CoreWeave Aktie: Größe gegen Bilanz

CoreWeave steigert Umsatz und Prognose, doch Nettoverlust und Zinskosten stehen einer hohen Verschuldung gegenüber.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz im zweiten Quartal verdoppelt
  • Auftragsbestand erreicht rund 104 Milliarden US-Dollar
  • Jahresprognose auf 12,4 bis 13,2 Milliarden angehoben
  • Indien-Projekt mit 240 Megawatt geplant

Zwei Neocloud-Anbieter, zwei Profile: CoreWeave hat den größeren Auftragsbestand, Rivale Nebius dafür die stärkere Bilanz und die bessere Kursentwicklung. Der Börsenwert-Rang hat sich in diesem Jahr gedreht.

Kursabstand zum Rivalen

CoreWeave liegt 2026 bisher gut 23 Prozent im Plus und notierte zuletzt bei 88,45 US-Dollar. Nebius kommt im selben Zeitraum auf mehr als 180 Prozent und übertrifft den Konkurrenten beim Börsenwert inzwischen. Beim Unternehmenswert bleibt CoreWeave allerdings vorn, was an der höheren Schuldenlast liegt.

Operativ wächst CoreWeave kräftig. Im zweiten Quartal verdoppelte sich der Umsatz auf rund 2,58 Milliarden US-Dollar, der Auftragsbestand liegt bei etwa 104 Milliarden US-Dollar. Die Jahresprognose hob das Unternehmen auf 12,4 bis 13,2 Milliarden US-Dollar an.

Unter dem Strich steht jedoch ein Nettoverlust von 626 Millionen US-Dollar. Der Zinsaufwand von 640 Millionen US-Dollar zeigt, was die Expansion kostet. Den 5,52 Milliarden US-Dollar an Zahlungsmitteln stehen rekurspflichtige Schulden von über 31 Milliarden US-Dollar gegenüber. Nebius weist dagegen mehr Liquidität aus, als es an Schulden trägt.

Indien als nächster Baustein

Neue Wachstumsfantasie liefert der Einstieg in Indien. Gemeinsam mit AdaniConneX plant CoreWeave 240 Megawatt Rechenzentrumskapazität am Standort Taloja bei Mumbai, mit NVIDIA Vera Rubin als Hardware. Die erste Phase soll Mitte 2028 verfügbar sein. Die Gesamtkapazität liegt derzeit bei mehr als 1,5 Gigawatt, angestrebt sind rund 8 Gigawatt.

Evercore ISI bekräftigte nach der Ankündigung sein Votum „Outperform“ mit einem Kursziel von 150 US-Dollar. Das Analystenbild bleibt breit gefächert: Rosenblatt sieht die Aktie bei 250 US-Dollar, Northland bei 200 US-Dollar. Mizuho bleibt mit 115 US-Dollar und neutralem Votum deutlich vorsichtiger. Im Schnitt liegen die Ziele bei gut 142 US-Dollar, der niedrigste Wert bei 74 US-Dollar.

Risiken bleiben

William Blair nahm beide Neoclouds Ende September mit „Outperform“ in die Coverage auf, nannte aber keine Kursziele. CoreWeave punkte demnach mit Größe, Auftragsbestand und nachgewiesener Finanzierungsfähigkeit. Als Schwäche gilt die konzentrierte Kundenbasis.

Skeptiker wie Jim Chanos halten die Branche für abhängig von schuldenfinanzierten Ausgaben in einem womöglich vorübergehenden KI-Boom. Zudem könnten etablierte Cloud-Konzerne die Neoclouds verdrängen. Gelingt es CoreWeave, den Auftragsbestand termingerecht in Rechenleistung umzusetzen und die Zinslast zu drücken, hätte die Aktie Raum bis zum Kursziel-Durchschnitt. Der Weg dorthin führt über die Finanzierung.

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