D-Wave: Gate-Modell-Simulator ab September 2026

D-Wave Quantum präsentiert einen neuartigen Quantensimulator, während die Umsätze einbrechen. Analysten sehen dennoch Kurspotenzial.

Die Kernpunkte:
  • Vorstellung eines Gate-Modell-Simulators
  • Rekordbuchungen bei rückläufigen Erlösen
  • Analysten erhöhen Kursziele deutlich
  • Aktie erholt sich von Jahrestief

D-Wave Quantum hat diese Woche eine ungewöhnliche Kombination geliefert: ein technologisch bedeutsames Produkt und Quartalszahlen, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Der Kurs schloss die Woche mit einem Plus von 5,20 Prozent — trotz eines kleinen Rücksetzers am Freitag auf 21,25 Euro.

Quantensprung in neues Terrain

Am 18. Juni stellte D-Wave einen Gate-Modell-Quantensimulator vor. Das Unternehmen bezeichnet ihn als weltweit ersten Simulator dieser Art mit fehlerbasierter Programmierung. Für ein Unternehmen, das bisher ausschließlich auf Quantenannealing gesetzt hat, ist das ein klarer Richtungswechsel.

Die Technik basiert auf sogenannter Dual-Rail-Architektur und unterstützt Anwendungen mit bis zu 21 Qubits. Ab September 2026 soll der Simulator über die Leap-Cloud-Plattform verfügbar sein — in zwei Entwicklungspaketen, integriert in das Ocean SDK.

Rekordbuchungen, eingebrochene Erlöse

Die Zahlen des jüngsten Quartals erzählen eine gespaltene Geschichte. D-Wave meldete Rekordbuchungen von 33,4 Millionen Dollar — ein Anstieg von 2.000 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der tatsächliche Quartalsumsatz fiel jedoch um 81 Prozent auf 2,9 Millionen Dollar.

Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren. Buchungen sind Absichtserklärungen, keine Einnahmen. Immerhin sitzt das Unternehmen auf rund 588 Millionen Dollar Cash — genug, um die Forschung weiter zu finanzieren, ohne kurzfristig unter Druck zu geraten.

Analysten bleiben optimistisch

Mizuho hob das Kursziel am 15. Juni auf 35 Dollar an und behielt das „Outperform“-Rating. Grundlage war das aktualisierte Technologie-Roadmap: D-Wave plant zehn logische Qubits bis 2030 und 100 bis 2032. Roth Capital und B. Riley gehen noch weiter und sehen das Kursziel bei je 40 Dollar. Der Durchschnitt aller Analystenziele liegt laut TipRanks bei 38,27 Dollar — rund 55 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Institutionelle Investoren bauen ihre Positionen aus. Rund 42 Prozent der ausstehenden Aktien liegen inzwischen in institutioneller Hand.

Technische Erholung, externes Risiko

Seit dem 52-Wochen-Tief von 11,12 Euro Ende März hat sich die Aktie fast verdoppelt. Sie notiert knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 20,98 Euro — ein technisch wichtiges Niveau. Der RSI liegt bei 50,5 und signalisiert weder Überhitzung noch Ausverkaufsdruck.

Eine Studie im Fachjournal Science vom 20. Juni sorgt allerdings für Gesprächsstoff: Klassische Algorithmen können demnach bestimmte komplexe Magnetsysteme simulieren, die bisher als Domäne von D-Waves Quantenmaschinen galten. Wie stark das die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens langfristig unter Druck setzt, wird sich zeigen, sobald der neue Simulator im September live geht und erste Entwickler damit arbeiten.

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