Commerzbank Aktie: Weidmann will Bund im Boot halten

Commerzbank-Aufsichtsratschef Weidmann spricht sich gegen einen schnellen Verkauf der Staatsanteile aus und kritisiert die Übernahmepraxis der UniCredit.

Die Kernpunkte:
  • Weidmann gegen Bundesausstieg
  • UniCredit hält fast 50 Prozent
  • Kritik an Übernahmeregelung
  • Sparpläne der Italiener gefürchtet

Der Übernahmekampf zwischen Commerzbank und UniCredit geht in eine neue Phase — und Aufsichtsratschef Jens Weidmann positioniert sich klar. Der Bund solle seine Anteile vorerst nicht verkaufen, fordert er. Ein bemerkenswerter Vorstoß, denn zuletzt gab es Spekulationen, die Bundesregierung könnte einem Ausstieg unter bestimmten Bedingungen zustimmen.

Der deutsche Staat hält seit der Finanzkrise Anteile an der Commerzbank, aktuell rund 12 Prozent, und ist damit zweitgrößter Aktionär hinter der italienischen UniCredit. Die Römer hatten im Mai ein Übernahmeangebot vorgelegt und sich mittlerweile Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert.

Weidmann begründet seine Haltung mit den „Interessen des Standorts Deutschland“, die der Bund in der aktuellen Phase aktiv vertreten solle. Perspektivisch, so räumt er ein, sei ein Rückzug des Staates aus der einstigen Rettungsbeteiligung durchaus sinnvoll — nur eben nicht jetzt.

Kritik am Übernahmerecht

Besonders scharf äußert sich Weidmann zur Mechanik der UniCredit-Offerte. Von den rund 73 Prozent der Aktien, die den Italienern hätten angedient werden können, kamen nur knapp 18 Prozent tatsächlich zusammen. Groß- und Privatanleger beteiligten sich mit weniger als drei Prozent, den Rest steuerten mit UniCredit verbundene Banken bei.

Für Weidmann ein Konstruktionsfehler im deutschen Übernahmerecht: UniCredit habe so mit einem aus seiner Sicht finanziell unattraktiven Angebot die Mehrheit erreicht, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.

Der Aufsichtsratschef warnt zudem vor den Folgen des UniCredit-Sparplans. Um binnen zwölf Monaten 1,3 Milliarden Euro einzusparen, drohten auch in Deutschland deutliche Einschnitte.

Parallel dazu bestätigte Weidmann, dass auf verschiedenen Ebenen bereits Gespräche zwischen beiden Häusern laufen — über technische Fragen, den rechtlichen Rahmen und das weitere Vorgehen nach einer möglichen Übernahmegenehmigung. Nach eigener Einschätzung sei nach einer „nicht immer konstruktiven Phase“ nun Zeit nötig, um Vertrauen aufzubauen.

An der Börse blieb die Reaktion verhalten: Die Aktie bewegte sich am Montag nur leicht um die 39-Euro-Marke. Die eigentliche Entscheidung liegt woanders — bei der Frage, ob sich Bund und UniCredit auf eine gemeinsame Linie für die Zukunft der Commerzbank einigen können.

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