Interviewmit Dieter Jaworski

D-Wave Quantum Aktie: In Arkansas beginnt die Lieferkettenforschung mit offener Umsatzfrage

Der Fonds unterstützt Quantenforschung für Lieferketten; der Interviewpartner gewichtet die Risiken einer ausbleibenden Umsatzumsetzung höher.

Die Kernpunkte:
  • Forschungsfonds an der University of Arkansas
  • Zweiter Quartalsumsatz blieb hinter Erwartungen
  • 40,7 Millionen Dollar Auftragsbestand im Halbjahr
  • US-Fördermittel von bis zu 100 Millionen Dollar

An der University of Arkansas richtet D-Wave einen Förderfonds für Forschung zu Quantenanwendungen in Lieferketten ein. Zugleich stehen der Umsatzfehltritt im zweiten Quartal 2026, die angekündigte Pensionierung des Finanzchefs und Prüfungen durch US-Kanzleien im Raum. Felix Baarz fragt Dieter Jaworski, welches Gewicht die neuen Initiativen angesichts dieses Verlustrisikos haben.

D-Wave Quantum (US26740W1099) — Schlusskurse 09.04.2026 bis 06.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.10.2026.

D-Wave Quantum (US26740W1099) — Schlusskurse 09.04.2026 bis 06.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.10.2026.

Felix Baarz: Angenommen, aus den gebuchten Aufträgen wird auch in den kommenden Quartalen nur schleppend Umsatz: Wie teuer kann dieser Irrtum für Aktionäre werden?

Dieter Jaworski: Dann ist das Verlustrisiko erheblich. D-Wave muss weiter in seine Systeme investieren, während das laufende Geschäft noch klein ist; schon im zweiten Quartal 2026 blieb der Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Buchungen sind noch kein Umsatz. Wer die Aktie bewertet, muss zuerst diese Lücke aushalten können – technisch beeindruckende Rechner bezahlen die laufenden Kosten nicht von allein.

Felix Baarz: Sie sagen: „Buchungen sind noch kein Umsatz.“ Die Buchungen sind im ersten Halbjahr stark gestiegen. Verlangen Sie damit nicht einen Beweis, der bei einem jungen Geschäft zwangsläufig später kommt?

Dieter Jaworski: Später, ja. Beliebig spät, nein. Nach dem Umsatzfehltritt wurde die Pensionierung des Finanzchefs angekündigt; das Management verneinte ausdrücklich einen Streit über Rechnungslegung oder interne Kontrollen.

Ich leite daraus keinen solchen Streit ab, gewichte aber die Verlässlichkeit der Umsatzumsetzung jetzt strenger. Meine Gegenposition müsste ich aufgeben, wenn D-Wave den Auftragsbestand wiederholt in abgerechneten Umsatz überführt und Kunden Folgeaufträge erteilen. Das wäre mehr wert als die nächste große Buchungsmeldung.

Felix Baarz: Der Förderfonds mit der University of Arkansas soll Anwendungen für Lieferketten voranbringen. Können US-Exportkontrollen ausgerechnet dann zum Hindernis werden, wenn D-Wave solche Anwendungen international vermarkten will?

Dieter Jaworski: Der Fonds fördert Forschung und Ausbildung; einen Systemauftrag belegt er nicht. Für Verkäufe über die USA hinaus können Exportkontrollen Prüfungen und Genehmigungen erfordern, wobei Ausnahmen für bestimmte Partnerländer bestehen.

D-Wave profitiert zugleich von einer verbindlichen US-Fördervereinbarung über bis zu 100 Millionen Dollar. Wann Mittel tatsächlich fließen, ist offen. Der Standort hilft bei Forschung und möglichem Zugang zu staatlichen Kunden; für das internationale Geschäft ist er nicht nur ein Vorteil.

Felix Baarz: Welcher Teil der Bewertung hat schon Substanz, wenn viele Kunden D-Wave bislang über einen Zugang im Netz erproben?

Dieter Jaworski: Der Auftragsbestand von 40,7 Millionen Dollar aus dem ersten Halbjahr 2026 hat Substanz: Das sind vertraglich zugesagte Leistungen, die noch nicht als Umsatz verbucht wurden. Dazu kommt Advantage2 mit Annealing – einer Technik, die nach günstigen Lösungen für komplexe Optimierungsprobleme sucht.

Dafür besitzt D-Wave eine besondere Stellung. Über den Zugang im Netz lässt sich ein Kunde allerdings leichter wieder verlieren als nach dem Kauf eines eigenen Systems. Ich sehe deshalb Bewertungsspielraum, gewichte den möglichen Verlust bei enttäuschter Umsatzumsetzung derzeit aber höher.

Felix Baarz: Der Analysten-Konsens traut D-Wave viel zu. Sind Sie mit Ihrer Skepsis bloß zu ungeduldig?

Dieter Jaworski: Vielleicht. Ich erkenne die technische Leistung an. Nur bezahlt Begeisterung keine Rechnungen; solange Kunden ihre Versuche nicht dauerhaft bezahlen, bleibe ich vorsichtig.

Felix Baarz: Sie nennen 40,7 Millionen Dollar Auftragsbestand. Folgt daraus für Sie eine Chance, die das Verlustrisiko aufwiegt?

Dieter Jaworski: Noch nicht. Der Auftragsbestand eröffnet eine ernsthafte Chance, und die Technik verdient Respekt. Für mein Urteil zählt stärker, ob daraus verlässlich Umsatz wird. Bis dieser Beweis steht, überwiegt für mich das Verlustrisiko.

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