D-Wave Quantum Aktie: 668 Prozent mehr Auftragsbestand

D-Wave Quantum steigert Buchungen und Vertragsumsätze deutlich, während der operative Fehlbetrag wächst und der Aktienkurs nachgibt.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz im zweiten Quartal stagniert
  • Vertraglich gesicherte Erlöse stark gewachsen
  • Operativer Verlust mehr als verdoppelt
  • Zacks Research senkt Einstufung auf Hold

Es gibt Aktien, die erzählen zwei Geschichten gleichzeitig – und bei D-Wave Quantum widersprechen sich diese Geschichten fast schon trotzig. Da ist die Erzählung vom Auftragsbestand, der explodiert. Und da ist die Erzählung von der Kasse, die sich schneller leert als geplant. Beide sind wahr. Nur passen sie nicht zusammen, und genau das macht diese Aktie gerade so schwer einzuschätzen.

Zur Erinnerung, weil es die Ausgangslage prägt: Der Rücktritt von Finanzchef John Markovich, verkündet am 25. August und mit Wirkung zum 2. September, liegt nun einen Tag zurück. Greg Golkov führt kommissarisch. Ein Wechsel an der Kassenspitze ist für sich genommen selten ein Kursereignis erster Ordnung – bei einem Unternehmen, dessen Geldverbrauch im Fokus steht, wiegt er aber schwerer als üblich.

Die Zahlen, die bleiben

Im zweiten Quartal 2026 erzielte D-Wave einen Umsatz von 3,1 Millionen US-Dollar – exakt auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Stagnation also, dort, wo Anleger nach Jahren der Quantencomputing-Versprechen endlich Bewegung sehen wollten.

Gleichzeitig kletterten die Buchungen um 59 Prozent, die durchschnittliche Bestellgröße stieg um 87 Prozent. Und die Remaining Performance Obligations, also der vertraglich gesicherte künftige Umsatz, wuchsen um 668 Prozent auf 40,7 Millionen US-Dollar, von denen 57 Prozent binnen zwölf Monaten als Umsatz verbucht werden sollen.

Das klingt nach einem Unternehmen, das den Sprung von der Forschungsphase in echtes Geschäft schafft. Nur: Der operative Verlust hat sich im selben Zeitraum von 26,5 Millionen auf 54,7 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt. Wer wachsen will, muss offenbar investieren – aber diese Investition frisst das Kapital in einem Tempo, das die kommissarische Finanzführung unter Druck setzen dürfte, noch bevor sie sich eingearbeitet hat.

Das Management hält an der Prognose von zwei Systemauslieferungen für 2026 fest und erwartet den Großteil des Jahresumsatzes im vierten Quartal. Das bedeutet: Die entscheidenden Beweise stehen noch aus. Bis dahin lebt die Aktie von Versprechen, nicht von Bilanzen.

Ein Markt, der ungeduldig wird

Genau in dieser Wartezeit zeigt sich ein größeres Muster, das über D-Wave hinausreicht. Quantencomputing-Titel wurden über Jahre mit dem Argument gehandelt, man kaufe heute die Technologie von morgen. Diese Logik funktioniert an der Börse – solange Kapital billig ist und Geduld reichlich vorhanden. Beides ist derzeit knapper geworden, und Anleger fragen zunehmend nach der Gegenwart statt nach der Zukunft.

Zacks Research vollzog diesen Stimmungswechsel am 21. August nach und stufte D-Wave von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurück. Eine automatisierte Einschätzung, die vor allem eines widerspiegelt: Der Optimismus, der die Aktie über weite Strecken getragen hat, bröckelt.

Auf der Geschäftsseite bleibt D-Wave gleichzeitig aktiv. Anfang August vereinbarte das Unternehmen mit Nasdaq Verafin, Quantencomputing zur Erkennung von Finanzkriminalität zu erproben, zunächst als Machbarkeitsstudie. Solche Kooperationen zeigen, dass D-Wave in ernsthaften Gesprächen mit etablierten Marktteilnehmern steckt. Sie ändern aber nichts an der kurzfristigen Kassenlage.

Was der Kurs bereits eingepreist hat

Der Aktienkurs hat auf diese Gemengelage längst reagiert. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37 Prozent zu Buche, auf Monatssicht ging es um 25 Prozent nach unten.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 40,41 Euro, erreicht Mitte Oktober vergangenen Jahres, trennen das Papier inzwischen 65 Prozent. Zum jüngsten 52-Wochen-Tief von Ende März ist noch etwas Abstand vorhanden, der RSI von 38,9 deutet auf eine überverkaufte, aber nicht extreme Lage hin.

Diese Kursbewegung ist letztlich die logische Konsequenz aus der Diskrepanz zwischen Auftragswachstum und Verlustausweitung. Der Markt hat die Wachstumsstory nicht verworfen – er verlangt nur endlich Beweise dafür, dass aus explodierenden Buchungen irgendwann auch profitables Geschäft wird. Bis das vierte Quartal seine Zahlen liefert, bleibt D-Wave eine Wette auf Zukunft, deren Preis in Euro und Cent längst nach unten korrigiert wurde.

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