D-Wave Quantum Aktie: CFO Markovich verlässt Unternehmen

D-Wave Quantum meldet einen CFO-Abgang, sinkende Erlöse und höhere Verluste. Der Auftragsbestand wächst dennoch deutlich, Lieferungen folgen im vierten Quartal.

Die Kernpunkte:
  • CFO John Markovich schied am 2. September aus
  • Zweites Quartal blieb hinter Analystenschätzung
  • Vertraglicher Auftragsbestand stieg um 668 Prozent
  • Zwei Systemauslieferungen für viertes Quartal bekräftigt

Ein Abgang an der Finanzspitze mitten in einer schwierigen Umsatzphase – das ist selten ein gutes Zeichen. CFO John Markovich verlässt D-Wave Quantum zum 2. September, wie das Unternehmen mitteilte. Für mich ist das der eigentliche Kern der Geschichte, nicht die begleitenden Personalie um den kommissarischen Nachfolger Greg Golkov.

Ein Wechsel zur Unzeit

Der Rückzug fällt in eine Phase, in der D-Wave ohnehin unter Druck steht. Erst kürzlich hatte das Unternehmen für das zweite Quartal einen Umsatz von 3,08 Millionen Dollar ausgewiesen – deutlich unter der Analystenschätzung von rund 4,03 Millionen Dollar. Der operative Verlust verdoppelte sich nahezu, von 26,5 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 53,3 Millionen Dollar.

Wer einen Finanzchef in einem solchen Umfeld verliert, muss sich die Frage stellen, ob es sich um eine geplante, unaufgeregte Nachfolge handelt oder um ein Symptom tieferliegender Spannungen. Offizielle Angaben sprechen von einem regulären Rücktritt, mehr lässt sich derzeit nicht belastbar sagen – aber der Zeitpunkt bleibt aus meiner Sicht bemerkenswert.

Bezeichnend ist, wie der Markt reagiert hat: Die Aktie fiel in der Woche um die Ankündigung binnen wenigen Tagen um 16,6 Prozent. Das ist keine Marginalie, sondern ein deutliches Signal, dass Anleger die Personalie nicht als reine Formsache abtun.

Wachsender Auftragsbestand, aber wo bleibt der Umsatz?

Was die Sache für mich kompliziert macht: D-Wave ist nicht ohne operative Substanz. Die sogenannten Remaining Performance Obligations, also der vertraglich gesicherte, aber noch nicht abgerechnete Auftragsbestand, kletterten im Jahresvergleich um 668 Prozent auf 40,7 Millionen Dollar.

Das Unternehmen bekräftigt zudem, im laufenden Jahr zwei Systemauslieferungen zu realisieren, wobei der Großteil des Jahresumsatzes erst im vierten Quartal anfallen soll. Wer an die Substanz der Quantencomputing-Story glaubt, findet hier durchaus Nahrung.

Doch genau diese Konstellation – wachsender Auftragsbestand bei einbrechendem laufendem Umsatz – ist typisch für Unternehmen in einer frühen, kapitalintensiven Wachstumsphase. Die Kehrseite: Die Bruttomarge schrumpfte um 8,4 Prozentpunkte, getrieben von steigenden Personalkosten. Wachstum kostet hier sichtbar Geld, und das Management muss beweisen, dass sich die Investitionen in absehbarer Zeit auszahlen.

Auf der operativen Seite gibt es durchaus Lichtblicke: Die AT&T-Kooperation erzielte laut Unternehmensangaben eine 240-fache Geschwindigkeitssteigerung bei einer Optimierungsaufgabe, die Bearbeitungszeit sank von rund einer Stunde auf unter 15 Sekunden. Solche Referenzprojekte sind für ein noch junges Technologieunternehmen wichtig, um Glaubwürdigkeit gegenüber Großkunden aufzubauen.

Governance-Aufrüstung als Gegengewicht

Parallel zum Führungswechsel hat D-Wave mit Kevan P. Krysler einen erfahrenen Finanzmanager in Aufsichtsrat und Prüfungsausschuss berufen. Das lässt sich als Versuch lesen, die Governance-Lücke, die der CFO-Abgang hinterlässt, zumindest teilweise zu schließen. Ob das reicht, um verlorenes Anlegervertrauen zurückzugewinnen, ist eine andere Frage.

Die Zacks Research stufte die Aktie am 21. August von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurück, woraufhin das Papier an jenem Tag um 1,1 Prozent nachgab. Das ist eine automatisierte Einschätzung und für sich genommen kein Grund zur Dramatisierung, passt aber ins Bild einer Aktie, die derzeit wenig Rückenwind von externer Seite bekommt.

Mein Fazit

Für mich überwiegen im Moment die Fragezeichen. Der Auftragsbestand wächst beeindruckend, doch solange sich das nicht in stabilen Quartalsumsätzen niederschlägt und die Verluste sich weiter ausweiten, bleibt die Story fragil.

Der Führungswechsel an der Finanzspitze ausgerechnet jetzt macht es nicht leichter, Vertrauen aufzubauen. Wer an D-Wave glaubt, muss auf die Lieferungen im vierten Quartal setzen – bis dahin dürfte die Aktie ein Spielball von Nachrichten und Stimmungen bleiben, nicht von Fundamentaldaten.

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