CoreWeave Aktie: Anleihen unter Druck
Kreditchef John Lloyd hält den Ausverkauf für überzogen; hohe Schulden und steigende Finanzierungskosten belasten CoreWeave.

- Anleiherendite erreicht 15,97 Prozent
- Aktie fällt binnen einer Woche rund 20 Prozent
- Schuldenlast beträgt rund 51,6 Milliarden Dollar
- Lloyd sieht keinen akuten Refinanzierungsdruck
Die Anleihen von CoreWeave rentieren inzwischen fast wie Ramschpapiere in Schieflage. Ein Kreditprofi hält dennoch an seiner Position fest und sieht in der Verkaufswelle eine Übertreibung.
Rendite fast 16 Prozent
Die Anleihe mit 9,75 Prozent Kupon und Fälligkeit 2031 rentiert aktuell mit 15,97 Prozent bis zur Endfälligkeit. Seit der Emission im April ist die Rendite um mehr als 70 Prozent gestiegen. Teile der Schulden gelten am Markt als deutlich belastet, einige Papiere rentieren mit mehr als 15 Prozent.
Die Aktie verlor binnen einer Woche rund 20 Prozent und markierte am Dienstag ein 52-Wochen-Tief. Zum Handelsschluss drehte sie rund 2 Prozent ins Plus. Der Spread der fünfjährigen Kreditausfallversicherungen liegt bei 1.085 Basispunkten. Werte ab 1.000 gelten üblicherweise als Zeichen von Kreditstress.
Ein Teil der Erholung dürfte auf Gerüchte über eine Einigung mit dem Iran zurückgehen. Sie ließen den Ölpreis zeitweise fallen und hoben angeschlagene KI-Werte. Die Gerüchte wurden Marktbeobachtern zufolge rasch dementiert.
Der Fall für die Gelassenheit
John Lloyd, Kreditchef für Multi-Sector-Strategien bei Janus Henderson, hält die Reaktion für überzogen. Er verweist auf gestiegene US-Zinsen, die Unternehmen mit Refinanzierungsbedarf besonders treffen. Fundamental habe sich im KI-Umfeld wenig verändert, abgesehen von höheren Finanzierungskosten.
Die Zahlen mahnen allerdings zur Vorsicht. CoreWeave trägt Schulden von rund 51,6 Milliarden Dollar, das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital liegt bei 702 Prozent, vor einem Jahr waren es 290 Prozent. Für 2026 erwarten Analysten Investitionen von 36,4 Milliarden Dollar bei einem Ebitda von 7,5 Milliarden.
Im kommenden Jahr soll das Ebitda auf 16,7 Milliarden Dollar steigen, die Investitionen aber auf 47,9 Milliarden. Das spricht für weiteren Kapitalbedarf, über Schulden, neue Aktien oder beides.
Wege aus der Finanzierungsfalle
Lloyd sieht dennoch Spielraum. CoreWeave könne sich gegen GPUs oder Mietverträge finanzieren. Auch höhere Vorauszahlungen großer Kunden wie Microsoft, Meta Platforms und OpenAI seien denkbar. Kurzfristig fällige Verbindlichkeiten gebe es nicht, ein akutes Refinanzierungsrisiko bestehe daher nicht.
Zudem bleibe der Markt für KI-Rechenleistung eng: Chips und Speicher seien ausverkauft, die Nachfrage liege über den Erwartungen. CoreWeave gehöre zu den Besten darin, Rechenzentren schnell ans Netz zu bringen.
Als möglichen Wendepunkt nennt er den für November erwarteten Börsengang von Anthropic, später könnte OpenAI folgen. Erfolgreiche Platzierungen würden das Vertrauen in die KI-Nachfrage stärken. Die Anleihen sollten sich laut Lloyd erholen, allerdings „nicht in gerader Linie“.
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