D-Wave Quantum Aktie: NTT Docomo nutzt Quantenanwendung

D-Wave verfehlt im zweiten Quartal die Umsatzerwartung, meldet aber deutlich mehr Aufträge und einen Praxiseinsatz bei NTT Docomo.

Die Kernpunkte:
  • Quartalsumsatz bleibt hinter Prognosen zurück
  • Vertraglich gebundene Leistungen stark gewachsen
  • NTT Docomo nutzt Quantenoptimierung produktiv
  • Liquidität sinkt nach Quantum-Circuits-Kauf

Es gibt diese Momente in der Technologiegeschichte, in denen die Zahlen und die Erzählung auseinanderdriften wie zwei Züge auf unterschiedlichen Gleisen. Bei D-Wave Quantum lässt sich das gerade wie unter dem Mikroskop beobachten.

Auf der einen Seite steht ein Quartalsbericht, der Anleger enttäuschte. Auf der anderen Seite häufen sich Meldungen, die zeigen, dass Quantencomputing in der echten Wirtschaft ankommt – bei einem japanischen Mobilfunkriesen, im Alltagsbetrieb, nicht im Labor.

Fangen wir mit dem an, was die Kursreaktion tatsächlich ausgelöst hat: Am 6. August legte D-Wave Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, und sie verfehlten die Erwartungen deutlich. Der Umsatz kam auf 3,08 Millionen Dollar, während Analysten mit 4,03 Millionen gerechnet hatten. Wer nur auf diese Zeile schaut, sieht ein Unternehmen, das kämpft.

Der Auftragsbestand erzählt eine andere Geschichte

Doch wer tiefer gräbt, findet einen Kontrast, der fast schon widersprüchlich wirkt. Die ausstehenden Leistungsverpflichtungen – jene Aufträge, die noch nicht als Umsatz verbucht sind, aber vertraglich gebunden – kletterten auf 40,7 Millionen Dollar. Das ist ein Plus von 668 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Buchungen im ersten Halbjahr 2026 summierten sich auf 35,5 Millionen Dollar, eine Steigerung von 1.120 Prozent. Solche Wachstumsraten sind selten, selbst in einer Branche, die von Superlativen lebt.

Auch die Kundenstruktur verschiebt sich in eine Richtung, die Investoren eigentlich gefallen sollte: Kommerzielle Kunden machten im zweiten Quartal 62,4 Prozent des Umsatzes aus, verglichen mit 45,1 Prozent im Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass D-Wave sich von reinen Forschungsverträgen wegbewegt und echte Geschäftskunden gewinnt.

Genau das ist die Frage, die die Kolumne heute beantworten soll: Ist D-Wave ein Unternehmen im Umbruch mit wachsenden Schmerzen, oder ist die Substanz dünner, als der Auftragsbestand suggeriert?

Docomo als Praxisbeweis

Ein Beleg für die These vom echten Praxiseinsatz kam am 18. August von NTT Docomo. Der japanische Mobilfunkkonzern setzte eine zweite produktive Quantenanwendung von D-Wave ein – diesmal zur Reduzierung von Signalisierungslast im Mobilfunknetz.

Die Standortregistrierungssignale sanken zur Spitzenzeit um 65,3 Prozent, die Paging-Signale um 7,0 Prozent. Das ist kein Pilotprojekt mehr, sondern ein Netzbetreiber, der Quantenoptimierung im täglichen Betrieb nutzt. Für eine Branche, die oft mit dem Vorwurf leben muss, noch Jahre von kommerzieller Reife entfernt zu sein, ist das ein bemerkenswertes Signal.

Gleichzeitig frisst die Bilanz Substanz. Die liquiden Mittel und marktgängigen Wertpapiere sanken zum 30. Juni auf 546,2 Millionen Dollar, ein Rückgang von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Grund liegt vor allem in der Barkomponente von 250 Millionen Dollar für die Übernahme von Quantum Circuits. Wer in Zukunftstechnologie investiert, kauft eben auch Cash-Verbrauch mit – die Frage ist, ob die Rendite in Form von Auftragswachstum diesen Verbrauch rechtfertigt.

Der Wechsel an der Finanzspitze

Vor diesem Hintergrund wirkt der Rücktritt von CFO John Markovich, der am vergangenen Mittwoch verkündet wurde und zum 2. September wirksam wird, wie ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor zur Unzeit. D-Wave betonte in einer Mitteilung ausdrücklich, der Abgang stehe nicht im Zusammenhang mit Meinungsverschiedenheiten über Geschäftsführung, Bilanzierungsgrundsätze oder Finanzberichte.

Nachfolger als amtierender CFO wird Greg Golkov, der seit Mai 2023 als SVP Finance bei D-Wave tätig ist und dort bereits für Rechnungswesen, SEC-Berichterstattung, Finanzplanung, Treasury und Steuern zuständig war.

Golkov bringt laut Unternehmensangaben mehr als 25 Jahre Erfahrung in Finanzfunktionen mit – ein Kontinuitätsargument, das die Nervosität am Markt bislang aber nicht vollständig auffangen konnte.

Der Aktienkurs spiegelt diese Gemengelage wider. Am Freitag schloss das Papier bei 14,30 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent auf Tagesbasis. Über 30 Tage steht ein Rückgang von 23 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 37 Prozent.

Der Titel notiert damit 65 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro, das im Oktober erreicht wurde, aber immerhin 29 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 30. März. Diese Spanne zeigt: Der Markt hat die Wachstumsgeschichte längst mit einem Sicherheitsabschlag versehen.

Am Ende bleibt die Kolumne bei einer Beobachtung stehen, keiner Empfehlung: Quantencomputing verlässt bei D-Wave gerade seine Nische in echten Netzwerken wie dem von Docomo. Ob der Auftragsbestand schnell genug in Umsatz übersetzt wird, um den Cash-Abfluss und die Führungswechsel zu kompensieren, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen müssen.

Anzeige

D-Wave Quantum-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue D-Wave Quantum-Analyse vom 5. September liefert die Antwort:

Die neusten D-Wave Quantum-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für D-Wave Quantum-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 5. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

D-Wave Quantum: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu D-Wave Quantum