D-Wave Quantum Aktie: 68 Prozent unter Jahreshoch

D-Wave verliert im Jahresverlauf 43 Prozent, während Universitätskooperationen und Pilotprojekte die Zinsängste am Markt nicht aufwiegen.

Die Kernpunkte:
  • D-Wave-Aktie verliert am Donnerstag 3,61 Prozent
  • Jahresminus der Aktie beträgt 43 Prozent
  • Florida Atlantic erhält 200.000 Dollar Förderung
  • D-Wave startet Fonds mit Universität Arkansas

Wenn an den internationalen Anleihemärkten die Zinsen anziehen, schlägt das Pendel an der Börse verlässlich um. Zukunftswetten, deren wirtschaftlicher Ertrag weit in den kommenden Jahrzehnten liegt, verlieren schlagartig ihren Glanz.

Kaum ein Segment illustriert dieses Gesetz der Zinsrechnung derzeit so eindrücklich wie die Quantencomputerbranche. D-Wave Quantum zeigt exemplarisch, wie schwer es zukunftsträchtige Spezialisten haben, wenn das makroökonomische Umfeld umschlägt.

Makroökonomische Realität trifft auf Technologievision

Am Donnerstag gerieten die Papiere von D-Wave im Rahmen eines branchenweiten Ausverkaufs unter Druck und verloren 3,61 Prozent an Wert. Medienberichten zufolge waren sprunghaft gestiegene Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen, die zeitweise ein Niveau von 5,36 Prozent erreichten, der direkte Auslöser. Getrieben wurden die Zinsängste von Sorgen über die anhaltende Inflation und die hohe Staatsverschuldung.

Für ein Unternehmen wie D-Wave, dessen Kerntechnologie sich erst noch im kommerziellen Massenmarkt etablieren muss, wirkt dieses makroökonomische Umfeld toxisch.

Steigende Zinsen verteuern nicht nur künftige Refinanzierungen, sie erhöhen zugleich den Diskontierungsfaktor für künftige Cashflows. Was nützt die Aussicht auf bahnbrechende Rechenkapazitäten in fünf oder zehn Jahren, wenn sichere Staatsanleihen bereits heute eine spürbare Rendite abwerfen?

Am Markt hinterlässt diese Gemengelage tiefe Spuren. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die D-Wave-Aktie bei 12,99 Euro. Seit Jahresanfang summiert sich der Verlust im Papier damit auf 43 Prozent. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch liegt der Abstand inzwischen bei 68 Prozent im Minus.

Partnerschaften an den Universitäten genügen nicht

Die Ironie dieser Entwicklung liegt darin, dass D-Wave auf operativer Ebene durchaus greifbare Kooperationen vorweisen kann. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Florida Atlantic University eine NIST-Förderung in Höhe von 200.000 $ erhalten hat.

Ziel des Projekts ist der Aufbau eines regionalen Ausbildungsprogramms für Quanten-Cybersicherheit in Zusammenarbeit mit D-Wave. Zudem beabsichtigt die Universität, ein Advantage2-System des Unternehmens auf Basis von Quantum Annealing bei sich zu betreiben.

Bereits am Montag hatte D-Wave eine weitere Vereinbarung gemeldet. Gemeinsam mit dem Supply Chain Management Research Center der University of Arkansas rief das Unternehmen einen Unterstützungsfonds ins Leben. Die Initiative soll erforschen, wie Quantenberechnungen komplexe Logistik-, Transport- und Terminierungsaufgaben optimieren können.

Zuvor hatte das Unternehmen zudem den Start eines Beta-Programms für seinen Gate-Model-Quantensimulator bekannt gegeben, der ausgewählten Organisationen frühzeitigen Zugriff ermöglicht. Zu den Teilnehmern zählen unter anderem BBVA, FirstQFM, die Florida Atlantic University und das Jülich Supercomputing Centre.

Die Zinskurve diktiert den Börsenkurs

Doch an der Börse verhallen Meldungen über universitäre Partnerschaften und Pilotprojekte derzeit weitgehend ungehört. Anleger unterscheiden in einem restriktiven Zinsumfeld sehr genau zwischen akademischer Forschung und profitabler Kommerzialisierung. Ein mit 200.000 $ gefördertes Ausbildungsprogramm an einer Hochschule ist ein solides Lebenszeichen der Technologie, vermag aber keine Milliardenbewertungen im Alleingang zu rechtfertigen.

Solange die Renditen der Benchmark-Anleihen auf hohem Niveau verharren, bleibt der Spielraum für spekulative Hochtechnologiewerte eng begrenzt. Das Schicksal der Quantenbranche entscheidet sich kurzfristig nicht in den Physiklaboren, sondern am Rentenmarkt. Für Investoren bedeutet das: Die beste physikalische Innovation muss an den Märkten hintenanstehen, wenn die Zinskurve den Takt vorgibt.

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