Covestro Aktie: Fortschrittsbericht angefordert

Während der Squeeze-Out die Aktie in den Wartemodus versetzt, startet Covestro mit einer industriellen Wärmebatterie ein zentrales Dekarbonisierungsprojekt unter neuem Eigentümer Adnoc.

Die Kernpunkte:
  • Squeeze-Out-Verfahren für Minderheitsaktionäre eingeleitet
  • Kursentwicklung eng an Übernahmeangebot gekoppelt
  • Spatenstich für industrielle Wärmebatterie in Brunsbüttel
  • Neue Governance-Struktur unter Mehrheitseigner Adnoc

Die Covestro Aktie steht vor dem geordneten Rückzug von der Börse, während das Unternehmen operativ bereits in die Ära unter dem neuen Eigentümer Adnoc startet. Der Squeeze-Out dominiert zwar das Geschehen am Kapitalmarkt, doch parallel setzt Covestro mit einem Energieprojekt in Brunsbüttel ein klares Signal für seine künftige Ausrichtung. Wie passt der ruhige Kursverlauf zum tiefgreifenden Wandel im Hintergrund?

Squeeze-Out prägt die Börsenstory

Für verbliebene Anteilseigner hat sich die Rolle der Aktie grundlegend verändert. Sie ist faktisch kein klassisches Investment mehr, sondern ein Vehikel für die anstehende Barabfindung im Rahmen des Squeeze-Outs.

Der Großaktionär Adnoc, handelnd über die Erwerbsgesellschaft XRG P.J.S.C., hat Anfang Januar 2026 die kontrollrelevante Schwelle von 95 % des Grundkapitals überschritten. Damit sind die Weichen für den vollständigen Ausschluss der Minderheitsaktionäre gestellt.

Wesentliche Eckpunkte:

  • Verfahrensstart: Das aktienrechtliche Squeeze-Out-Verfahren wurde am 9. Januar 2026 offiziell eingeleitet.
  • Kursbindung: Die Aktie hat sich weitgehend von der allgemeinen Marktentwicklung gelöst und pendelt eng um das Niveau des Übernahmeangebots. Der aktuelle Kurs von 60,78 Euro liegt damit praktisch in der Mitte der zuletzt beobachteten Spanne von 60 bis 62 Euro.
  • Delisting-Perspektive: Mit Abschluss des Verfahrens endet die Börsennotiz. Für die verbliebenen Investoren rückt damit weniger die tägliche Kursbewegung in den Fokus, sondern das spätere Spruchverfahren zur Überprüfung der Abfindungshöhe.

Die Kursstatistik unterstreicht diesen „Wartemodus“: Auf Wochensicht bewegt sich der Titel mit einem Plus von 0,23 % kaum, auch die 30-Tage-Veränderung von 1,54 % bleibt moderat. Gleichzeitig notiert die Aktie mit rund 8 % unter dem 52-Wochen-Hoch und gut 11 % über dem 52-Wochen-Tief – ein typisches Bild für einen Wert, der sich an einer Übernahmelinie ausrichtet statt am Marktumfeld.

Wärmebatterie in Brunsbüttel: Operatives Signal

Parallel zum strukturellen Umbau meldet Covestro einen operativen Meilenstein. Am Standort Brunsbüttel ist der offizielle Spatenstich für eine neuartige industrielle Wärmebatterie („Heat Battery“) erfolgt. Das Projekt wird gemeinsam mit dem US-Unternehmen Rondo Energy umgesetzt und gilt als Referenzvorhaben für die Dekarbonisierung der Chemieindustrie.

Ziel ist es, Prozesswärme – einen der größten Emissionstreiber der Branche – schrittweise aus fossilen Energien zu lösen:

  • Speicherkapazität: Die Anlage soll 100 Megawattstunden Wärmeenergie speichern können.
  • Technologie: Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Solar wird in Wärme umgewandelt und in speziellen Ziegelsteinen gespeichert. Bei Bedarf wird daraus kontinuierlich Dampf erzeugt.
  • Einsparpotenzial: Rund 10 % des Dampfbedarfs am Standort Brunsbüttel sollen so gedeckt werden. Der Einsatz von Erdgas kann dadurch spürbar reduziert werden.
  • Zeitplan: Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Ende 2026 vorgesehen.

Damit unterstreicht Covestro, dass die Dekarbonisierung der Produktion auch unter dem neuen Eigentümer eine zentrale Rolle spielt. Die Signale gehen klar in Richtung langfristige Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Standorte in Deutschland.

Förderstruktur: Klarstellung zum Finanzierungsrahmen

Ein wichtiger Punkt betrifft die Finanzierung des Projekts, da die genannte Summe in der öffentlichen Wahrnehmung leicht missverstanden werden kann.

  • Die Wärmebatterie in Brunsbüttel wird wesentlich von Breakthrough Energy Catalyst und der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterstützt.
  • Diese Förderung ist Teil eines Gesamtpakets von 75 Millionen Euro, das sich auf drei verschiedene Dekarbonisierungsvorhaben in Europa verteilt.
  • Neben dem Projekt von Covestro gehören dazu unter anderem ein Vorhaben des Energieparks GreenLab in Dänemark sowie ein Projekt aus der Lebensmittelindustrie.

Entscheidend für die Einordnung: Die 75 Millionen Euro fließen nicht vollständig in die Covestro-Anlage. Covestro erhält einen Teil aus diesem Fördertopf, was die technologische Relevanz des Projekts unterstreicht, ohne das eigene finanzielle Engagement künstlich aufzublähen.

Neue Governance unter Adnoc

Auf der Eigentümerseite schreitet der Umbau ebenfalls voran. Seit Ende Dezember 2025 steht Dr. Rainer Seele an der Spitze des Aufsichtsrats. Er agiert als Vertreter der Käuferseite (Adnoc/XRG) und begleitet die strategische Einbindung von Covestro in das Portfolio des Energieunternehmens aus Abu Dhabi.

Die Besetzung signalisiert den Anspruch von Adnoc, Covestro als zentrale Plattform für das globale Chemiegeschäft zu positionieren. Damit verbindet sich die operative Dekarbonisierungsstrategie mit einer klaren strukturellen Neuausrichtung unter einem finanzstarken Mehrheitseigner.

Fazit: Aktie im Wartemodus, Unternehmen im Umbau

Für die Covestro Aktie selbst bleibt die Lage überschaubar: Der Kurs ist eng an das Übernahmeangebot gekoppelt und durch den laufenden Squeeze-Out-Prozess faktisch gedeckelt. Die Kennzahlen – etwa der minimale Abstand zum 50- und 200-Tage-Durchschnitt – bestätigen den Status als quasi festgeschriebener Übernahmewert.

Operativ zeigt das Unternehmen mit der Wärmebatterie in Brunsbüttel und der neuen Governance-Struktur jedoch, wohin die Reise unter Adnoc gehen soll: Dekarbonisierung, technologische Referenzprojekte und stärkere Einbindung in ein globales Energie- und Chemieportfolio. Für die verbliebenen Aktionäre steht damit weniger die operative Entwicklung im Vordergrund als vielmehr die konkrete Ausgestaltung und spätere Überprüfung der Abfindung im Rahmen des Squeeze-Outs.

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