Commerzbank: Wie tief kann es noch gehen?

Die positiven Vorgaben vom Wochenanfang sind bei der Commerzbank schon wieder aufgebraucht. Die Aktie lag am Donnerstagnachmittag mit über 3 % Verlust auf der letzten Position im DAX. Und es dürfte noch ärger werden, wenn die ersten US-Banken am Freitag mit ihren Zahlen nicht überzeugen können.

© Commerzbank
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Dabei hatte die Commerzbank in den letzten Tagen durchaus interessante Ideen an den Markt gebracht. So kündigte das Bankhaus an, sich aus dem Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETF) zurückzuziehen. Die bislang dafür zuständige Tochtergesellschaft Comstage soll gemeinsam mit dem Zertifikate-Geschäft ausgelagert werden.

Commerzbank will Risiken zurückfahren

Einen späteren Verkauf oder einen Börsengang schließt das Kreditinstitut dabei ausdrücklich nicht aus. Allerdings hinterließ diese Ankündigung am Markt zwiespältige Reaktionen. Man hat zwar verstanden, dass sich die Commerzbank damit Risikoträgern, die entsprechende Kapitalreserven binden, entledigen möchte. Doch gleichzeitig ist die Zertifikate- bzw. ETF-Branche ein klares Wachstums-Segment.

Allerdings gehört die Bank selbst mit Comstage nur zu den kleineren Mitspielern im Markt. So kommt Comstage nur auf einen Marktanteil von 4 %. Im Zertifikatemarkt liegt die Commerzbank nach Volumen nur auf Platz 7. Da beide Geschäftsarten nur über sehr geringe Margen verfügen, ist hier Größe das A und O und wenn die Commerzbank meint, hier nicht gegenüber den Wettbewerbern aufholen zu können, ist tendenziell eine Trennung wohl das vernünftigste.

Arbeitsplatzabbau als Mogelpackung?

Aktuell kommt das allerdings eher als Kapitulation im Markt an. Doch auch an anderer Stelle hat die Commerzbank neue Probleme. So hat die Gewerkschaft Verdi nachgerechnet und ist beim angekündigten großen Arbeitsplatzabbau nur noch auf netto 7.000 Stellen gekommen, die wegfallen sollen.

So gänzlich überraschend ist diese Zahl nicht, denn schon bei der ersten Ankündigung hatte die Commerzbank mitgeteilt, dass es sich hier um netto 7.300 Stellen handeln sollte. Doch im Markt geisterte hauptsächlich die Bruttozahl von fast 10.000 Stellen herum und entsprechend negativ reagieren nun auch die Börsianer. Denn sie interpretieren die neuen Verdi-Zahlen so, dass die Commerzbank hinsichtlich der großen Umstrukturierung bislang eher eine Mogelpackung präsentiert habe.

Aktie weiter unter Druck

Das führt dazu, dass sich die Meinung des Marktes gegenüber der Aktie wieder deutlich eintrübt, was in einen weiteren kräftigen Kursverlust gipfelt. Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass die Aktie erneut ihr Jahrestief bei 5,15 € ausloten könnte. Ob dann die Chance auf eine Bodenbildung besteht, ist zumindest fraglich.

Denn es ist nicht davon auszugehen, dass die nächsten veröffentlichten Geschäftszahlen deutlich besser ausfallen werden. Hinzu kommt weiterhin der Druck aus Richtung Deutsche Bank, was der gesamten Bankbranche zusetzt.

Was der Commerzbank noch zu schaffen machen könnte

Und eben auch nicht zu vergessen die inzwischen angelaufene Quartalsberichtssaison, wo am Freitag die ersten US-Banken berichten werden. Dabei könnte vor allem Wells Fargo für einen neuen negativen Schwung in der Bankbranche sorgen, denn die Großbank ist derzeit im Mittelpunkt eines Skandals zu Scheinkonten, was gerade schon dem Chef seinen Posten gekostet hat.

Fazit: Das Risiko, dass die Commerzbank-Aktie weiter nach unten durchgereicht wird, bleibt sehr hoch. Käufe auf dem jetzigen Niveau und in der jetzigen Situation sind absolut nicht anzuraten.

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