Commerzbank Aktie: Weidmann hält Staatsanteil für sinnvoll
Jens Weidmann will den Staatsanteil an der Commerzbank zunächst sichern. Zugleich gewinnt UniCredit im Übernahmeringen an Einfluss.

- Weidmann befürwortet staatliche Beteiligung
- UniCredit kontrolliert bis zu 49,65 Prozent
- Berlin plant Treffen mit Andrea Orcel
- Commerzbank-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Ende August dafür ausgesprochen, dass der Bund seine Commerzbank-Beteiligung vorerst behält. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der sich die Machtverhältnisse rund um das Institut spürbar verschieben.
Der Bund als Aktionär in der Übernahmedebatte
Weidmann verwies in dem Gespräch auf das laufende Übernahmeringen mit UniCredit und ordnete die Rolle des Bundes ein, der derzeit rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält. Seine Position markiert einen bemerkenswerten Kontrapunkt: Während in Berlin zuletzt Bewegung in Richtung einer möglichen Transaktion zu beobachten war, plädiert der Aufsichtsratschef für Kontinuität beim staatlichen Engagement statt für einen schnellen Ausstieg.
Der Zeitpunkt der Aussage ist kein Zufall. UniCredit hat durch den Einzug der letzten von der Commerzbank zurückgekauften eigenen Aktien inzwischen ohne eigenes Zutun Zugriff auf bis zu 49,65 Prozent der Anteile erhalten.
Zwar ändert das an den Stimmverhältnissen auf der Hauptversammlung zunächst nichts, weil eigene Aktien nicht stimmberechtigt sind. Dennoch verschiebt sich das Bild einer möglichen Übernahme sichtbar zugunsten der italienischen Bank.
Politisches Berlin sucht das Gespräch mit Orcel
Reuters berichtete, dass die Bundesregierung ihre bisherige Blockadehaltung gegenüber einer Übernahme aufgegeben habe. Diese Entwicklung wertet die Aussage Weidmanns zusätzlich auf: Sein Plädoyer für einen vorerst bestehenden Staatsanteil liest sich als Versuch, dem Bund in den anstehenden Weichenstellungen Verhandlungsmacht zu sichern, statt die Beteiligung vorschnell aus der Hand zu geben.
Für den 14. September ist in Berlin ein Treffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil mit UniCredit-Chef Andrea Orcel angesetzt, wie Reuters meldete. Dieses Gespräch dürfte zeigen, ob sich die veränderte Haltung der Bundesregierung tatsächlich in konkreten Schritten niederschlägt oder ob der Bund, wie von Weidmann angeregt, zunächst an Bord bleibt.
Kurs bewegt sich seitwärts nahe Jahreshoch
Am Kapitalmarkt hat sich die Nachrichtenlage bislang nicht in großen Ausschlägen niedergeschlagen. Die Aktie notiert rund 3,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das Ende August markiert wurde. Auf Jahressicht summiert sich der Kursgewinn auf 9,9 Prozent – ein Zeichen dafür, dass Anleger die schrittweise Annäherung zwischen Berlin und Mailand bislang eher gelassen begleiten.
Die Analystenlage bleibt gespalten: Anfang August hatte die Deutsche Bank die Commerzbank auf „Buy“ hochgestuft, während JP Morgan zeitgleich bei „Neutral“ verharrte – Einschätzungen, die zum jetzigen Zeitpunkt bereits mehrere Wochen zurückliegen und die aktuelle Entwicklung um das Bundesfinanzministerium noch nicht abbilden.
Entscheidender für die kommenden Wochen dürfte sein, wie sich Klingbeil und Orcel bei ihrem Treffen positionieren – und ob Weidmanns Plädoyer für einen fortbestehenden Staatsanteil in der Politik Gehör findet.
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