D-Wave Quantum Aktie: 6,22 Mrd. Euro Bewertung bei 3,1 Mio. Umsatz

D-Wave verfehlt Umsatz- und Gewinnprognosen, doch Auftragseingänge explodieren. Der Markt setzt auf das Zukunftspotenzial des Quantum-Computing-Spezialisten.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz verfehlt Erwartungen deutlich
  • Auftragseingänge steigen um 1120 Prozent
  • Cloud-Umsatz zunehmend aus Produktion
  • Aktie erholt sich trotz Jahresminus

Ein Unternehmen verfehlt beim Umsatz die Erwartungen deutlich. Der Verlust je Aktie fällt höher aus als prognostiziert. Und trotzdem legt die Aktie am Freitag um 6,16 Prozent zu, auf 17,91 Euro. Bei D-Wave Quantum zählt gerade offenbar nicht, was das Unternehmen heute verdient, sondern was es morgen verdienen könnte.

Die Zahlen zum zweiten Quartal liefern auf den ersten Blick wenig Grund zur Freude. D-Wave meldet einen GAAP-Verlust von 0,13 Dollar je Aktie, Analysten hatten mit 0,10 Dollar gerechnet. Beim Umsatz reicht es nur für 3,1 Millionen Dollar, erwartet waren 4,03 Millionen. Klassische Kennzahlen also, die eigentlich für Kursdruck sorgen müssten.

Der Markt schaut aber woandershin. Die Auftragseingänge für das erste Halbjahr explodieren um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand wächst um 668 Prozent auf 40,7 Millionen Dollar. Diese Diskrepanz zwischen mickrigem Quartalsumsatz und wachsendem Backlog ist der eigentliche Kern der Geschichte.

Vom Experiment zur Produktion

D-Wave kämpft seit Jahren mit einem Image-Problem: Quantum-Annealing gilt vielen als Nischentechnologie, gut für Forschungsprojekte, aber ohne echten kommerziellen Unterbau. Genau das versucht das Unternehmen jetzt zu widerlegen.

Rund 37 Prozent des Umsatzes aus dem Cloud-Geschäft „Quantum Computing as a Service“ stammen mittlerweile aus Produktivanwendungen, nicht mehr aus reinen Testprojekten. Das ist der Wert, an dem sich zeigen muss, ob Kunden die Technologie wirklich einsetzen oder nur ausprobieren.

Der Konkurrenzvergleich fällt dabei nicht zugunsten von D-Wave aus. IonQ meldet im gleichen Zeitraum ein Rekordquartal mit 80,1 Millionen Dollar Umsatz — mehr als das Zwanzigfache dessen, was D-Wave einnimmt. Während IonQ also schon im großen Stil verdient, setzt D-Wave weiter auf einen langfristigen Fahrplan: ein 17-Qubit-System noch 2026, dann der Ausbau auf 100 logische Qubits bis 2032.

Diese Wette auf einen Jahrzehnte-Horizont erklärt auch, warum die Aktie so wild schwankt. Die annualisierte Volatilität liegt bei 106 Prozent — ein Wert, der eher an spekulative Kryptowerte erinnert als an ein etabliertes Tech-Unternehmen.

Was die Erholung wert ist

Der jüngste Kursverlauf zeigt zumindest eine gewisse Stabilisierung. Binnen sieben Tagen legt die Aktie um 14,37 Prozent zu und hat sich damit spürbar von ihrem Jahrestief bei 11,12 Euro entfernt. Auf Jahressicht steht D-Wave dennoch mit 20,96 Prozent im Minus.

Der Blick auf die Marktkapitalisierung liefert die eigentlich entscheidende Zahl. Mit 6,22 Milliarden Euro Börsenwert bei gerade einmal 3,1 Millionen Dollar Quartalsumsatz bewertet der Markt hier eindeutig Erwartungen, nicht Ergebnisse. Diese Lücke ist enorm — und sie ist der Grund, warum jede Nachricht zu Aufträgen oder Backlog die Aktie stärker bewegt als die tatsächlichen Umsatzzahlen.

Wie groß das Vertrauen der Analysten in dieses Zukunftsszenario ist, zeigt das durchschnittliche Kursziel von 31,71 Euro. Das entspräche einem Potenzial von 77 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt an einer einzigen Frage: Schafft es D-Wave, aus einem Auftragsbestand von 40,7 Millionen Dollar tatsächlich verlässliche, wiederkehrende Umsätze zu machen — oder bleibt der Backlog ein Versprechen, das sich immer weiter in die Zukunft verschiebt?

Die kommenden Quartale werden zeigen, wie viel von den aktuellen 40,7 Millionen Dollar Auftragsbestand sich tatsächlich in Rechnungen verwandelt. Bis dahin bleibt D-Wave das, was es seit Jahren ist: eine Aktie, die weniger auf Bilanzen reagiert als auf die Erzählung von einer Zukunft, die erst noch geschrieben werden muss.

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