D-Wave Quantum Aktie: 1.120 Prozent mehr Buchungen

D-Wave verzeichnet enormes Buchungswachstum, bleibt aber unprofitabel. Analysten sehen Kurspotenzial, während Insiderverkäufe und Short-Quote die Skepsis schüren.

Die Kernpunkte:
  • Buchungen steigen um 1.120 Prozent
  • Umsatz verfehlt Erwartungen deutlich
  • BMO Capital startet mit Outperform-Rating
  • Bewertung bleibt extrem hoch

D-Wave Quantum hat einen wilden August hinter sich, und für mich zeigt genau diese Woche, warum die Aktie so schwer zu greifen ist. Am Freitag legte das Papier um 8,5 Prozent auf 17,50 Euro zu, nachdem BMO Capital mit einem Outperform-Rating und einem Kursziel von 35 US-Dollar eingestiegen war. Zugleich steht die Aktie seit Jahresbeginn noch immer rund 23 Prozent im Minus. Beides ist wahr, und beides gehört zur Geschichte dieses Titels.

Der Buchungsboom ist real

Was mich an D-Wave interessiert, sind nicht die Kurssprünge einzelner Handelstage, sondern die operativen Zahlen dahinter. Die Buchungen im ersten Halbjahr 2026 kletterten um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen US-Dollar, die Auftragsreserve (RPO) wuchs um 668 Prozent auf 40,7 Millionen US-Dollar. Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein fundamentaler Nachfrageschub.

Kommerzielle Kunden steuerten im ersten Halbjahr bereits 67,7 Prozent des Umsatzes bei — ein Hinweis darauf, dass Quantencomputing bei D-Wave allmählich den Sprung vom Forschungsprojekt zum Geschäftsmodell schafft.

Nur: Der Umsatz selbst hinkt hinterher. Im zweiten Quartal 2026 standen dem Buchungsboom lediglich 3,1 Millionen US-Dollar Umsatz gegenüber, unter den Erwartungen, während der Verlust je Aktie mit 0,13 US-Dollar den Konsens von 0,09 US-Dollar verfehlte.

Der EBITDA-Verlust weitete sich im Jahresvergleich um 85 Prozent auf 37,1 Millionen US-Dollar aus, die Bruttomarge sank um 840 Basispunkte auf 55,4 Prozent. Wer nur auf die Bookings schaut, sieht eine Erfolgsgeschichte.

Wer auf die Gewinn- und Verlustrechnung schaut, sieht ein Unternehmen, das noch weit von Profitabilität entfernt ist — BMO selbst rechnet damit erst nach 2030, bei einer Umsatzprognose von 444 Millionen US-Dollar für 2030, immerhin das Zehnfache des aktuellen Niveaus.

Die Bewertung bleibt das eigentliche Risiko

Hier wird es für mich unbequem. D-Wave wird derzeit mit dem 156-fachen des erwarteten Umsatzes (EV/Sales, forward) gehandelt, das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei 6,5 gegenüber 3,1 in der Software-Branche.

Andere Berechnungen sehen den fairen Wert der Aktie bei rund 40 US-Dollar, deutlich über dem damaligen Kursniveau von 18,80 US-Dollar — ein Beleg dafür, wie weit die Einschätzungen auseinanderklaffen, je nachdem, welche Kennzahl man bemüht.

Ein GF-Value-Modell kommt umgekehrt auf eine Überbewertung von mehr als 150 Prozent. Diese Diskrepanz ist kein methodischer Zufall, sie spiegelt die Grundspannung der Aktie: Wachstumsstory versus Zahlenrealität.

Bemerkenswert finde ich auch, dass Insider innerhalb von zwölf Monaten Aktien im Wert von 112,6 Millionen US-Dollar verkauft haben, während der Short-Interest-Anteil am Streubesitz Anfang August bei gut 18 Prozent lag. Beides muss nichts Schlechtes bedeuten — Management-Verkäufe nach einer Kursvervielfachung sind nicht ungewöhnlich —, aber es passt nicht zum Bild einer Aktie, die von allen Seiten als klarer Kauf gilt.

Das Branchenumfeld trägt mit, ersetzt aber keine eigene Substanz

Der jüngste Kurssprung bei D-Wave fiel in eine Rally der gesamten Quantencomputing-Branche: IonQ, Rigetti und Infleqtion legten am selben Tag ebenfalls zwischen sieben und zehn Prozent zu, teils getrieben von der Aussicht auf Bundesmittel für Wettbewerber. Der breitere Quantum-ETF stieg dagegen nur moderat. Das zeigt: Ein gutes Stück der D-Wave-Bewegung ist Sektor-Sentiment, nicht unternehmensspezifische Substanz.

Mein Fazit

Für mich überwiegt bei D-Wave derzeit die Ambivalenz. Das Bookings-Wachstum ist beeindruckend und rechtfertigt strukturelles Interesse an der Aktie. Doch die Bewertung preist bereits Jahre erfolgreicher Umsetzung ein, während die aktuellen Zahlen — verfehlter Umsatz, wachsender Verlust, schrumpfende Marge — noch keinen Beweis dafür liefern, dass diese Umsetzung reibungslos gelingt.

Wer an die langfristige Quantencomputing-These glaubt, findet in D-Wave einen der am stärksten wachsenden Namen der Branche. Wer auf belastbare Fundamentaldaten wartet, dürfte angesichts der extremen Volatilität und der Bewertungsspannen weiterhin skeptisch bleiben.

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