Commerzbank Aktie: Weidmann fordert Verhandlungen mit Orcel

Commerzbank-Chefaufseher Weidmann fordert Verhandlungen mit UniCredit. Die Aktie steigt deutlich und nähert sich dem Jahreshoch.

Die Kernpunkte:
  • Aufsichtsrat gibt Abwehrhaltung auf
  • Weidmann fordert direkte Gespräche
  • UniCredit hält knapp 48 Prozent
  • Aktie steigt auf 37,52 Euro

Monatelang hat sich die Commerzbank gegen die Übernahme durch UniCredit gestemmt. Am Montag ist damit Schluss. Aufsichtsratschef Jens Weidmann fordert das Management öffentlich auf, mit den Italienern zu verhandeln.

Die Commerzbank Aktie reagierte prompt. Sie legte um 2,23 Prozent zu und schloss bei 37,52 Euro. Damit nähert sich der Kurs wieder dem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das nur noch 4,24 Prozent entfernt liegt.

Weidmann beendet die Blockade

Der Grund für den Kurswechsel ist simpel: Die Mehrheitsverhältnisse sind längst entschieden. UniCredit hält inzwischen Zugriff auf rund 47,6 Prozent der Stimmrechte, Derivate eingerechnet. Ein reiner Abwehrkurs bringt da nichts mehr.

Weidmann fordert UniCredit-Chef Andrea Orcel deshalb zu direkten Gesprächen auf. Es geht um die künftige Struktur des Instituts. Drei Punkte stehen im Zentrum der Verhandlungen: Garantien für den deutschen Mittelstand, der Erhalt der Frankfurter Zentrale und soziale Absicherungen für die rund 39.000 Beschäftigten.

Orcel schlägt versöhnliche Töne an

Der Sinneswandel in Frankfurt kommt nicht aus dem Nichts. Am Sonntag gab sich UniCredit-Chef Andrea Orcel im Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ auffällig kompromissbereit. Er sprach von einer „gemeinsamen Basis“ und stellte umfassende Zusagen für die deutsche Wirtschaft in Aussicht.

Für die Commerzbank bedeutet das wohl die Integration in einen neuen europäischen Banken-Champion. UniCredit peilt laut Medienberichten bereits für das vierte Quartal 2026 eine weitgehende Kontrolle an. Die bisherige Eigenständigkeitsstrategie „Momentum 2030″ von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp dürfte in den Verhandlungen entsprechend angepasst werden.

Zahlen und Regulierung als nächste Hürden

Die Übernahme-Euphorie ändert nichts am operativen Alltag. Am 6. August legt die Commerzbank ihren Bericht zum zweiten Quartal vor. Analysten schauen genau hin, ob die Bank ihr angehobenes Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026 untermauern kann.

Auch die Europäische Zentralbank hat noch ein Wort mitzureden. Sie muss sowohl der weiteren Anteilsaufstockung als auch einer möglichen Fusion formal zustimmen. Der politische Widerstand in Berlin bröckelt zwar – die endgültigen Bedingungen der Transaktion hängen aber maßgeblich davon ab, was Frankfurt und Mailand in den kommenden Wochen aushandeln.

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