Commerzbank wartet auf Berlin, UBS rechnet mit Credit Suisse ab

Berlin knüpft Commerzbank-Verhandlungen an Bedingungen, während UBS Milliarden-Schulden tilgt und sich bei Healthcare sowie Software Unterschiede zeigen.

Die Kernpunkte:
  • Bund hält zwölf Prozent Commerzbank
  • UBS kauft 7,9 Milliarden Dollar zurück
  • Berenberg stuft Qiagen auf Hold
  • Kupfer erreicht 14.617 Dollar je Tonne

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Fed-Entscheidung dominiert diese Woche jede Schlagzeile – und lenkt damit von dem ab, was tatsächlich über die Rendite entscheidet. Der Bund verhandelt hart über die Zukunft der Commerzbank, die UBS räumt milliardenschwere Credit-Suisse-Altlasten aus der Bilanz, und in der laufenden Berichtssaison zeigt sich, wie unterschiedlich selbst Unternehmen derselben Branche abschneiden. Wer nur auf den Leitzins starrt, verpasst die eigentlichen Weichenstellungen fürs Depot.

Commerzbank: Der Bund zieht die Zügel an

Der Bund hält weiterhin 12 Prozent an der Commerzbank, doch UniCredit hat sich inzwischen Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert – und Berlin knüpft seine Zustimmung zu einer weiteren Annäherung an klare Bedingungen. Die Aktie notiert bei rund 42,69 Euro und damit nur knapp unter ihrem am 8. September markierten 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro. Der Markt preist die Übernahmefantasie also weiter ein, doch genau das macht das Papier verwundbar: Jede politische Verzögerung oder verschärfte Auflage kann die Bewertung schnell zurückwerfen. Wer hier long ist, wettet inzwischen weniger auf operative Fortschritte als auf den Ausgang eines Berliner Verhandlungspokers.

UBS entsorgt die letzten Credit-Suisse-Lasten

Deutlich unternehmerischer, aber nicht weniger bedeutsam, agiert die UBS: Die Bank kauft Credit-Suisse-Anleihen im Volumen von 7,9 Milliarden Dollar zurück – der bislang größte Rückkauf alter Credit-Suisse-Schulden seit der Übernahme. Zusätzlich will sie bei drei weiteren Anleihen von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen, wodurch in den kommenden Tagen noch einmal 1,8 Milliarden Dollar aus der Bilanz verschwinden. Das ist mehr als Bilanzkosmetik: Jede zurückgekaufte Anleihe senkt künftige Refinanzierungskosten und signalisiert, dass die Integration der Credit Suisse in die Zielgerade geht. Die UBS-Aktie notiert bei rund 47,08 Euro, nur knapp unter ihrem Juli-Hoch von 48,19 Euro – der Markt honoriert das Aufräumen bereits mit einer Bewertung nahe dem Jahreshoch.

Healthcare als Depot-Anker, aber nicht überall gleich

Während Technologiewerte im Bann der Fed-Entscheidung schwanken, liefert der Gesundheitssektor die Stabilität, die viele Anleger derzeit suchen – allerdings mit deutlichen Unterschieden im Detail. Berenberg hebt das Kursziel für Sartorius auf 280 Euro von zuvor 270 Euro an und bestätigt die Kaufempfehlung; die Aktie notiert aktuell bei rund 233,80 Euro, was der Einschätzung zufolge noch spürbares Potenzial lässt. Beim Laborausrüster Qiagen zieht dieselbe Bank dagegen die Reißleine: Rating runter auf „Hold“, Kursziel 40 Euro – bei einem Donnerstagsschlusskurs von 36,40 Euro bleibt zwar noch Luft nach oben, doch die Herabstufung zeigt, dass selbst innerhalb der Labor- und Diagnostikbranche Stockpicking über die Rendite entscheidet. Die laufende Berichtssaison im Sektor zeichnet ein ähnlich gemischtes Bild: Mehrere Schwergewichte übertrafen zuletzt die Gewinnerwartungen deutlich, während der Markt die Kursreaktionen überraschend unterschiedlich goutierte. Gesundheitswerte bleiben also die defensive Beimischung der Stunde – aber pauschales Sektor-Investing wird ihr nicht gerecht.

