Corning Aktie: 6-Prozent-Rebound
Nach sechs Verlusttagen erholt sich die Corning-Aktie leicht. Analysten bleiben optimistisch und heben Kursziele an, während die hohe Bewertung ein Risiko darstellt.

- Kursplus von sechs Prozent nach Talfahrt
- Analysten heben Kursziele deutlich an
- Umsatzprognose für 2028 aufgestockt
- Bewertung mit 95-fachem Gewinn bleibt Risiko
Ein Kursplus von sechs Prozent an einem einzigen Tag beendet eine der heftigsten Talfahrten des Jahres. Und einen Tag später geht es schon wieder bergab. Bei Corning zeigt sich derzeit, wie nervös der Markt auf einen KI-Infrastruktur-Wert mit Rekordbewertung reagiert.
Am Donnerstag sprang die Aktie um sechs Prozent nach oben und beendete damit eine sechstägige Verlustserie, die rund 28 Prozent des Aktienwerts vernichtet hatte. Am Freitag notiert das Papier bei 166,92 Euro, ein Minus von 1,23 Prozent gegenüber dem Donnerstagsschluss von 169,00 Euro. Auf Wochensicht steht damit ein Rückgang von 5,36 Prozent zu Buche.
Sechstägiger Absturz gestoppt
Die Verluste Anfang Juli waren massiv. Am 1. Juli verlor die Aktie 13 Prozent, einen Tag später weitere 10 Prozent. Auslöser war ein breiter Ausverkauf im Halbleitersektor, der Corning trotz seiner Rolle als Zulieferer für optische KI-Infrastruktur mit nach unten zog.
Der Rebound am Donnerstag hatte mehrere Treiber. Die Nachfrage nach KI- und Glasfaser-Infrastruktur blieb stark, Analysten bestätigten ihre Kaufempfehlungen nach langfristigen Glasfaserverträgen mit Amazon und Meta. Zudem fand die Aktie technischen Halt nahe ihrem 50-Tage-Durchschnitt, der aktuell bei 167,17 Euro liegt — nur 0,15 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
Analysten bleiben trotz der Schwankungen optimistisch
Während der Kurs auf und ab schwankte, hielten die meisten Analysten an ihren positiven Einschätzungen fest. Bank of America hob ihr Kursziel am 6. Juli auf 243 Dollar an. Mizuho zog bereits am 1. Juli nach und setzte das Ziel bei 270 Dollar.
Bank-of-America-Analyst Wamsi Mohan bekräftigte seine Kaufempfehlung. Er verweist auf Nachfrage rund um Lumen Technologies, Rechenzentrums-Verbindungen und Glasfaser-Projekte bis zum Endkunden. Diese sollen das Wachstum im Carrier-Geschäft stützen.
Mohan sieht die Sparte Optical Communications als zentralen Wachstumstreiber. Corning profitiere von allen drei Ausbaustufen des KI-Booms — Scale-up, Scale-out und Scale-across —, besonders bei Glasfaser, Konnektivität und Verkabelung. Als Belastungsfaktor nennt die Bank das Solargeschäft: Ein Wafer-Wechsel dürfte im zweiten Quartal rund 30 Millionen Dollar zusätzliche Kosten verursachen, bevor sich der Effekt in der zweiten Jahreshälfte wieder abschwächt.
Auch Oppenheimer-Analyst Martin Yang bleibt bei seiner Kaufempfehlung. Er hob sein Kursziel von 210 auf 230 Dollar an und bezeichnete den jüngsten Ausverkauf als attraktiven Einstiegspunkt in die langfristige Wachstumsgeschichte des Unternehmens.
Neue langfristige Ziele treiben die Bewertung
Die jüngste Volatilität folgte auf ein größeres Update der eigenen Wachstumsplanung. Auf seinem Investorentag hob Corning die Umsatzprognose für 2028 um rund 25 Prozent auf fast 30 Milliarden Dollar an. Bis 2030 soll der Jahresumsatz sogar 40 Milliarden Dollar erreichen — etwa 10 Prozent über den bisherigen Erwartungen.
Die UBS reagierte prompt und erhöhte ihre Schätzung für den bereinigten Gewinn je Aktie 2028 um 15 Prozent auf 6,70 Dollar. Für 2030 führte die Bank erstmals eine Prognose von rund 9,80 Dollar je Aktie ein. Als Begründung nennt die UBS die stärkere Zuversicht beim Scale-out-Glasfasergeschäft: Corning erwartet hier ein Wachstum, das 1,3- bis 1,5-mal so schnell verläuft wie das der GPU- und ASIC-Nachfrage.
Hinzu kommt die Photonics-Sparte. Corning rechnet bis 2030 mit rund 10 Milliarden Dollar an zusätzlichem Umsatz aus diesem Bereich, gestützt durch langfristige Kundenverträge und eine bereits angekündigte Investition von Nvidia.
Die hohe Bewertung bleibt das Risiko
Trotz der optimistischen Langfristziele bleibt die Bewertung ein Streitpunkt. Corning handelt aktuell zum knapp 95-fachen Gewinn — eine Prämie, die selbst wohlwollende Analysten im Blick behalten. Zum Vergleich: Der Titel liegt derzeit knapp 30 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 238,30 Euro, das erst am 30. Juni erreicht wurde. Zum Jahrestief von 44,14 Euro aus dem vergangenen Juli beträgt der Abstand dagegen mehr als 278 Prozent.
Das zentrale Risiko liegt auf der Nachfrageseite. Sollten Kunden ihre Glasfaser-Investitionen spürbar drosseln oder pausieren, würde das die Wachstumspfade hinter den angehobenen Zielen für 2028 bis 2030 durchbrechen.
Der nächste Test folgt schnell. Am 28. Juli legt Corning seine Quartalszahlen vor. Die Wall Street erwartet einen Gewinn von 75 Cent je Aktie, nach 60 Cent im Vorjahresquartal, bei einem Umsatz von 4,62 Milliarden Dollar gegenüber 4,04 Milliarden Dollar im Vorjahr. Ob die KI-Wachstumsgeschichte die jüngste Kursturbulenz überdauert, entscheidet sich an diesem Termin.
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