D-Wave Quantum Aktie: CFO Markovich tritt am 2. September zurück
D-Wave Quantum verliert den Finanzchef, meldet rückläufige Halbjahreserlöse und steht angesichts von Ermittlungen und Konkurrenz unter Druck.

- Finanzchef Markovich legt Amt nieder
- Halbjahreserlöse sinken auf 5,93 Millionen Dollar
- Simply Wall St sieht 113 Prozent Potenzial
- Aktie verliert 37 Prozent seit Jahresbeginn
Ein Rücktritt allein macht noch keine Krise. Aber wenn der Finanzchef inmitten laufender Untersuchungen und schwacher Umsätze das Unternehmen verlässt, dann ist das für mich mehr als eine Personalie – es ist ein Warnsignal, das man ernst nehmen sollte.
John Markovich, CFO von D-Wave Quantum, hat sein Amt am 2. September niedergelegt. Greg Golkov übernimmt kommissarisch. Offiziell heißt es Ruhestand. Doch der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Das Unternehmen steckt in laufenden rechtlichen Untersuchungen, und die Geschäftszahlen geben wenig Anlass zur Beruhigung.
Im zweiten Quartal 2026 stand ein Umsatz von 3,08 Millionen Dollar einem Nettoverlust von 48,03 Millionen Dollar gegenüber. Das Halbjahresergebnis fällt sogar schwächer aus als im Vorjahr: 5,93 Millionen Dollar gegenüber 18,10 Millionen Dollar – ein deutlicher Rückgang, kein Ausrutscher.
Ein Bewertungsmodell, das viel verlangt
Wer die Aktie heute kauft, kauft im Grunde ein Versprechen. Analysten von Simply Wall St beziffern den fairen Wert auf 35,24 Dollar, was einem theoretischen Aufschlag von 113 Prozent entspräche. Damit dieses Szenario aufgeht, müsste D-Wave bis 2029 einen Umsatz von 201,1 Millionen Dollar und einen Gewinn von 23,0 Millionen Dollar erreichen – nötig wäre ein jährliches Umsatzwachstum von 152,9 Prozent. Über mehrere Jahre hinweg. Ununterbrochen.
Für mich ist das keine Prognose, sondern eine Wette auf einen Idealverlauf. Die Rechnung setzt voraus, dass sich sämtliche Wachstumshebel gleichzeitig und reibungslos entfalten – während das Unternehmen aktuell nicht einmal die Umsatzbasis des Vorjahres verteidigen konnte. Wachstumsraten dieser Größenordnung sind in der Technologiebranche extrem selten und meist nur kurzfristig zu beobachten, nie über mehrere Jahre konstant.
Die Konkurrenz schläft nicht
Auffällig ist zudem, dass D-Wave keineswegs allein um Investorenvertrauen konkurriert. Quantum Computing Inc. steigerte seinen Quartalsumsatz zwar drastisch, doch die Kosten liefen parallel aus dem Ruder: Die Betriebsausgaben legten um 114 Prozent auf 21,8 Millionen Dollar zu, während die Aktie im Jahresverlauf um 47,9 Prozent verlor.
Rigetti wiederum meldete einen Quartalsumsatz von 5,1 Millionen Dollar – wobei ein einziger Kunde 64 Prozent davon ausmachte. Das ganze Segment leidet unter Konzentrationsrisiken und explodierenden Kostenstrukturen. D-Wave ist damit kein Einzelfall, aber das macht die eigene Schwäche nicht kleiner.
Parallel entstehen andernorts neue Kapazitäten: In Kopenhagen baut die Quantum Foundry, unterstützt von der Novo Nordisk Foundation mit umgerechnet rund 390 Millionen Euro, eine 5.300 Quadratmeter große Chipfabrik, die 2027 eröffnen soll.
Quantum Motion sicherte sich frisches Kapital von Investoren wie Sony Innovation Fund und wirbt mit einer Kostenreduktion von rund dem Hundertfachen gegenüber alternativen Ansätzen. Der Wettbewerb um technologische Führerschaft läuft auf vollen Touren – und D-Wave muss sich darin behaupten, während es intern mit Führungswechseln und Ermittlungen beschäftigt ist.
Was der Kurs bereits sagt
Der Markt hat sein Urteil längst gesprochen. Am Freitag schloss die Aktie bei 14,30 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent auf Tagesbasis. Über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 23 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37 Prozent zu Buche. Damit notiert das Papier 65 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro vom 15. Oktober – und liegt zugleich 24 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,75 Euro. Das ist kein Rücksetzer, das ist ein anhaltender Vertrauensverlust.
Zwar hat sich die Aktie erst kürzlich, am 30. März, bei 11,12 Euro stabilisiert und liegt aktuell rund 29 Prozent darüber – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Absturz nicht ungebremst weiterläuft. Doch eine technische Stabilisierung ersetzt keine fundamentale Trendwende.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei D-Wave Quantum ein Missverhältnis zwischen operativer Realität und Bewertungsphantasie. Der CFO-Wechsel inmitten offener Untersuchungen, die schrumpfenden Halbjahresumsätze und der intensive Wettbewerb im Quantencomputing-Segment sprechen gegen ein schnelles Comeback. Wer an das Zukunftsversprechen der Quantentechnologie glaubt, findet in diesem Sektor derzeit spannendere Geschichten als jene, die D-Wave gerade erzählt.
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