Commerzbank, Nvidia und Bitcoin: Wer bestimmt eigentlich den Kurs?

Rekordgewinn, politische Eingriffe und Finanzierungsfragen zeigen, wie stark Eigentümer, Gesetzgeber und Kapitalflüsse die Märkte prägen.

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Die Kernpunkte:
  • Commerzbank erzielt 2,7 Milliarden Euro Überschuss
  • UniCredit sichert sich knapp 50 Prozent
  • SOX verliert an einem Tag über 12 Prozent
  • Bitcoin-Fonds verzeichnen kräftige Mittelabflüsse

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wer eine Aktie hält, sollte sich gerade fragen, wer über ihren Wert entscheidet. Ist es das Unternehmen selbst, ein Großaktionär oder der Gesetzgeber? Diese Woche lieferte für jede dieser Antworten ein Beispiel.

In Frankfurt meldet die Commerzbank den höchsten Neunmonatsgewinn ihrer Geschichte und wird zugleich Teil der UniCredit. In New York hat die Politik den KI-Handel am Donnerstag um rund 2,5 Billionen Dollar erleichtert, bevor die Käufer am Freitag zurückkamen. Gute Zahlen allein reichen in beiden Fällen nicht, und genau darin liegt die eigentliche Nachricht.

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Commerzbank: Der Rekord gehört schon Mailand

Die Commerzbank verdient so viel wie nie, doch die Börse zuckt mit den Schultern. Nach neun Monaten steht ein Rekordüberschuss von rund 2,7 Milliarden Euro, mehr als im gesamten Vorjahr. Das dritte Quartal lag allerdings knapp unter den Erwartungen. Die Prognose für den Zinsüberschuss sinkt leicht; gemeint ist der Betrag, um den die Zinseinnahmen einer Bank ihre Zinskosten übersteigen.

Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 38,00 Euro und damit deutlich unter ihrem Septemberhoch. Was sagen die Analysten? RBC senkte das Kursziel auf 39 Euro. Die kurzfristigen Folgen der Übernahme seien schwer kalkulierbar, der Zinsertrag trübe sich ein.

Die eigentliche Geschichte spielt ohnehin in Mailand. UniCredit hat sich Zugriff auf knapp 50 Prozent der Anteile gesichert. Eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027 könnte alle Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat austauschen. Wer Commerzbank hält, hält faktisch schon eine UniCredit-Position mit Frankfurter Etikett und sollte die italienische Aktie im Blick behalten, die am Freitag bei 76,84 Euro schloss.

Nvidia: Erst die Politik, dann die Bilanz

Der Ausverkauf am Donnerstag kam nicht aus schwacher Nachfrage, sondern aus der Wahlurne. Nach dem Sieg der Demokraten in beiden Kongresskammern stimmten fast alle lokalen Initiativen für Beschränkungen beim Bau von Rechenzentren. Dazu kamen Zwangsverkäufe von Hedgefonds. Der Halbleiterindex SOX verlor an diesem Tag über 12 Prozent.

Am Freitag holte Nvidia 3,2 Prozent auf, auf Monatssicht bleibt aber ein Minus von 21 Prozent. Melius Research hält an seiner Kaufempfehlung fest, warnt aber vor Finanzierungsrisiken bei den Kunden. Wo liegt der Haken? Meta weist inzwischen wie Alphabet und Amazon einen negativen freien Cashflow aus: Bei diesen Konzernen fließt mehr Geld hinaus, als das Geschäft einbringt.

Am Dienstag, 17. November, legt Nvidia nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vor. Analysten erwarten rund 109 Milliarden Dollar Umsatz. Nach Reuters-Informationen haben ByteDance, Alibaba und Tencent zudem Karten im Wert von über 35 Milliarden Dollar bestellt.

Wer Nvidia hält, kauft also einen politischen Abschlag auf ein Unternehmen, dessen Auftragslage die Kapazität übersteigt. Das Risiko liegt in der Zahlungsfähigkeit der großen Cloud-Konzerne, nicht im Bedarf.

Chipmontage: Wo Nvidia selbst investiert

Die Lieferkette erzählt eine andere Geschichte als die Kurse. Nvidia finanziert nach Reuters-Informationen mit einem Milliardenbetrag neue Fabriken bei SPIL, einer Tochter des taiwanischen Chipverpackers ASE. Damit sollen Engpässe bei der fortgeschrittenen Montage behoben werden, bei der Chips zu fertigen Bausteinen zusammengesetzt werden. ASE erwartet, dass der Umsatz mit diesem Geschäft von 300 Millionen Dollar 2026 auf über eine Milliarde 2027 springt.

Ex-Intel-Chef Pat Gelsinger rechnet damit, dass dieser Schritt künftig bis zu 50 Prozent des Chipwerts ausmachen könnte. Wie kommen deutsche Anleger an diesen Trend? Als handelbarer Hebel gilt ASML, die Aktie legte am Freitag 5,6 Prozent zu. Infineon dagegen verlor auf Wochensicht deutlich im Sog des Sektors.

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Bitcoin: Kein sicherer Hafen

Bitcoin pendelt am Samstag um 75.700 Dollar, ein Minus von 14 Prozent seit Jahresbeginn. Die börsengehandelten Bitcoin-Fonds in den USA verzeichneten am Donnerstag und Freitag kräftige Abflüsse. Hinzu kamen Zwangsverkäufe, überwiegend bei Anlegern, die auf Kredit auf steigende Kurse gesetzt hatten.

Woher kommt der Druck? Der Binance-Hack vom 29. Oktober wirkt nach, und die neue Senatsmehrheit der Demokraten schürt Sorgen vor schärferer Regulierung. Händler sehen die Zone 75.000 bis 76.000 Dollar als Schlüsselunterstützung, also als Bereich, in dem Käufer erwartet werden. Solange die Tech-Aktien nicht stabil sind, bleibt Bitcoin ein Risikoindikator und kein sicherer Hafen.

Der globale Kompass

Die Woche hat gezeigt, dass politische Schlagzeilen Kurse bewegen, Kapazitätsengpässe aber die Bilanzen. Bei der Commerzbank zählt der Großaktionär mehr als der Rekordgewinn, bei Nvidia der Gesetzgeber mehr als die volle Auftragslage.

Der starke US-Arbeitsmarkt hebt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Dezember laut LSEG auf 78 Prozent. Ob diese Wette hält, entscheiden die US-Verbraucherpreise am Dienstag, 10. November, und die Erzeugerpreise am Freitag.

Dazwischen berichten CoreWeave, Cisco, Applied Materials und Nebius. Das ist ein Härtetest für die Finanzierung der Rechenzentren, bevor Nvidia am 17. November das Urteil über den KI-Handel fällt. Das Wochenende liegt noch vor Ihnen, ein guter Moment, um das Depot auf genau diese Termine auszurichten.

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