Commerzbank: Aktieneinzug verschiebt Stimmrechte zu UniCredit
Der Aktieneinzug der Commerzbank erhöht UniCredits Stimmrechtsgewicht rechnerisch. Eine Zustimmung von Bund und Management bleibt jedoch offen.

- Commerzbank zieht eigene Aktien ein
- UniCredits Einfluss steigt rechnerisch
- Bund hält weiterhin 12,7 Prozent
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch
Die Commerzbank hat ihre zuletzt zurückgekauften eigenen Aktien eingezogen. Der Anteil der Bank an ihren eigenen Papieren fiel damit zum 19. August von 4,14 Prozent auf null. Für UniCredit bedeutet das einen rechnerischen Zugewinn an Einfluss, ohne dass die italienische Großbank selbst eine einzige Aktie hinzugekauft hätte.
Bund als letzte Hürde
Nach Abschluss ihres Übernahmeangebots im Juli hält UniCredit 47,59 Prozent des Kapitals der Commerzbank, was 49,65 Prozent der Stimmrechte entspricht. Durch den Aktieneinzug rutscht dieser Stimmrechtsanteil nun näher an eine faktische Kontrollmehrheit, obwohl UniCredit formal nichts unternommen hat. Die Gesamtzahl der Stimmrechte liegt nach der Kapitalmaßnahme bei 1.080.847.095.
Damit rückt der Blick auf den verbleibenden großen Blockaktionär: die Bundesregierung, die noch 12,7 Prozent an der Commerzbank hält. Einem Medienbericht zufolge ist Berlin bereit, diesen Anteil unter bestimmten Bedingungen an UniCredit zu verkaufen.
Zentrale Voraussetzung wäre, dass die amtierende Führungsriege der Commerzbank den strategischen Plänen von UniCredit zustimmt – ein Punkt, der angesichts der bisherigen Zurückhaltung des Managements nicht trivial ist.
Parallel dazu bewegt sich das aufsichtsrechtliche Verfahren voran. Die BaFin hatte den Übernahmeantrag von UniCredit bereits Anfang August als vollständig eingestuft und zur Entscheidung an die Europäische Zentralbank weitergeleitet, die dafür eine Frist von 60 Arbeitstagen hat.
Laut einem internen Dokument, über das berichtet wurde, neigt die EZB zu einer Genehmigung der Übernahme. Eine formale Entscheidung steht damit im Raum, ohne dass ein konkreter Termin feststeht.
Gesprächsfäden zwischen Mailand und Frankfurt
Auf der Führungsebene hat sich zuletzt Bewegung gezeigt. Aufsichtsratschef Jens Weidmann signalisierte Ende Juli beziehungsweise im August Bereitschaft zu einem konstruktiveren Dialog mit UniCredit.
Im Zuge dessen kam es im August zu ersten formalen Gesprächen zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp. Ob daraus eine Annäherung in der Sache wird, ist offen – die Aktionärsstruktur allein verschiebt sich derweil unabhängig vom Ausgang dieser Gespräche weiter zugunsten von UniCredit.
Kurs nahe Jahreshoch
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus fortschreitender Übernahme und operativer Stärke in einem robusten Kursverlauf. Am Freitag schloss die Aktie bei 40,30 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent auf Tagessicht und 3,2 Prozent auf Wochensicht. Damit notiert das Papier nur 1,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das erst am 26. August markiert wurde.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 12 Prozent zu Buche, über zwölf Monate summiert sich der Anstieg auf 25 Prozent – getrieben sowohl von der Übernahmefantasie als auch von der im vergangenen Monat angehobenen Ergebnis-Guidance des Instituts für das laufende Jahr.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Der Kursanstieg spiegelt zunehmend die Erwartung einer erfolgreichen Übernahme wider, während die eigentliche Entscheidung über die Zustimmung von Bund und Management noch aussteht. Der schleichende Anstieg des UniCredit-Stimmrechtsanteils ohne aktives Zutun dürfte den Druck auf beide Seiten in den kommenden Wochen erhöhen.
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