Interviewmit Dieter Jaworski

D-Wave Quantum Aktie: In Como muss der Quantenrechner weitere Kunden finden

Ein europäischer Kunde nutzt die Hälfte der Kapazität; weitere zahlende Nutzer und wiederkehrende Aufträge bleiben entscheidend.

Die Kernpunkte:
  • Swiss Quantum Technology bindet halbe Kapazität
  • Fünfjährige Vereinbarung umfasst zehn Millionen Euro
  • Halbjahresumsatz 2026: 5,9 Millionen US-Dollar
  • US-Förderung von bis zu 100 Millionen offen

In Como ist ein Advantage2-Quantenrechner eingetroffen; Swiss Quantum Technology hat sich die Hälfte seiner Kapazität für fünf Jahre gesichert. D-Wave hat außerdem die Fertigungskooperation mit SkyWater verlängert. Felix Baarz fragt Dieter Jaworski, was die Platzierung für die Nachfrage bedeutet.

D-Wave Quantum (US26740W1099) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

D-Wave Quantum (US26740W1099) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

Felix Baarz: Angenommen, das System in Como wird planmäßig installiert: Wie weit trägt der Vertrag mit Swiss Quantum Technology Ihre Einschätzung des Geschäfts?

Dieter Jaworski: Mich interessiert zuerst die Kapazität, die der Vertrag offenlässt. Die Vereinbarung hat ein Volumen von zehn Millionen Euro. Swiss Quantum Technology sichert sich damit die Hälfte der Rechnerkapazität für fünf Jahre. Das ist ein beachtlicher Schritt: Ein Annealer, also ein Quantenrechner für bestimmte Optimierungsaufgaben, steht nun bei einem Kunden in Europa. Kapazitätsbindung schafft noch keine dauerhafte Nachfrage. D-Wave muss zeigen, wer die übrige Rechenleistung nutzt.

Felix Baarz: Sie sagen: „Kapazitätsbindung schafft noch keine dauerhafte Nachfrage.“ Warum zählt die fünfjährige Bindung für Sie nicht bereits als Nachweis?

Dieter Jaworski: Sie weist Nachfrage bei Swiss Quantum Technology nach. Offen bleibt, ob daraus weitere zahlende Nutzer und wiederholte Aufträge entstehen. Viele Kunden greifen bislang über die Cloud zu, mieten also Rechenzeit aus der Ferne; daraus entsteht nur eine schwache Bindung an D-Wave.

Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das Unternehmen 5,9 Millionen US-Dollar Umsatz. Für mich wiegt dieser Abstand zwischen platziertem Rechner und laufendem Geschäft schwerer als die schiere Zahl der Kunden.

Felix Baarz: Wenn SkyWater trotz der verlängerten Zusammenarbeit bei der Fertigung nicht verlässlich liefert, was bleibt von Ihrem Argument für den industriellen Fortschritt?

Dieter Jaworski: Dann fehlt die Grundlage. Ein Rechner, der nicht verlässlich gebaut und geliefert wird, gewinnt keine weiteren Kunden. Den industriellen Fortschritt würde ich dann deutlich geringer gewichten.

Felix Baarz: Die Aktie steht bei 11,2 Euro. Welche geschäftliche Substanz trägt diese Bewertung heute?

Dieter Jaworski: Ich sehe bereits zugesagte Arbeit, doch ihren wirtschaftlichen Ertrag kann ich daraus noch nicht ablesen. Zum 30. Juni 2026 standen ausstehende Leistungsverpflichtungen von 40,7 Millionen US-Dollar zu Buche – vertraglich zugesagte Leistungen, die D-Wave noch erbringen muss. Die Summe gibt einen Blick auf künftige Umsätze, sagt aber wenig über deren Tempo oder Ertrag. Der Preis verlangt mehr Beweise für regelmäßige Nutzung.

Felix Baarz: Die US-Fördervereinbarung und der verlängerte SkyWater-Vertrag sichern Finanzierung und Fertigung ab. Unterschätzen Sie diese beiden Schritte?

Dieter Jaworski: „Absicherung“ setzt die Hürde zu niedrig an. Ich frage, ob D-Wave aus der Finanzierung und der Fertigung ein Geschäft mit Folgeaufträgen macht. Die vereinbarte US-Förderung kann bis zu 100 Millionen US-Dollar betragen; wann und in welcher Höhe Geld fließt, ist offen.

SkyWater kann die Herstellung verlässlicher machen, während beim Vertrieb über Grenzen hinweg US-Exportkontrollen zu beachten sind. Wenn auf Como weitere Systemaufträge und wiederkehrende Einnahmen folgen, gebe ich meine skeptische Bewertung auf.

Felix Baarz: Sie haben die 40,7 Millionen US-Dollar ausstehender Leistungsverpflichtungen genannt. Reicht diese Summe für ein positives Gesamturteil zur Bewertung?

Dieter Jaworski: Nein. D-Wave hat ernstzunehmende Technik und mit Como eine konkrete Platzierung in Europa. Die Bewertung halte ich dennoch für anspruchsvoll: Der Nachweis dauerhaft zahlender Nutzung bleibt hinter dem Fortschritt bei der Hardware zurück. Auf weitere Kunden für den Rechner würde ich mehr geben als auf die nächste Technologiemeldung.

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