D-Wave Quantum Aktie: 100.000 Qubits bis 2031 geplant
D-Wave verzeichnet massive Buchungssteigerung, Analysten senken dennoch Kursziele. Der Quantenpionier setzt auf ambitionierte Qubit-Pläne bis 2031.

- Buchungen steigen um über 1120 Prozent
- Analysten kürzen Kursziele, bleiben optimistisch
- Roadmap: 100.000 Qubits bis 2031 geplant
- Aktie bleibt 55 Prozent unter Jahreshoch
Quantencomputing ist die Branche der großen Versprechen. Nirgendwo zeigt sich das derzeit deutlicher als bei D-Wave Quantum. Am vergangenen Donnerstag legte das Unternehmen Quartalszahlen vor, die Buchungen um mehr als 1.120 Prozent explodieren ließen, während der Umsatz nahezu stagnierte. Vor gut einer Woche hatte zudem die Nachricht über eine ausgeweitete Kooperation mit AT&T die Aktie beflügelt. Beide Ereignisse sind inzwischen verarbeitet, der Kurs notiert am Freitag bei 17,91 Euro, ein Plus von 6,16 Prozent an diesem Tag und von 14,37 Prozent binnen sieben Tagen. Trotzdem liegt das Papier noch immer 55,68 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 15. Oktober. Wer hier investiert ist, kauft nicht Gegenwart, sondern eine Wette auf 2029, 2031 und darüber hinaus.
Kursziele sinken, Kaufvoten bleiben
Am Freitag reagierten mehrere Analysehäuser auf die Zahlen vom Donnerstag – mit einem auffällig gespaltenen Bild. Canaccord-Analyst Kingsley Crane senkte sein Kursziel von 41 auf 35 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Roth Capital ging ähnlich vor und kürzte sein Ziel von 40 auf 30 US-Dollar, ebenfalls ohne die Kaufempfehlung anzutasten. Ein weiteres Institut stufte die Aktie dagegen auf Halten zurück, während mehrere andere Häuser ihre Kaufvoten bekräftigten. Das Muster ist bezeichnend für die gesamte Quantencomputing-Branche: Die kurzfristigen Erwartungen an Umsatz und Profitabilität werden eingedampft, die grundsätzliche Zuversicht in die Technologie bleibt jedoch bestehen. Wer zahlt für ein Unternehmen, das im zweiten Quartal 3,1 Millionen US-Dollar Umsatz erzielte, aber einen operativen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 37,1 Millionen US-Dollar auswies? Offenbar Anleger, die auf die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts blicken, nicht auf das laufende Quartal.
Der lange Weg zu Hunderttausend Qubits
Genau dort liegt die eigentliche Geschichte von D-Wave. Das Unternehmen kündigte im Rahmen der Quartalsvorlage einen technologischen Fahrplan an, der ambitioniert ist: ein 17-Qubit-System soll noch in diesem Jahr folgen, ein 49-Qubit-System 2027 mit einer angepeilten zwanzigfachen Reduktion der Fehlerrate. Bei den Annealing-Systemen, D-Waves ursprünglicher Kerntechnologie, stehen als Etappenziele 20.000 Qubits bis 2029 und 100.000 Qubits bis 2031 im Raum, realisiert über fortgeschrittene Multi-Chip-Verbindungen. Flankiert wird das durch eine im Fachjournal Nature veröffentlichte, begutachtete Studie, die die Dual-Rail-Gate-Architektur des Unternehmens mit einer Fidelity von 99,9 Prozent bestätigt – ein Ergebnis, das aus der im Januar für 250 Millionen US-Dollar übernommenen Quantum Circuits stammt.
Für das laufende Geschäft heißt das konkret: Das Management rechnet mit zwei Auslieferungen von Annealing-Systemen im vierten Quartal, deren Umsatzverbuchung sich voraussichtlich bis ins kommende Jahr zieht. Mittelfristig peilt D-Wave zwei bis drei Systemverkäufe pro Jahr an, bei Preisen zwischen 20 und 40 Millionen US-Dollar pro Einheit. Das ist ein Geschäftsmodell mit wenigen, aber sehr großen Tickets – volatil, aber mit erheblichem Hebel, sollte es skalieren.
Zwischen Euphorie und Ernüchterung
Die Volatilität der Aktie spiegelt diese Unsicherheit exakt wider: Mit einer annualisierten 30-Tage-Schwankung von gut 106 Prozent gehört das Papier zu den nervösesten im gesamten Markt. Das ist der Preis für ein Geschäftsmodell, das zwischen Forschungsdurchbruch und Serienfertigung hängt. Die kommenden Meilensteine – die 17-Qubit-Maschine noch in diesem Jahr, die ersten Annealing-Auslieferungen im vierten Quartal, der nächste Quartalsbericht am 5. November – werden zeigen, ob aus der Roadmap Substanz wird oder ob die Kursziel-Kürzungen der vergangenen Tage erst der Anfang einer nüchterneren Bewertung waren. Die Branche insgesamt steckt in genau dieser Phase: Der Übergang von Forschungsprojekt zu Industriestandard ist selten linear, und D-Wave liefert dafür derzeit ein Lehrstück in Echtzeit.
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