D-Wave Quantum: 55,75 Millionen leerverkaufte Aktien

D-Wave-Aktie fällt fünften Tag in Folge, Analysten sehen aber historisch positive Signale für eine mögliche Erholung.

Die Kernpunkte:
  • Fünfter Verlusttag in Serie
  • Historisch bullisches Muster identifiziert
  • Hohe Shortquote begünstigt Short Squeeze
  • Operative Fortschritte bei Quantenplattform

D-Wave Quantum notiert am Freitag bei 18,05 Euro, ein Minus von 2,75 Prozent zum Vortag. Binnen einer Woche hat die Aktie fast 9,3 Prozent verloren, auf Monatssicht sogar über 10 Prozent. Damit setzt sich eine Talfahrt fort, die den gesamten Quantencomputing-Sektor seit Anfang Juli erfasst hat.

Auf Jahressicht steht D-Wave sogar mit fast 25 Prozent im Minus. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 38,48 Euro aus dem Oktober fehlt der Aktie mittlerweile mehr als die Hälfte. Zum Vergleich: Vom Jahrestief bei 11,12 Euro im März liegt der Titel trotz der jüngsten Schwäche noch immer über 62 Prozent entfernt.

Fünfter Verlusttag in Folge

Zu Wochenbeginn markierte die Aktie in Dollar gerechnet ein Monatstief und verbuchte den fünften Verlusttag in fünf Sitzungen. Trotz der Serie sehen Techniker ein Muster mit historisch positiver Bilanz. Rocky White, leitender Analyst bei Schaeffer’s, verweist darauf, dass QBTS aktuell innerhalb des 0,75-fachen der durchschnittlichen Handelsspanne um die 100-Tage-Linie schwankt.

Zuvor hatte die Aktie mindestens 80 Prozent der letzten zwei Wochen und 80 Prozent der vergangenen 42 Handelstage über dieser Trendlinie notiert. Dieses Setup trat laut White in den vergangenen zehn Jahren fünfmal auf. In 60 Prozent der Fälle stand die Aktie einen Monat später höher, im Schnitt um 28 Prozent.

Übertragen auf den aktuellen Dollar-Kurs würde das die Aktie zurück in Richtung 26 Dollar bringen. Ein weiterer Faktor könnte diese Bewegung verstärken: Mit 55,75 Millionen leerverkauften Aktien liegt die Shortquote bei 15,54 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes. Bei aktuellem Handelsvolumen bräuchten Leerverkäufer rund zwei Tage, um ihre Positionen zu decken — ein Umstand, der einen möglichen Short Squeeze begünstigen würde.

Sektorweiter Ausverkauf, keine Firmennachricht

Die Schwäche ist kein D-Wave-spezifisches Problem. Am 7. Juli fielen Quantencomputing-Werte branchenweit deutlich, darunter IonQ, Rigetti, Quantum Computing und Infleqtion. D-Wave selbst verlor an diesem Tag 6,65 Prozent.

Marktbeobachter sahen keinen klaren negativen Auslöser innerhalb der Branche. Die Bewegung wirkte eher wie eine Risikoabkehr von spekulativen Tech-Werten im Zuge einer breiteren Korrektur bei KI- und Halbleiteraktien. Manche Investoren nutzten die Gelegenheit auch, um Bewertungen nach der starken Sektor-Rally neu zu justieren.

Operatives Geschäft läuft besser als der Kurs

Der Kursverfall steht im Kontrast zu den operativen Fortschritten des Unternehmens. Am 7. Juli führte IDC in seinem Worldwide Quantum Computing 2026 Vendor Assessment D-Wave als eines von nur zwei Unternehmen in der Kategorie „Leaders“. Der Bericht lobt die Cloud-Plattform Leap, das Ocean SDK und die hybriden Solver, die Optimierungsprobleme mit bis zu zwei Millionen Variablen bei hoher Verfügbarkeit und Antwortzeiten unter einer Sekunde lösen.

IDC nennt auch konkrete Nutzungszahlen. Kunden haben mittlerweile über 200 Millionen Probleme auf D-Waves Quantensystemen eingereicht. Die Nutzung der Advantage2-Plattform stieg im Jahresvergleich um 314 Prozent.

Analysten bleiben bei der Bewertung der Finanzen dennoch vorsichtig. Nach Einschätzung von Spark gilt QBTS als spekulatives Investment mit gemischtem Profil: Starke Buchungen, ein robustes Auftragsvolumen und solide Liquidität stehen hohen Verlusten, anhaltendem Cash-Verbrauch und schwankenden Umsätzen gegenüber. Die Bilanz selbst gilt als wenig risikobehaftet, da die Verschuldung niedrig ist.

Ausblick

Die Aktie notiert derzeit rund 13 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und ebenso deutlich unter der 200-Tage-Linie bei 20,60 Euro. Der RSI von 40,6 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Extreme, aber eine klare Abwärtstendenz der letzten Wochen. Die annualisierte Volatilität von knapp 89 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt den Titel derzeit handelt.

Kurzfristig dürfte die Richtung der Aktie stärker von der Stimmung gegenüber spekulativen Tech-Werten abhängen als von unternehmenseigenen Nachrichten. Die hohe Shortquote und das von Schaeffer’s beschriebene technische Muster sprechen für eine mögliche Gegenbewegung. Der sektorweite Ausverkauf der vergangenen Tage zeigt aber auch, wie schnell sich Kursgewinne in diesem von Erwartungen getriebenen Marktsegment wieder auflösen können.

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