auf eine gemeinsame Linie einigen – erst dann würde der Weg für den Verkauf des Bundesanteils frei.

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