D-Wave Quantum Aktie: 35,5 Mio. Buchungen trotz Umsatz-Stagnation
D-Wave verzeichnet explodierende Buchungen und Auftragsbestände, während der Umsatz stagniert. Analysten senken Kursziele, bleiben aber optimistisch.

- Umsatz stagniert bei 3,1 Millionen Dollar
- Buchungen steigen um über 1.120 Prozent
- Analysten senken Kursziele, raten weiter zum Kauf
- AT&T und Nasdaq Verafin als neue Partner
Wer für den Umsatz von morgen den Verlust von heute bezahlt, muss Geduld mitbringen. Bei D-Wave Quantum zeigt sich diese Wette in Reinform: Auf der einen Seite ein Quartalsumsatz, der sich kaum von der Stelle bewegt. Auf der anderen ein Auftragsbestand, der geradezu explodiert. Die Aktie pendelt seit Wochen zwischen diesen beiden Erzählungen – und genau das macht sie zu einem Lehrstück dafür, wie der gesamte Quantencomputing-Sektor gerade bewertet wird: nicht nach dem, was ist, sondern nach dem, was sein könnte.
Zahlen, die zwei Geschichten erzählen
Am Donnerstag legte das Unternehmen seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Der Umsatz blieb mit 3,1 Millionen US-Dollar praktisch unverändert gegenüber dem Vorjahreswert. Der Verlust je Aktie verringerte sich auf 0,13 US-Dollar von 0,55 US-Dollar im Vorjahresquartal.
Analysten hatten allerdings nur mit einem Minus von 0,09 US-Dollar gerechnet. Das bereinigte EBITDA-Minus weitete sich um 85 Prozent aus, weil das Unternehmen kräftig in Produktentwicklung und Vertrieb investiert. Die Aktie reagierte auf den Bericht mit spürbaren Kursverlusten.
Interessanter als die Verlustzahl ist der Blick auf die Nachfrageseite. Die Buchungen im ersten Halbjahr 2026 summierten sich auf 35,5 Millionen US-Dollar – ein Sprung von mehr als 1.120 Prozent gegenüber den 2,9 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Ein einzelner Systemverkauf über 20 Millionen US-Dollar trug maßgeblich dazu bei. Der Auftragsbestand, die sogenannten Remaining Performance Obligations, kletterte auf 40,7 Millionen US-Dollar – ein Plus von 668 Prozent binnen Jahresfrist.
Rund 57 Prozent davon sollen binnen zwölf Monaten als Umsatz verbucht werden. Das Management rechnet künftig mit mehreren Systemverkäufen pro Jahr zu jeweils zweistelligen Millionenbeträgen, wobei die Umsatzwirkung neuer Auslieferungen teils erst 2027 sichtbar wird.
Analysten kürzen Ziele, bleiben aber optimistisch
Nach den Zahlen reagierten mehrere Häuser mit niedrigeren Kurszielen, ohne von ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung abzurücken. Canaccord-Analyst Kingsley Crane senkte sein Kursziel am Donnerstag auf 35 von zuvor 41 US-Dollar und beließ die Einstufung bei Kaufen.
Jefferies-Analyst Krish Sankar kappte sein Ziel auf 40 von 45 US-Dollar. Er verwies zugleich auf die aus seiner Sicht wachsende kommerzielle Zugkraft und den erwarteten Umsatzschub durch neue Systeme im laufenden Jahr, seine Einstufung blieb bei Kaufen.
Weitere Institute bewegten sich in eine ähnliche Richtung und senkten ihre Ziele in eine Spanne zwischen 30 und 42 US-Dollar, während die Kaufempfehlungen größtenteils bestehen blieben. Nur wenige Tage zuvor hatte ein weiteres Haus die Coverage mit einer positiven Ersteinschätzung aufgenommen.
Große Partner, gespaltene Insider
Der Optimismus speist sich nicht zuletzt aus neuen Partnerschaften. Ende Juli erweiterte AT&T seine Zusammenarbeit mit D-Wave, um komplexe Optimierungsprobleme im Netzbetrieb zu lösen. In einer frühen Anwendung sank die Bearbeitungszeit für eine Netzoptimierungsaufgabe von rund einer Stunde auf weniger als 15 Sekunden, weitere Einsatzfelder wie Störungserkennung und Verkehrssteuerung sind geplant.
Wenige Tage zuvor hatte D-Wave seine Notierung von der New Yorker Börse zur Nasdaq verlegt, seit dem 27. Juli wird die Aktie dort unter demselben Kürzel gehandelt. Am Montag folgte eine weitere Vereinbarung, diesmal mit Nasdaq Verafin, dessen Technologie nach eigenen Angaben von mehr als 2.800 Finanzinstituten mit einem kollektiven Vermögen von 13 Billionen US-Dollar genutzt wird – gemeinsam soll ausgelotet werden, ob Quantencomputing die Erkennung von Finanzkriminalität verbessern kann.
Beim Blick ins Aktionärsregister zeigt sich ein gespaltenes Bild. Institutionelle Adressen wie Citadel, Tudor Investment und Walleye Capital bauten ihre Positionen zuletzt kräftig aus, während mehrere Führungskräfte in die andere Richtung handelten.
CEO Alan Baratz und CFO John Markovich zählten zu den Insidern, die in den vergangenen 90 Tagen Aktien verkauften – in Summe ergab sich ein Netto-Verkaufswert von rund 1,74 Millionen US-Dollar. Auch die Shortseller sind aktiv: Mitte Juli lag die Leerverkaufsquote bei 17,82 Prozent der Aktien, mit 3,7 Tagen zur Eindeckung.
An der Börse zeigte sich diese Gemengelage zuletzt in heftigen Ausschlägen. Nach dem Kursrutsch infolge der Quartalszahlen erholte sich das Papier am Freitag um 6,16 Prozent. Auf Jahressicht steht die Aktie dennoch mit 20,96 Prozent im Minus. Wer auf D-Wave setzt, kauft damit letztlich nicht die Gegenwart, sondern einen Blick in die Zukunft der Quantentechnologie – die Frage ist nur, wie lange sich die Realität noch Zeit lassen darf, um nachzuziehen.
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