Commerzbank: Aktien-Einzug erhöht UniCredit-Anteil

UniCredit hält nach der Einziehung eigener Commerzbank-Aktien bis zu 49,65 Prozent. Gespräche und EZB-Prüfung schreiten weiter voran.

Die Kernpunkte:
  • UniCredit-Anteil steigt auf 49,65 Prozent
  • Commerzbank reduziert ausstehende Aktien
  • Berlin signalisiert Dialogbereitschaft
  • EZB prüft Mehrheitsbeteiligung im Herbst

Die Übernahmegeschichte um die Commerzbank nimmt weiter Fahrt auf. Durch die Einziehung zurückgekaufter eigener Aktien ist der Stimmrechtsanteil der italienischen UniCredit am 20. August automatisch auf bis zu 49,65 Prozent gestiegen – ohne dass die Italiener selbst neue Aktien erwerben mussten. Zuvor lag die Beteiligung bei 47,59 Prozent.

Aktienrückkauf als Beschleuniger

Der Mechanismus ist rein technischer Natur: Zieht die Commerzbank eigene, zurückgekaufte Aktien ein, sinkt die Gesamtzahl der ausstehenden Anteile. Dadurch wächst der prozentuale Anteil bestehender Großaktionäre automatisch, ohne dass diese selbst aktiv werden.

Bereits am 21. August hatte eine Mitteilung der Commerzbank angedeutet, dass der laufende Rückkauf die Position der Italiener weiter nach oben treiben könnte. Diese Entwicklung ist damit keine überraschende Eskalation, sondern die Fortsetzung eines seit Wochen bekannten Trends.

Politik und Aufsichtsrat signalisieren Gesprächsbereitschaft

Parallel zur technischen Aufstockung bewegt sich auch die politische Ebene. Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil hat UniCredit-Chef Andrea Orcel laut Medienberichten zu einem Gespräch über die Zukunft der Commerzbank eingeladen. Das Treffen signalisiert, dass Berlin die Übernahmefrage nicht länger blockiert, sondern aktiv in den Dialog eintritt.

Auch aus dem Aufsichtsrat der Commerzbank kommen versöhnlichere Töne. Aufsichtsratsvorsitzender Jens Weidmann erklärte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass auf verschiedenen Ebenen bereits Gespräche zwischen Commerzbank und UniCredit stattfinden. Diese Aussage markiert einen Wandel gegenüber der bisherigen Abwehrhaltung des Instituts.

Regulatorische Hürden auf der Zielgeraden

Auf aufsichtsrechtlicher Seite hat der Genehmigungsprozess bereits im August wichtige Etappen genommen. Die BaFin stufte den Antrag der UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung als vollständig ein und leitete ihn an die Europäische Zentralbank weiter.

Die EZB hat nun bis zu 60 Arbeitstage Zeit für ihre Entscheidung, mit der Möglichkeit einer Verlängerung um weitere 20 Tage. Ein internes EZB-Dokument aus dem Juli hatte laut Bloomberg bereits eine Neigung zur Genehmigung erkennen lassen. Marktbeobachter rechnen inzwischen mit einer endgültigen Entscheidung im Herbst 2026.

Kursentwicklung spiegelt Übernahmefantasie

Die Aktie der Commerzbank schloss am Montag bei 39,95 Euro, nach einem Tagesverlust von 0,7 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 20 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beträgt der Zuwachs 11 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 41,00 Euro, erreicht am 26. August, trennen das Papier nur noch 2,6 Prozent – ein Zeichen dafür, dass der Markt die Übernahmenäherung positiv einpreist.

Für Anleger verdichten sich damit mehrere Signale zu einem stimmigen Bild: Die technische Aufstockung der UniCredit-Beteiligung, die politische Gesprächsbereitschaft in Berlin und der fortschreitende Genehmigungsprozess bei der EZB deuten gemeinsam darauf hin, dass eine Entscheidung über die Zukunft der Commerzbank näher rückt als noch vor wenigen Wochen.

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