D-Wave Quantum Aktie: 1,57-Millionen-Dollar-Zuschuss der NSF

D-Wave Quantum baut mit Nasdaq-Verafin-Partnerschaft und NSF-Zuschuss sein Geschäft aus, während Bilanzzahlen weiterhin hohe Verluste zeigen.

Die Kernpunkte:
  • Neue Partnerschaft mit Nasdaq Verafin
  • NSF-Forschungszuschuss für fehlertolerantes Quantencomputing
  • Umsatz von 24,59 Mio. Dollar, Nettoverlust 355 Mio. Dollar
  • Buchungen steigen auf 35,5 Mio. Dollar im ersten Halbjahr

D-Wave Quantum hat an diesem Wochenende gleich zwei Nachrichten geliefert, die zeigen, wohin die Reise gehen soll: eine Partnerschaft mit Nasdaq Verafin zur Bekämpfung von Finanzkriminalität und einen Forschungszuschuss der US-amerikanischen National Science Foundation über 1,57 Millionen Dollar für fehlertolerantes Quantencomputing.

Für mich ist genau diese Kombination – kommerzielle Anwendung auf der einen, staatlich geförderte Grundlagenforschung auf der anderen Seite – der Kern der D-Wave-Story. Und sie erklärt, warum die Aktie trotz katastrophaler Bilanzkennzahlen weiterhin Käufer findet.

Verafin als Testfall für echte Relevanz

Die Kooperation mit Nasdaq Verafin bringt Quantencomputing in Risiko- und Compliance-Workflows von Banken – ein Feld, in dem D-Wave bislang kaum sichtbar war. Das ist bemerkenswert, weil es über die üblichen Optimierungs- und Logistik-Anwendungsfälle hinausgeht, mit denen das Unternehmen sonst wirbt.

Zugleich bleibt es, was es ist: ein Proof-of-Concept ohne belastbare Umsatzzahlen. Wer hier bereits ein neues Geschäftssegment sieht, überinterpretiert meiner Ansicht nach die Meldung. Die Risiken liegen offen zutage: anhaltende Nettoverluste und laut Einschätzungen keine Profitabilität in den kommenden drei Jahren.

Der NSF-Zuschuss für das ERASE-Projekt wiegt strategisch schwerer, auch wenn die Summe mit 1,57 Millionen Dollar überschaubar bleibt. Die Zusammenarbeit mit der Yale University zielt auf fehlertolerantes Quantencomputing im Dual-Rail-Gate-Modell – jene Technologie, die D-Wave sich durch die Übernahme von Quantum Circuits, Inc. gesichert hat.

Für mich spricht das dafür, dass D-Wave sein reines Annealing-Geschäft bewusst verbreitert, um technologisch nicht auf ein einziges Pferd gesetzt zu haben.

Die Zahlen bleiben das Problem

Wer die Substanz hinter dem Kurs sucht, landet schnell bei ernüchternden Werten: Ein Umsatz von 24,59 Millionen Dollar steht einem Nettoverlust von 355,06 Millionen Dollar gegenüber, die Nettomarge liegt bei minus 2001,59 Prozent.

Erst vor gut zwei Wochen war die Aktie um 9,3 Prozent gefallen, nachdem das zweite Quartal mit 3,1 Millionen Dollar Umsatz die Erwartung von 4,1 Millionen Dollar verfehlt hatte und die operativen Kosten um 93 Prozent auf 55 Millionen Dollar sprangen. Das ist kein Ausrutscher, sondern ein Muster: D-Wave wächst bei den Kosten schneller als beim Umsatz.

Gegen dieses düstere Bild steht eine Zahl, die ich für den eigentlichen Hoffnungsträger halte: Die Buchungen im ersten Halbjahr legten von 2,9 Millionen auf 35,5 Millionen Dollar zu, der Auftragsbestand (RPO) stieg um 668 Prozent auf 40,7 Millionen Dollar. Wenn sich diese Pipeline in Umsatz verwandelt, könnte sich das Bild innerhalb weniger Quartale drehen. Bis dahin bleibt es aber eine Wette auf die Zukunft, keine Bestätigung der Gegenwart.

Bewertung mit Fantasie, nicht mit Substanz

Der Analystenkonsens zeigt zwölf Kaufempfehlungen, eine Strong-Buy-Einstufung, eine Halte- und eine Verkaufsempfehlung, bei einem Kursziel von 36,36 Dollar – ein Aufschlag von rund 72 Prozent gegenüber dem damaligen Referenzkurs.

Diese Euphorie wirkt auf mich wie ein Wette auf das Narrativ des Quantencomputings insgesamt, weniger auf die konkrete Ertragslage. Mit einer institutionellen Eigentümerquote von 42,5 Prozent und einem Insideranteil von nur 1,3 Prozent zeigt sich zudem, dass die eigentliche Überzeugungsarbeit von außen kommt, nicht vom Management selbst.

Am deutschen Handelsplatz schloss die Aktie am Freitag bei 18,30 Euro, nahezu exakt auf dem 50-Tage-Durchschnitt von 18,36 Euro – ein Zeichen von Orientierungslosigkeit, nicht von Trendstärke.

Seit dem 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro im Oktober hat das Papier mehr als die Hälfte seines Wertes verloren, gleichzeitig liegt der aktuelle Kurs rund 64 Prozent über dem im März markierten Jahrestief. Diese Spanne allein zeigt, wie volatil die Erwartungshaltung rund um D-Wave bleibt.

Unterm Strich sehe ich in den jüngsten Meldungen eine Bestätigung der Doppelnatur dieser Aktie: technologisch fortschrittlich und in der Buchungsentwicklung ermutigend, finanziell aber weiterhin weit von jeder Tragfähigkeit entfernt. Wer an das langfristige Potenzial von Quantencomputing glaubt, findet in D-Wave einen der sichtbarsten Vertreter der Branche. Wer auf belastbare Fundamentaldaten wartet, dürfte weiterhin enttäuscht werden.

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