Commerzbank Aktie: Zwölf Prozent Bundesanteil stehen vor der Übernahmefantasie wie ein Schlagbaum
Ein Analyst bewertet das eigenständige Bankgeschäft und hält mögliche Übernahmevorteile angesichts des Bundesanteils für unsicher.

- Bund hält rund zwölf Prozent
- UniCredit plant Wechsel im Aufsichtsrat
- Faires Zwölfmonatsniveau bei rund 33 Euro
- Niedrigere Kosten-Ertrags-Relation als Prüfstein
Der nächste Quartalsbericht soll zeigen, wie belastbar die Ziele der Commerzbank im laufenden Geschäft sind. Zugleich plant UniCredit einen Wechsel der Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat, während der Bund an seiner Beteiligung festhält. Wie viel Eigenständigkeit und wie viel Übernahme steckt damit in der Bewertung? Darüber spricht die Redaktion mit Dieter Jaworski.

Commerzbank (DE000CBK1001) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 02.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 02.10.2026.
Felix Baarz: UniCredit will offenbar alle zehn Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat austauschen. Ist das nicht der entscheidende Schritt zur Kontrolle, den Ihre skeptische Bewertung unterschätzt?
Dieter Jaworski: Das ist ein ernster Machtanspruch. Der Markt sieht ihn auch; übersehen wird eher, wie weit der Weg von einem besetzten Aufsichtsrat zu einer wirtschaftlich nutzbaren Übernahme ist. Einfluss ist noch keine Integration.
Solange der Bund seine Beteiligung hält, bleibt ein vollständiger Zugriff auf die Commerzbank schwerer durchzusetzen. Und erst bei einem solchen Zugriff ließen sich mögliche Vorteile einer grenzüberschreitenden Verbindung verlässlich den Aktionären zurechnen. Für eine Absicht allein zahle ich keinen vollen Preis.
Felix Baarz: Sie sagen: „Einfluss ist noch keine Integration.“ Wenn UniCredit die Anteilseignervertreter bestimmt, kann die Bank ihre Eigenständigkeit dann überhaupt noch glaubwürdig verteidigen?
Dieter Jaworski: Sie kann sie nicht einfach behaupten. Ein neuer Aufsichtsrat könnte die strategische Richtung erheblich verändern; das würde ich keineswegs wegwischen. Nur hängt der Wert für die übrigen Aktionäre daran, was aus dieser Richtung tatsächlich wird. Ein Machtwechsel beantwortet noch nicht, welche Erträge bei der Commerzbank verbleiben und welche Vorteile UniCredit für sich nutzt. Diese Ungewissheit gehört in die Bewertung.
Felix Baarz: Berlin prüft strengere Transparenzpflichten für Derivategeschäfte. Macht ein gebremster Käufer Ihre Skepsis nicht hinfällig?
Dieter Jaworski: Die Annahme trägt nicht. Ein gebremster Käufer macht die Bank nicht automatisch mehr wert. Fehlt die Aussicht auf eine Übernahme, muss ihr eigenes Geschäft den Preis allein rechtfertigen.
Felix Baarz: Die Bank gibt viel Kapital an ihre Aktionäre zurück. Ist Ihre Bewertung der eigenständigen Commerzbank da nicht zu streng?
Dieter Jaworski: Die Kapitalrückgabe zählt. Bei einer Bank interessiert mich vor allem, wie dauerhaft sie Gewinn aus ihrem Eigenkapital erzielt; eine Bewertung nach Maßstäben für Industriekonzerne hilft hier wenig. Der Bund hält rund zwölf Prozent.
Solange er an dieser Beteiligung festhält, rechne ich einen raschen vollständigen Zugriff durch UniCredit nicht als gesicherten Wert ein. Das eigene Geschäft verdient Anerkennung, der mögliche Übernahmepreis einen Abschlag.
Felix Baarz: Was müsste der nächste Quartalsbericht zeigen, damit Sie Ihre Einschätzung der eigenständigen Bank ändern?
Dieter Jaworski: Mein faires Zwölfmonatsniveau liegt bei rund 33 Euro. Ich könnte damit zu vorsichtig sein. Früh erkennen würde ich das an einer dauerhaft niedrigeren Kosten-Ertrags-Relation – also einem geringeren Kostenanteil an den Erträgen –, ohne dass die Erträge dabei schwach werden.
Der nächste Bericht kann dafür einen ersten Beleg liefern. Die Umfrage zum geplanten Altersvorsorgedepot zeigt Interesse; tatsächliche Abschlüsse über die Commerzbank und comdirect wären später der härtere Test für dieses neue Geschäft. Heute bezahle ich dafür noch keinen sicheren Ertrag.
Felix Baarz: Wenn der Bund seine rund zwölf Prozent hält: Überzeugt Sie die Bewertung der Commerzbank als eigenständige Bank?
Dieter Jaworski: Nein. Das Bankgeschäft ist besser, als manche Übernahmedebatte vermuten lässt. Der Preis verlangt von diesem Geschäft allerdings schon viel und behandelt UniCredits Pläne obendrein wie einen weitgehend einlösbaren Vorteil. Darauf würde ich mich bei einer grenzüberschreitenden Übernahme mit einem festhaltenden Bund nicht verlassen.
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