Commerzbank vor der EZB-Entscheidung: Was die Genehmigung für Anleger bedeutet
UniCredit strebt die Commerzbank-Mehrheit an, während die EZB-Prüfung läuft und ein Sparprogramm von 1,3 Milliarden Euro Risiken birgt.

- EZB signalisiert mögliche Übernahmegenehmigung
- UniCredit hält rund 47,6 Prozent
- Commerzbank hebt Jahresziele erneut an
- Sparplan könnte deutsche Standorte belasten
Ausgangslage
Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank tritt in ihre entscheidende regulatorische Phase. Die BaFin hatte Ende Juli die Vollständigkeit des Antrags von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung von über 30 Prozent festgestellt und die Angelegenheit zur endgültigen Bewertung an die Europäische Zentralbank weitergeleitet.
Mitte August lehnte sich die EZB laut einem internen Dokument, das Bloomberg vorliegt, bereits zur Genehmigung der Übernahme hin. Damit rückt jener Verfahrensschritt näher, der über das künftige Schicksal der Commerzbank entscheidet – auch wenn ein finaler Beschluss der Notenbank weiterhin ausständig ist.
Parallel dazu warnte Aufsichtsratschef Jens Weidmann vor möglichen Einschnitten: Um den von UniCredit skizzierten Sparplan von 1,3 Milliarden Euro binnen zwölf Monaten umzusetzen, müsse auch in Deutschland massiv reduziert werden.
Zugleich sprach sich Weidmann dafür aus, dass der Bund vorerst Aktionär bleiben solle, um die Interessen des Standorts aktiv zu vertreten. Diese beiden Aussagen markieren die Frontlinien, entlang derer sich die Zukunft der Bank entscheidet.
Die entscheidende Frage
Der Kurs hat sich in den vergangenen Wochen deutlich erholt und notiert aktuell bei 40,11 Euro, nur 2,2 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro. Die entscheidende Frage für Anleger ist damit nicht mehr, ob UniCredit die Kontrolle erlangt – der wirtschaftliche Anteil der Italiener liegt bereits bei rund 47,6 Prozent des Kapitals, entsprechend knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte.
Entscheidend ist vielmehr, wie die EZB die aufsichtsrechtliche Genehmigung terminiert und mit welchen Auflagen sie diese versieht, und ob der angekündigte Sparkurs die operative Substanz der Commerzbank – zuletzt mit einem Nettogewinn von 898 Millionen Euro im zweiten Quartal über der Analystenerwartung von 856 Millionen Euro – beschädigt oder stärkt.
Bullisches Szenario
Fällt die EZB-Genehmigung wie von Marktbeobachtern erwartet im Herbst oder spätestens im vierten Quartal 2026, könnte dies Klarheit schaffen und Unsicherheitsprämien aus dem Kurs nehmen. UniCredit-Chef Orcel selbst rechnet mit einer aufsichtsrechtlichen Freigabe möglicherweise noch im vierten Quartal.
Die Commerzbank selbst untermauert die operative Stärke mit einer angehobenen Jahresprognose: Ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro, ein auf 12 Prozent erhöhtes RoTE-Ziel und eine auf 53 Prozent verschärfte Cost-Income-Ratio-Zielmarke signalisieren, dass das Institut auch ohne Fremdübernahme profitabler wird.
Die „Momentum 2030“-Strategie mit einem Zielwert von 5,9 Milliarden Euro Nettoergebnis bis zum Jahrzehntende bietet zusätzlich eine eigenständige Wachstumsstory, sollte die Übernahme doch scheitern oder sich verzögern. Der jüngst angekündigte Aktienrückkauf von bis zu 1,2 Milliarden Euro stützt zudem die Kapitalrückführung an Aktionäre unabhängig vom Ausgang des Übernahmeprozesses.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der von Weidmann skizzierten Sparlogik. Sollten die von UniCredit angepeilten Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro tatsächlich massive Einschnitte in Deutschland erfordern, drohen Stellenabbau, Filialschließungen und ein Verlust an Ertragskraft in genau jenen Segmenten, die aktuell die starke Guidance tragen.
Zudem bleibt die EZB-Genehmigung trotz der wohlwollenden Signale noch nicht final beschlossen – ein Verfahrensschritt ist kein Etappensieg, und Auflagen zu Kapitalquoten oder Governance könnten den Zeitplan verzögern. Mit einer 30-Tage-Volatilität von 26 Prozent bleibt die Aktie zudem anfällig für kurzfristige Rückschläge, sollte die Nachrichtenlage von Erwartungen abweichen.
Ausblick
Solange die operativen Kennzahlen die angehobene Guidance stützen und die EZB-Signale in Richtung Genehmigung zeigen, dürfte der Kurs seine Aufwärtstendenz – seit Jahresbeginn bereits 11 Prozent im Plus – fortsetzen können.
Kippt hingegen der politische Widerstand, etwa durch eine harte Haltung des Bundes gegen den von Weidmann skizzierten Sparkurs, oder verzögert sich die EZB-Entscheidung über das vierte Quartal 2026 hinaus, dürfte die Unsicherheitsprämie zurückkehren.
Der nächste konkrete Anhaltspunkt bleibt die formale Entscheidung der EZB, deren Zeitfenster Marktbeobachter derzeit auf Herbst bis Anfang Dezember 2026 taxieren.
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