D-Wave Quantum Aktie: BlackRock steigt ein – trägt das den nächsten Kursschub?

BlackRock beteiligt sich mit 33,1 Mio. Aktien an D-Wave Quantum. Analysten uneins über Kursziel, während Buchungen explodieren, Umsatz aber stagniert.

Die Kernpunkte:
  • BlackRock erwirbt 33,1 Mio. Aktien
  • BMO startet mit Outperform und 35$
  • Zacks stuft auf Hold herab
  • Buchungen steigen um 1.120 Prozent

Ausgangslage

D-Wave Quantum steckt in einer Phase widersprüchlicher Signale. Am Freitag legte die Aktie um 8,5 Prozent zu und schloss bei 17,50 Euro – nach einer Woche, die insgesamt noch mit einem Minus von 4,4 Prozent zu Buche steht.

Grund für den Freitagssprung dürfte eine Pflichtmitteilung gewesen sein: BlackRock meldete in seiner Offenlegung für das zweite Quartal eine neue Beteiligung an D-Wave Quantum von rund 33,1 Millionen Aktien.

Für ein Unternehmen dieser Größenordnung ist das ein Signal, das Anleger nicht ignorieren können – ein Vermögensverwalter dieser Kategorie baut selten ohne strategisches Kalkül eine derart große Position auf.

Gleichzeitig kommt die Nachricht in einem Umfeld, das für D-Wave ohnehin dicht getaktet ist. BMO Capital Markets nahm die Coverage am gleichen Tag mit einer Outperform-Einstufung und einem Kursziel von 35 US-Dollar auf.

Kurz zuvor hatte Zacks Research die Aktie dagegen von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurückgestuft. Diese Gemengelage aus institutionellem Neueinstieg, positiver Analystenmeinung und vorsichtigerer Quant-Einschätzung markiert den Punkt, an dem sich Anleger fragen müssen, welchem Signal sie mehr Gewicht geben sollten.

Die entscheidende Frage

Der Kern der Debatte liegt nicht im Kurs selbst, sondern in der Frage, ob D-Wave die im zweiten Quartal gemeldete Bestelldynamik in echten Umsatz umwandeln kann.

Das Unternehmen hatte am 6. August für die ersten sechs Monate 2026 Buchungen von 35,5 Millionen US-Dollar ausgewiesen – ein Plus von 1.120 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Quartalsumsatz selbst blieb mit 3,1 Millionen US-Dollar jedoch stabil und lag damit auf dem Niveau des Vorjahresquartals.

D-Wave selbst erklärte, das vierte Quartal 2026 solle den Großteil des Jahresumsatzes tragen, gestützt auf zwei für 2026 erwartete Systemauslieferungen. Ob diese Lieferungen fristgerecht erfolgen und ob sich der Bestellüberhang tatsächlich in Umsatz übersetzt, ist die Kennzahl, an der sich die Bewertung in den kommenden Monaten entscheiden dürfte.

Bullisches Szenario

Für Optimisten sprechen mehrere Bausteine, die sich zu einem stimmigen Bild fügen könnten. Die Auszeichnung als „Leader“ im IDC MarketScape unterstreicht die technologische Positionierung. Hinzu kommen operative Fortschritte: NTT DOCOMO setzt mit D-Wave-Technologie inzwischen eine zweite produktive Quantenanwendung im Netzbetrieb ein, und mit Nasdaq Verafin wurde eine Vereinbarung zur Anwendungsentwicklung im Bereich Finanzkriminalitätserkennung geschlossen.

Der National Research Council of Canada fördert zudem mit bis zu 300.000 kanadischen Dollar die Weiterentwicklung von Algorithmen für die Zephyr-Topologie, die künftig größere Optimierungsprobleme auf Advantage2-Systemen lösbar machen sollen.

Trifft die These, dass sich der Bestellüberhang planmäßig in Umsatz im vierten Quartal übersetzt, liefert der BlackRock-Einstieg zusammen mit dem BMO-Kursziel von 35 US-Dollar ein Argument für deutlich höhere Kurse als aktuell.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt jedoch offen zutage: Der Umsatz stagniert seit einem Jahr, während die Buchungszahlen mit dreistelligen Prozentsprüngen beeindrucken. Diese Schere ist nicht neu, aber sie bleibt ungelöst. Bleiben die angekündigten Systemauslieferungen aus oder verschieben sie sich, würde die für das vierte Quartal in Aussicht gestellte Umsatzkonzentration ausbleiben – mit entsprechendem Enttäuschungspotenzial.

Die Herabstufung durch Zacks Research auf „Hold“ am 18. August deutet zumindest darauf hin, dass nicht alle Marktbeobachter den Bestellboom unkritisch als Kaufargument werten. Auch der Verkauf von 23.850 Aktien durch die Personalchefin Sophie C. Ames, offengelegt in einem aktuellen SEC-Formular 4, ist zwar für sich genommen kein Alarmsignal, passt aber nicht zu einer Erzählung reiner Euphorie im Führungskreis.

Die annualisierte Volatilität von 104 Prozent zeigt zudem, wie nervös der Markt die Aktie ohnehin bepreist – jede enttäuschte Erwartung dürfte überproportional bestraft werden.

Ausblick

Der Kurs notiert mit 17,50 Euro rund 57 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro vom Oktober 2025, gleichzeitig aber ebenso deutlich über dem erst im März markierten Jahrestief von 11,12 Euro. Diese Spanne spiegelt die Unsicherheit über die künftige Richtung wider.

Solange die Buchungsdynamik anhält und die für 2026 angekündigten Systemauslieferungen im Zeitplan bleiben, dürfte das bullische Lager – gestützt durch den BlackRock-Einstieg und das BMO-Kursziel – die Oberhand behalten. Kippt hingegen die Erwartung, dass sich Bestellungen in Umsatz übersetzen, oder verschieben sich die Auslieferungen, dürfte die Skepsis der Zacks-Herabstufung an Gewicht gewinnen.

Konkrete Termine, an denen sich diese Frage weiter konturieren dürfte, sind die für den 20. August angekündigte Teilnahme am Needham 7th Annual Virtual Semiconductor & SemiCap Conference sowie der Auftritt bei der Deutsche Bank 2026 Technology Conference am 27. August. Beide Termine bieten dem Management Gelegenheit, die Umsatzguidance für das vierte Quartal zu untermauern – oder erste Zweifel daran zu nähren.

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