D-Wave Quantum Aktie: Kurs fällt trotz Fortschritt-Flut

D-Wave erzielt operative Fortschritte mit Kunden und Forschung, während CFO-Wechsel, geringe Erlöse und hohe Bewertung die Aktie belasten.

Die Kernpunkte:
  • NTT DOCOMO nutzt zweite Quantenanwendung
  • Fehlerkorrektur-Fortschritt durch Nature-Studie
  • Finanzchef Markovich geht am 2. September
  • BMO Capital startet mit Outperform

D-Wave Quantum liefert derzeit ein widersprüchliches Bild. Auf der einen Seite stapeln sich handfeste technologische und geschäftliche Fortschritte, auf der anderen Seite bleibt der Aktienkurs unter Druck. Für mich ist das ein Lehrbeispiel dafür, wie stark Sentiment und Fundamentaldaten bei jungen Quantencomputing-Werten auseinanderlaufen können.

Die operative Substanz stimmt

Wer sich nur die Schlagzeilen der vergangenen Wochen ansieht, könnte meinen, D-Wave befinde sich in der Krise. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Am 18. August meldeten D-Wave und NTT DOCOMO, dass der japanische Mobilfunkkonzern eine zweite quantengestützte Anwendung produktiv geschaltet hat – sie reduziert Signalisierungslast bei der Standortregistrierung um 65,3 Prozent zur Spitzenzeit und Paging-Signale um 7,0 Prozent. Das ist kein Pilotprojekt mehr, sondern ein Beleg dafür, dass die Technologie im Alltagsbetrieb eines Großkonzerns funktioniert.

Anfang August, am 5. August, verkündete das Unternehmen zudem einen Hardware-Durchbruch bei der Quantenfehlerkorrektur und beim Gate-Modell-Quantencomputing, gestützt auf eine in Nature veröffentlichte Studie zur Dual-Rail-Qubit-Architektur.

Wer die Debatte um Quantencomputing verfolgt, weiß, dass Fehlerkorrektur der Flaschenhals der gesamten Branche ist. Ein peer-reviewtes Ergebnis in einem der angesehensten Fachjournale ist für mich mehr wert als jede Investorenpräsentation.

Dazu kommt eine neue Partnerschaft mit Nasdaq Verafin zur Entwicklung einer Anwendung gegen Finanzkriminalität, eine Förderung der kanadischen National Research Council in Höhe von 300.000 CAD für ein Softwareprojekt sowie die Berufung von Kevan P. Krysler als unabhängiges Class-I-Vorstandsmitglied und Mitglied des Prüfungsausschusses. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das ein dichtes Nachrichtenbündel innerhalb weniger Wochen.

Der CFO-Wechsel wirkt nach

Am Dienstag vergangener Woche kündigte D-Wave an, dass CFO John Markovich zum 2. September in den Ruhestand geht. Greg Golkov, bislang Senior Vice President Finance, übernimmt kommissarisch als Principal Financial und Principal Accounting Officer.

Die Aktie büßte in der Woche nach der Ankündigung 16 Prozent ein – ein deutliches Signal, dass Anleger Führungswechsel im Finanzressort selten locker nehmen, selbst wenn die Nachfolge intern geregelt wird.

Seither hat sich der Kurs auf niedrigerem Niveau leicht weiter abgeschwächt: Am Freitag schloss das Papier bei 14,69 Euro, ein Minus von 4,4 Prozent auf Tagesbasis. Das zeigt: Die Verunsicherung ist nicht ausgestanden, auch wenn operativ nichts auf Probleme hindeutet.

Zahlen und Kurs passen nicht zusammen

Im zweiten Quartal, das am 30. Juni endete, erlöste D-Wave laut Marktberichten 3,1 Millionen Dollar bei einem Verlust von 0,13 Dollar je Aktie. Das sind für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 5,74 Milliarden Euro sehr überschaubare Umsätze – ein Umstand, der die enorme Kursvolatilität von 109 Prozent auf Jahressicht erklärt und zugleich die Frage aufwirft, wie viel von der Zukunftsstory bereits eingepreist ist.

Bemerkenswert finde ich, dass BMO Capital am 21. August, also mitten in der jüngsten Nachrichtenflut, eine Coverage mit „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 35,00 Dollar aufnahm. Das Haus setzte damit ein deutliches Zeichen des Vertrauens in die technologische Story, just als der Markt wegen des CFO-Abgangs nervös wurde – ein Kontrast, der für mich viel über die aktuelle Wahrnehmungsspanne dieser Aktie aussagt.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die technologischen Argumente die kurzfristige Nervosität um die Personalie im Finanzressort. Ein produktiv laufendes Kundenprojekt bei einem Telekom-Riesen, ein peer-reviewter Hardware-Fortschritt und eine neue Partnerschaft im Finanzsektor sprechen für substanzielle Fortschritte im Kerngeschäft.

Gleichzeitig bleibt die Bewertung angesichts winziger Umsätze anspruchsvoll, und der Führungswechsel dürfte die Volatilität vorerst hochhalten. Wer an die langfristige Quantencomputing-These glaubt, findet hier viele Bausteine – wer kurzfristige Stabilität sucht, wird sie in diesem Papier derzeit nicht finden.

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