Commerzbank: Tanz am Abgrund?

Die Commerzbank hat vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal präsentiert. Und lässt damit bei allen Anlegern die Alarmglocken läuten. Denn das, was die zweitgrößte Privatbank Deutschlands aufbot, war nicht nur schwach, sondern könnte für die weitere Zukunft des Instituts gefährlich werden.

© Commerzbank
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Schaut man auf die reinen Zahlen, fällt schon auf, wie schwach die Commerzbank derzeit aufgestellt ist. So musste das Kreditinstitut im Berichtszeitraum einen Rückgang beim operativen Ergebnis um 19% auf 342 Mio. Euro hinnehmen. Netto verdiente man nur noch 209 Mio. Euro, ein Abschlag zum Vorjahreszeitraum um satte 32%. Kein Wunder, dass man bei solchen Zahlen keinen weiteren Ausblick geben wollte. Vielmehr vertröstet man den Markt auf den vollständigen Bericht, der am 2. August präsentiert werden soll.

Was der Commerzbank besonders zu schaffen macht

Doch auch so ist schon offensichtlich, wo es am meisten hakt. Denn es ist ein gefährliches Dreigestirn, das der Bank zu schaffen macht. Zum einen fühlt sich die Commerzbank von immer neuen Regulierungsvorschriften in die Ecke gedrängt. Hinzu kommt das Niedrigzins-Niveau im Markt, das dafür sorgte, dass man die Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen aufstocken musste. Und zum dritten ist es die Krise in Italien, die in der Bilanz sichtbar wird, da die Commerzbank stark in italienischen Staatsanleihen engagiert ist.

Ergebnis dieser Gemengelage: Das harte Kernkapital der Bank ist im Berichtszeitraum um einen halben Prozentpunkt auf 11,50% gefallen. Das mag noch nicht dramatisch sein, da die EZB von den Euro-Geschäftsbanken derzeit nur eine harte Kernkapitalquote von 10,25% fordert. Die Commerzbank hat also noch etwas Luft. Gefährlich wird es mit Blick auf 2019. Denn dann fordert die EZB 11,75%. Doch wie das Kreditinstitut hier den Hebel wieder umlegen könnte, ist aktuell mehr als ungewiss.

Vorjahresziel nicht mehr erreichbar

Letztlich gilt: Das Ziel, wie im letzten Jahr mindestens eine Mrd. Euro am Jahresende verdient zu haben, dürfte nicht mehr erreichbar sein. Viele Analysten haben darauf schon reagiert, so dass der Konsens der Schätzungen bei nur noch rund 880 Mio. Euro liegt. Schlechte Vorzeichen ach für den Aktienkurs der Commerzbank. Denn dieser dürfte mit den neuen Zahlen nun noch weiter gen Süden laufen.

Schon vor dem heutigen Börsenbeginn ergibt sich ein signifikantes Minus. Und nachdem die Commerzbank schon gestern zu den Verlierern im DAX gehörte, dürfte sie wohl heute die Schlusslaterne halten müssen. Die Frage ist wohl dabei nur, ob sie ein- oder zweistellig verliert. Hier der Rat an alle Anleger, momentan die Finger von der Commerzbank zu lassen.

Commerzbank-26-07-16

P.S. Interessant wird, wie sich die Deutsche Bank bei solchen Vorgaben schlagen kann. Sie wird morgen ihre Zahlen vorlegen und geht es nach den bisherigen Meldungen und Einschätzungen, ist ach hier wenig Gutes zu erwarten. Allerdings könnte die Deutsche Bank im Gegensatz zur Commerzbank mit besseren Perspektiven punkten, wenn es sie denn gibt.

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