D-Wave: 100 Millionen Dollar gegen Aktien
D-Wave Quantum erhält 100 Mio. US-Dollar CHIPS-Förderung, Aktie schießt hoch. Die Emission neuer Aktien als Gegenleistung sorgt für Diskussionen um Verwässerung.

- Aktie steigt um 66 Prozent in drei Tagen
- 100 Mio. US-Dollar CHIPS-Förderung vereinbart
- Aktienausgabe an US-Regierung geplant
- Short Interest bei 14,5 Prozent des Free Float
D-Wave Quantum erlebt eine Rally, die selbst im spekulativen Quantencomputing-Sektor auffällt. Der Auslöser ist staatliche Unterstützung aus den USA. Der Haken: Die geplante Förderung ist an eine mögliche Aktienausgabe gekoppelt.
In drei Handelstagen sprang die Aktie um 66 Prozent nach oben. Auf Euro-Basis lag der Schlusskurs am Freitag bei 25,04 Euro, über sieben Tage steht ein Plus von 52,87 Prozent. Das ist keine normale Neubewertung mehr, sondern ein kräftiger Momentum-Schub.
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Technisch wirkt die Bewegung bereits heiß. Der Kurs liegt 56,72 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und 24,28 Prozent über der 200-Tage-Linie, der RSI notiert bei 70,1. Die annualisierte Volatilität über einen Monat liegt bei 148,36 Prozent. Das zeigt, wie heftig die Aktie derzeit gehandelt wird.
CHIPS-Geld treibt die Fantasie
Der zentrale Impuls kam aus Washington. Am 21. Mai unterzeichnete D-Wave Quantum eine Absichtserklärung über vorgeschlagene Fördermittel von 100 Millionen US-Dollar aus dem CHIPS and Science Act. Verwaltet wird das Programm vom US-Handelsministerium.
Das Geld soll die Entwicklung und Skalierung von D-Waves Quantencomputern beschleunigen. Dazu zählen Annealing-Systeme sowie Gate-Model-Systeme. Eingesetzt werden soll die Förderung unter anderem für die geplante Forschungs- und Entwicklungsanlage in Boca Raton sowie für Standorte in New Haven und Burnaby.
Die Zusage ist Teil einer größeren Quanteninitiative der US-Regierung. Das Programm umfasst 2 Milliarden US-Dollar und neun Unternehmen, wobei IBM mit 1 Milliarde US-Dollar den größten Anteil erhalten soll. Rigetti Computing und Infleqtion stehen jeweils ebenfalls für 100 Millionen US-Dollar auf der Liste.
Für D-Wave ist das politisch ein starkes Signal. Die USA behandeln Quantencomputing zunehmend als strategische Technologie. Genau diese staatliche Validierung hat die Neubewertung im Sektor zusätzlich angeheizt.
Der Preis der Förderung
Die Euphorie hat einen klaren Gegenposten. Im Zusammenhang mit den endgültigen Förderunterlagen würde D-Wave Stammaktien im Wert von 100 Millionen US-Dollar an das Handelsministerium ausgeben. Der Vorgang steht noch unter dem Vorbehalt finaler Vereinbarungen.
Damit rückt Verwässerung in den Mittelpunkt. Staatliche Unterstützung kann die Bilanz stärken und Entwicklungsprogramme absichern. Eine Aktienausgabe erhöht jedoch die Zahl der ausstehenden Anteile und verteilt künftige Wertsteigerungen auf mehr Aktien.
Genau dieser Mix macht die Aktie so schwer einzuordnen. Die Nachricht ist operativ positiv, kapitalmarktseitig aber nicht kostenlos. Kein Wunder, dass die Rally von Skepsis begleitet wird.
Große Technologiepläne, kleine Umsätze
D-Wave verfolgt ambitionierte Ziele. Das Unternehmen spricht von einem supraleitenden Annealing-System mit 100.000 Qubits und einem Dual-Rail-Gate-Model-System mit 10.000 Qubits, das auf rund 100 logische Qubits abzielt. Damit sollen Anwendungen in Quantenchemie und Quanten-KI möglich werden.
Der kommerzielle Kern liegt bisher stärker bei Annealing-Systemen. Das Gate-Model-System soll erst mit ausreichender physischer Qubit-Zahl wirtschaftlich relevant werden. Der technologische Anspruch ist hoch, die praktische Skalierung bleibt anspruchsvoll.
Die Fundamentaldaten zeigen die Bewertungsdebatte klar. In den vergangenen zwölf Monaten erzielte D-Wave 24,6 Millionen US-Dollar Umsatz, bei einer Bruttomarge von 82,6 Prozent und einem operativen Ergebnis von minus 100,4 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich stand ein Verlust von 355,1 Millionen US-Dollar.
Operativ gibt es dennoch Signale für mehr Nachfrage. Der ausgewiesene Umsatz fiel Anfang 2026 auf 2,9 Millionen US-Dollar, während die Bookings um fast 2.000 Prozent auf den Rekordwert von 33,4 Millionen US-Dollar stiegen. Das ist für ein junges Technologieunternehmen der wichtigere Indikator, wenn daraus später verlässlich Umsatz wird.
Ein Baustein war ein Quantum-Computing-as-a-Service-Vertrag mit einem Fortune-100-Kunden über 10 Millionen US-Dollar. Analysten erwarten für das laufende Jahr einen Jahresumsatz von 42 Millionen US-Dollar. Gemessen am jüngsten Kursniveau bleibt das Bewertungsmultiple extrem hoch.
Shortseller bleiben im Spiel
Die Gegenposition ist weiter groß. Das Short Interest liegt bei 52,0 Millionen Aktien, nach einem Rückgang um 11,5 Prozent gegenüber der vorherigen Meldung und entspricht 14,5 Prozent des frei handelbaren Bestands. Das kann Rallys verstärken, wenn Shortseller eindecken müssen.
Der Sektor ist ohnehin stark gelaufen. IonQ legte seit dem Märztief um mehr als 145 Prozent zu, nachdem staatliche Mittel für Quantenunternehmen die Fantasie befeuerten. Händler warnen allerdings, dass die Bewertungen vieler Titel schneller steigen als die nachweisbaren kommerziellen Umsätze.
Die Analystenseite bleibt auffallend konstruktiv. Das durchschnittliche Kursziel für D-Wave liegt bei 35,17 US-Dollar, die Spanne reicht von 19,58 bis 45 US-Dollar. Von 13 erfassten Analysten empfehlen alle den Kauf, eine Verkaufsempfehlung gibt es nicht.
Termine mit Signalwirkung
Die nächsten Wochen liefern mehrere Auftritte, bei denen D-Wave die Rally mit Substanz unterfüttern kann:
- 28. Mai: TD-Cowen-Konferenz in New York
- 1. Juni: erster Investor Day an der New York Stock Exchange
- 3. Juni: Baird-Konferenz in New York
- 10. Juni: Rosenblatt-Veranstaltung, virtuell
Besonders der Investor Day wird wichtig. Dort will D-Wave über Technologie-Roadmap, kommerzielle Dynamik, die Quantum-Circuits-Übernahme und Finanzstrategie sprechen. Nach dem Kurssprung reicht Förderfantasie allein nicht mehr: Der Markt will sehen, wie aus staatlicher Unterstützung, Bookings und Technologieplänen ein belastbares Geschäftsmodell entsteht.
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