D-Wave Quantum Aktie: Quantum Circuits vollständig integriert

D-Wave Quantum meldet neue Kundenprojekte und technologische Fortschritte, verfehlt im zweiten Quartal jedoch die Umsatzerwartungen.

Die Kernpunkte:
  • Quantum-Circuits-Übernahme vollständig integriert
  • Nature-Paper bestätigt leistungsfähige Gate-Technologie
  • Florida Atlantic University plant Systemkauf
  • Quartalsumsatz bleibt hinter Prognose

Die vergangenen Tage haben D-Wave Quantum mit Nachrichten überflutet: CHIPS-Förderung, CFO-Abgang, ein Nature-Paper. Doch für mich liegt die eigentlich interessante Geschichte woanders – in der Kombination aus abgeschlossener Zukäufe, neuen Kundenverträgen und einer Aktie, die trotz guter Nachrichten technisch angeschlagen wirkt.

Zwei Wetten auf einmal

D-Wave verfolgt bekanntlich eine Doppelstrategie: Annealing-Quantencomputer, mit denen das Unternehmen bereits Umsätze erzielt, und Gate-Modell-Technologie für die Zukunft. Genau diese zweite Wette hat mit der im Januar abgeschlossenen Übernahme von Quantum Circuits, Inc. eine neue Dimension bekommen – D-Wave hält seither sämtliche ausgegebenen Anteile des Unternehmens.

Diese Integration ist längst vollzogen, wird aber gerade jetzt wieder relevant, weil das am Mittwoch veröffentlichte Nature-Paper zu einem Zwei-Qubit-Gate mit rund 99,9 Prozent Fidelität und Gate-Zeiten von etwa 500 Nanosekunden genau in diese Sparte fällt. Für mich ist das der eigentliche Beleg dafür, dass die Übernahme kein reines Bilanz-Feuerwerk war, sondern operative Substanz liefert.

Auf der kommerziellen Seite läuft es unterdessen unspektakulär, aber stetig weiter: Die Florida Atlantic University hat sich im Rahmen eines 20-Millionen-Dollar-Commitments zum Kauf und zur Installation eines Advantage2-Annealing-Systems in Boca Raton verpflichtet, vorbehaltlich der üblichen Vergabevorschriften für öffentliche Einrichtungen in Florida.

Und NTT DOCOMO, nach eigener Beschreibung von D-Wave Japans größter Mobilfunkanbieter mit mehr als 93 Millionen Anschlüssen, hat eine zweite D-Wave-gestützte Anwendung im produktiven Netzbetrieb ausgerollt. Zwei Kunden, zwei Branchen, zwei Bestätigungen dafür, dass D-Wave über den reinen Forschungsstatus hinauswächst.

Die Zahlen, die man nicht schönreden sollte

So sehr die technologische Story überzeugt – die Geschäftszahlen bremsen die Euphorie. Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 lag bei 3,08 Millionen Dollar und blieb damit unter der Erwartung von 4,03 Millionen Dollar. Das ist, unabhängig von der genauen Verlustkennziffer, ein Umsatzverfehlen, das man ernst nehmen muss, wenn man die Wachstumsstory ernst nimmt.

Wer auf D-Wave setzt, muss also zwei Zeitachsen gleichzeitig denken: die kurzfristige, in der Quartalszahlen enttäuschen können, und die langfristige, in der Fördergelder und Technologiedurchbrüche zählen.

Genau hier setzt für mich das größte Risiko an. Der Chief Financial Officer John Markovich hat vor gut einer Woche seinen Rücktritt zum 2. September angekündigt – ein Wechsel an der Finanzspitze ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen Fördermittel verwaltet, Aktien an das US-Handelsministerium ausgegeben hat und operative Integration bewältigen muss. Personelle Kontinuität an dieser Stelle wäre mir lieber gewesen.

Was der Kurs gerade erzählt

Die Aktie notiert bei 14,59 Euro und damit rund 10 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 16,22 Euro – ein Zeichen dafür, dass der Markt die jüngste Nachrichtenflut bislang nicht als klaren Wendepunkt interpretiert. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 36 Prozent zu Buche, was zeigt: Die fundamentale Substanz und die Kursentwicklung laufen derzeit deutlich auseinander.

Institutionelle Anleger scheinen das differenzierter zu sehen als der Gesamtmarkt – Legal & General Group hat Anfang September neue D-Wave-Aktien im Wert von rund 6,73 Millionen Dollar erworben, ein Signal, dass zumindest ein Teil der professionellen Investorenbasis an der langfristigen Story festhält.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei D-Wave ein Unternehmen, das technologisch und geschäftlich mehr liefert, als der Kursverlauf derzeit widerspiegelt. Die Kombination aus Nature-validierter Gate-Technologie, wachsender Kundenbasis und staatlicher Förderung spricht für strukturelles Potenzial.

Gegen diese These sprechen die Umsatzverfehlung im zweiten Quartal und der Führungswechsel an der CFO-Position – zwei Belastungsfaktoren, die Anleger nicht ignorieren sollten. Für mich überwiegt die technologische Substanz kurzfristige operative Reibung, doch die Volatilität dieser Aktie dürfte auch in den kommenden Monaten hoch bleiben.

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