CSN: Stahlsegment springt 61,7 Prozent
CSN meldet operativen Fortschritt und positiven Cashflow, doch die hohe Nettoverschuldung und der blockierte Zementverkauf belasten weiterhin die Bilanz des Stahlkonzerns.

- Zementverkauf scheitert an Preislücke
- EBITDA steigt auf 2,77 Mrd. Real
- Nettoverschuldung bleibt bei 42 Mrd. Real
- Aktie erholt sich um 7,6 Prozent
Der brasilianische Stahl- und Bergbaukonzern Companhia Siderúrgica Nacional (CSN) kämpft weiterhin mit seiner hohen Schuldenlast, während strategisch wichtige Verkäufe ins Stocken geraten.
Wie Reuters am vergangenen Dienstag berichtete, bleibt die Veräußerung der Zement-Sparte des Unternehmens vorerst ohne Ergebnis. Grund dafür ist eine erhebliche Preislücke zwischen den Vorstellungen von CSN und potenziellen Käufern. Dieser Stillstand im Verkaufsprozess gilt als zentrales Hindernis für die angestrebte Entschuldung des Konzerns.
Operative Fortschritte im zweiten Quartal
Trotz der Unsicherheiten beim Spartenverkauf legte das Unternehmen am 13. August Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, die operative Lichtblicke enthalten. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg auf 2.773 Millionen Real.
Besonders positiv entwickelte sich der freie Cashflow, der mit 808 Millionen Real in den positiven Bereich drehte. Der Nettoumsatz kletterte im Vergleich zum Vorquartal um 6,6 Prozent auf 11,31 Milliarden Real.
Dennoch bleibt die Bilanz belastet. Der Nettoverlust weitete sich im Berichtszeitraum auf 773,1 Millionen Real aus. Ein wesentlicher Faktor bleibt die Nettoverschuldung, die sich laut Unternehmensangaben auf 42,14 Milliarden Real beläuft.
Ein Lichtblick war hingegen das Stahlsegment: Hier kletterte das bereinigte EBITDA gegenüber dem Vorquartal um 61,7 Prozent auf 636,3 Millionen Real. Medienberichten zufolge profitiert CSN in diesem Bereich von Antidumping-Maßnahmen, die das heimische Preisgefüge und die Absatzvolumina stützen.
Regulatorischer Spielraum und strategische Verkäufe
Neben der Zement-Sparte steht CSN auch bei anderen Beteiligungen unter Verkaufsdruck. Die brasilianische Kartellbehörde CADE hat dem Unternehmen jedoch am 11. August einen zeitlichen Aufschub für den Verkauf seiner Anteile am Wettbewerber Usiminas gewährt.
Diese Fristverlängerung verschafft dem Konzern vorerst Luft, um die Veräußerung unter weniger extremem Zeitdruck voranzutreiben, auch wenn der Druck zur Reduzierung der Beteiligung grundsätzlich bestehen bleibt.
Parallel dazu treibt das Management Verbesserungen bei den Nachhaltigkeitsstandards voran. Im Rahmen eines Updates teilte CSN am 13. August mit, dass sich die ESG-Bewertungen bei wichtigen Ratingagenturen verbessert haben.
So stieg der Score von FTSE Russell für die gesamte Gruppe von 3,7 auf 4,2 Punkte. Auch die Tochtergesellschaft CSN Mineração konnte ihre Bewertung steigern, während die Einstufung durch EcoVadis von 74 auf 80 Punkte angehoben wurde.
Marktreaktion und finanzielle Stabilität
An der Börse sorgten die Nachrichten und die Hoffnung auf Fortschritte bei der Entschuldung zuletzt für eine spürbare Erholung. Am Freitag schloss das Papier bei 4,79 BRL, was einem kräftigen Tagesplus von 7,6 Prozent entspricht. Trotz dieser kurzfristigen Aufwärtsbewegung reflektiert der Kurs die Herausforderungen des laufenden Jahres: Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert ein Minus von 46 Prozent.
Die Anleger richten ihren Blick nun verstärkt darauf, ob es CSN gelingt, die Preislücke bei der Zement-Sparte zu schließen oder alternative Wege zur Schuldensenkung zu finden.
Die operativen Verbesserungen im Stahlgeschäft und der positive Cashflow im zweiten Quartal bieten zwar eine stabilere Basis, doch die massive Nettoverschuldung von über 42 Milliarden Real bleibt das dominierende Thema für die Bewertung des Konzerns. Eine nachhaltige Trendwende an der Börse dürfte erst bei greifbaren Erfolgen in der Deleveraging-Strategie eintreten.
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