D-Wave Quantum Aktie: BMO nimmt Coverage mit 35-Dollar-Ziel auf

D-Wave verfehlt Umsatzerwartungen, verzeichnet aber ein massives Auftragsplus. Analysten sind uneins über die zukünftige Entwicklung des Quantencomputing-Pioniers.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz verfehlt Erwartungen deutlich
  • Auftragseingang steigt um 1120 Prozent
  • BMO startet mit Outperform-Rating
  • NTT DOCOMO nutzt D-Wave-Technologie

D-Wave Quantum liefert dieser Tage ein Lehrstück darüber, wie unterschiedlich man ein und dasselbe Quartal lesen kann. Wer nur auf die Umsatzzahlen schaut, sieht eine Enttäuschung. Wer auf die Auftragsbücher blickt, sieht eine Bestätigung des großen Versprechens der Quantencomputing-Branche: dass aus Forschungsprojekten allmählich echtes Geschäft wird.

Am gestrigen Montag meldete das Unternehmen für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 3,1 Millionen Dollar – deutlich unter den erwarteten 4,04 Millionen Dollar. Der bereinigte Verlust je Aktie fiel mit 0,13 Dollar ebenfalls schlechter aus als die prognostizierten 0,09 Dollar. Auf den ersten Blick ein klarer Fehltritt.

Doch das Management lenkte den Blick sofort auf eine andere Zahl: Die Buchungen im ersten Halbjahr 2026 kletterten um 1.120 Prozent im Jahresvergleich auf 35,5 Millionen Dollar. Getrieben wurde dieser Sprung maßgeblich von einem 20-Millionen-Dollar-Systemvertrag mit der Florida Atlantic University.

Diese Diskrepanz zwischen laufendem Umsatz und Auftragseingang ist typisch für Unternehmen, die noch am Übergang von der Forschungsphase zur kommerziellen Skalierung stehen. Es ist eine Wette auf die Zukunft, keine Bilanz der Gegenwart.

Ein Analyst wagt sich vor, ein Rating-Haus zieht sich zurück

Just an diesem Aufwertungsmoment für die Auftragslage setzte am heutigen Dienstag BMO Capital Markets an. Analyst Harsh Kumar nahm die Coverage von D-Wave Quantum mit einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 35 Dollar auf.

Seine Begründung: der duale Plattformansatz aus Annealing- und Gate-Modell-Technologie sowie die nachweisliche Fähigkeit, kommerziellen Umsatz zu generieren. Kumar rechnet mit einem Anstieg der Erlöse von 25 Millionen Dollar im Jahr 2025 auf 71 Millionen Dollar bis 2027 – eine fast dreifache Steigerung binnen zwei Jahren.

Ganz anders positionierte sich vor gut einer Woche Zacks Investment Research, das seine Einstufung von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurücknahm. Auch die Ratingagentur Weiss Ratings verschärfte ihre skeptische Haltung, von „Sell (D-)“ auf „Sell (E+)“. Solche automatisierten Screener-Bewertungen ändern sich häufig und sollten Anleger nicht überbewerten – sie zeigen aber, dass der Markt in seiner Einschätzung tief gespalten ist.

Wo D-Wave bereits im Alltag ankommt

Während sich Analysten streiten, liefert die Technologie selbst handfeste Ergebnisse. Der japanische Mobilfunkbetreiber NTT DOCOMO gab bekannt, seine zweite produktionsreife Quantenanwendung mit D-Wave-Technologie im Netz auszurollen.

Das Ergebnis: eine Reduktion der täglichen Spitzensignalisierung bei der Standortregistrierung um 65,3 Prozent und beim Paging-Signaling um 7,0 Prozent. Das ist keine Laborstudie, sondern produktiver Netzbetrieb in einem der größten Mobilfunkmärkte der Welt.

Parallel dazu vereinbarte D-Wave eine strategische Partnerschaft mit Nasdaq Verafin, um hybride Quantenverfahren zur Erkennung von Finanzkriminalität zu erproben – konkret geht es um die Aufdeckung von Betrug und Geldwäsche durch die Analyse von Transaktionsmustern.

Auch der kanadische National Research Council beteiligte sich mit einer Förderung von bis zu 300.000 kanadischen Dollar an der Weiterentwicklung von Algorithmen für die „Zephyr“-Chip-Topologie des Unternehmens.

Was das für den Kurs bedeutet

An der Börse zeigt sich die gespaltene Wahrnehmung deutlich: Mit 16,35 Euro notiert die Aktie etwa 60 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres, liegt aber 47 Prozent über ihrem Tief von Ende März.

Auf Jahressicht steht ein Minus von 28 Prozent, während die Aktie auf Zwölfmonatssicht noch ein Plus von 26 Prozent verzeichnet – ein Beleg für die extreme Schwankungsbreite, die auch die annualisierte Volatilität von 106 Prozent widerspiegelt.

Für die Governance sorgte zudem eine personelle Verstärkung: Kevan P. Krysler, aktuell Finanzchef bei Carbon Robotics und zuvor in einer Finanzfunktion bei VMware tätig, zog in den Vorstand und den Prüfungsausschuss ein.

Solche Personalentscheidungen wirken selten kursbewegend, doch sie zeigen, dass D-Wave seine Unternehmensstrukturen auf mehr institutionelle Reife trimmt – passend zu einem Unternehmen, das zwischen Forschungsvision und Quartalsrealität einen Balanceakt vollführt.

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