Oracle liefert, Adobe enttäuscht

Auch im Software-Sektor zeigt sich, dass „Tech“ längst keine Einheit mehr ist. Oracle meldete für das abgelaufene Quartal einen Umsatz von 19,35 Milliarden Dollar – über den Erwartungen und getragen vom Cloud-Geschäft, das sich damit als tragfähiger Wachstumsmotor bestätigt. Adobe dagegen schickte mit einer vorsichtigen Umsatzprognose fürs vierte Geschäftsquartal ein Warnsignal und gerät unter Druck. Für Anleger heißt das: Wachstumsstorys im Softwarebereich lassen sich nicht mehr pauschal spielen. Wer auf Cloud-Infrastruktur setzt, fährt derzeit besser als reine Lizenzmodelle mit unsicherer Nachfrage.

Während sich Oracle und Adobe auf der Software-Seite auseinanderentwickeln, positionieren sich einige der bekanntesten Namen der Finanzwelt bereits auf der anderen Seite der Tech-Wertschöpfungskette: bei den Chips. Die US-Regierung hält mittlerweile Anteile an rund 30 Unternehmen, darunter fast 10 Prozent an einem der größten Chip-Konzerne der Welt, TSMC hat sein US-Investment auf 265 Milliarden Dollar aufgestockt, und Warren Buffett, Peter Thiel sowie George Soros haben Milliarden in den Sektor gesteckt – lange bevor die breite Öffentlichkeit davon Notiz nahm. Genau dieses Muster steht im Zentrum des Live-Webinars „Die neue NVIDIA“, das Bernd Wünsche morgen um 18:00 Uhr abhält. Er analysiert, wie sich der Chip-Krieg zwischen den USA und China auf die Bewertung einzelner Halbleiterwerte auswirkt und welche Unternehmen vom aktuellen geopolitischen Kräftemessen konkret profitieren könnten – ein Blickwinkel, der über die reine Software-Betrachtung von Oracle und Adobe hinausgeht.

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Gold und Kupfer als stille Diversifikatoren

Abseits der Einzelwerte liefern zwei Rohstoffe die eigentliche Depot-Versicherung dieser Tage. Gold zieht spürbar an und bewegt sich klar über der 4.300-Dollar-Marke, bleibt aber noch deutlich unter seinem Januar-Hoch – ein Polster, das viele Anleger angesichts der Nahost-Risikoprämien und der Unsicherheit vor der nächsten Fed-Sitzung offenbar wieder aufbauen. Kupfer markierte dagegen ein handfestes Rekordhoch von 14.617 Dollar je Tonne an der Londoner Metallbörse, getrieben von einer um 1,1 Prozent gesunkenen globalen Minenproduktion im ersten Halbjahr und der Sorge vor neuen US-Zöllen. Mit einem Jahresgewinn von 17 Prozent ist Kupfer längst mehr als ein Konjunkturbarometer für China – es wird zum eigenständigen Absicherungsinstrument gegen Angebotsschocks.

Der globale Kompass

Der Blick geht zwangsläufig Richtung Fed-Entscheidung, doch die eigentlichen Kursimpulse dieser Woche kamen aus der Realwirtschaft: einer politisch aufgeladenen Bankenfusion, einer aufgeräumten UBS-Bilanz, einem gespaltenen Gesundheitssektor und einem Rohstoffmarkt, der sich zunehmend selbstständig macht. Wer sein Depot robust durch die Zinswoche bringen will, findet die besseren Argumente derzeit nicht im Chartbild der großen Indizes, sondern in genau diesen Einzelentscheidungen – bei der Commerzbank in Berlin, bei der UBS in Zürich, bei Sartorius und Qiagen im Labor, bei Oracle und Adobe im Rechenzentrum. Nehmen Sie sich das Wochenende, um genau hinzuschauen, bevor die Fed am Mittwoch den nächsten großen Takt vorgibt.

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