D-Wave Quantum Aktie: Stifel bestätigt 35-Dollar-Ziel

D-Wave präsentiert auf dem Investor Day konkrete Margenziele und eine wachsende Kundenliste, während der Aktienkurs fällt.

Die Kernpunkte:
  • Stifel bestätigt Kaufvotum nach Investorentag
  • Konkrete Margenziele für verschiedene Geschäftsbereiche
  • 26 öffentliche Kunden in 18 Monaten genannt
  • Umsatz bleibt trotz Buchungsschub niedrig

D-Wave liefert der Börse gerade mehr Stoff als nur die übliche Quantenfantasie. Stifel bestätigt nach dem Investor Day das Kaufvotum und ein Kursziel von 35 Dollar. Trotzdem steht die Aktie heute unter Druck: In Frankfurt fällt sie um 8,26 Prozent auf 23,67 Euro, bleibt auf Monatssicht aber noch 32,09 Prozent im Plus.

Der Kern der Geschichte liegt tiefer. D-Wave versucht, aus einer technologischen Vision ein belastbares Geschäftsmodell zu formen. Genau daran misst der Markt den Titel jetzt.

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Stifel schaut auf die Ökonomie

Stifel sieht D-Wave nach dem Investor Day nicht mehr nur als Anbieter kommerzieller Annealing-Systeme. Das Unternehmen positioniert sich als Full-Stack-Anbieter mit zwei Plattformen: Annealing und Gate-Model-Quantencomputing. Das klingt technisch, ist für die Aktie aber vor allem eine Margenfrage.

D-Wave legte dafür erstmals klarere Zielkorridore vor:

  • Quantum Computing-as-a-Service: 65 bis 75 Prozent Bruttomarge
  • Professional Services: 40 bis 50 Prozent Bruttomarge
  • Quantum-Computing-Systeme: 75 bis 90 Prozent Bruttomarge

Diese Spannen geben dem Markt ein Modell, an dem sich künftige Quartale messen lassen. Reine Roadmaps reichen nicht mehr. Entscheidend ist, ob aus Nachfrage tatsächlich Umsatz mit vernünftigen Margen wird.

Operativ lieferte D-Wave dazu konkrete Kapazitätsdaten. Vier Annealing-Quantencomputer unterstützen derzeit den Cloud-Service Leap. Daraus ergibt sich laut Unternehmen eine jährliche Umsatzkapazität im Cloud-Geschäft von 100 bis 120 Millionen Dollar.

Ein wichtiger Punkt ist die Kapitalintensität. Ein Annealing-Produktionssystem kostet nach Unternehmensangaben rund 2 Millionen Dollar und lässt sich in weniger als vier Monaten bauen und kalibrieren. Für Investoren wird damit greifbarer, wie schnell D-Wave Kapazität hochfahren kann.

Kundenliste wird konkreter

Der Investor Day brachte auch mehr Substanz auf der Nachfrageseite. D-Wave nannte 26 öffentlich kommunizierte Kunden aus den vergangenen 18 Monaten. Darunter finden sich unter anderem Anduril Industries, AT&T, BASF, Boeing, Pfizer, NTT Docomo und das U.S. Army Engineer Research and Development Center.

Das ist für den Investment Case wichtig. Die Aktie lebt stark von der Erwartung, dass Quantencomputing den Sprung aus Laboren und Pilotprojekten in kommerzielle Anwendungen schafft. Eine sichtbare Kundenliste ersetzt zwar keine Umsätze, sie macht die Nachfragegeschichte aber belastbarer.

Auch im Vertrieb hat D-Wave aufgestockt. Die Zahl der Sales-Mitarbeiter mit Quote stieg binnen 18 Monaten um 220 Prozent. Das technische Lösungsteam wuchs im gleichen Zeitraum um 129 Prozent.

Dazu passt der Buchungsschub im ersten Quartal. Die Bookings erreichten 33,4 Millionen Dollar und lagen damit massiv über dem Vorjahreswert. Kein Wunder, dass der Markt hier genau hinschaut: Buchungen sind bei D-Wave derzeit der stärkere Teil der Story.

Umsatz bleibt der wunde Punkt

Die Gewinn- und Verlustrechnung sieht weniger spektakulär aus. Im ersten Quartal meldete D-Wave einen Umsatz von 2,9 Millionen Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 15,0 Millionen Dollar, damals gestützt durch den Verkauf eines Annealing-Quantencomputers.

Der Unterschied zeigt das zentrale Spannungsfeld. D-Wave kann große Einzelverträge melden, aber der ausgewiesene Umsatz schwankt stark. Das macht die Bewertung schwerer greifbar.

Bei den Bookings stechen zwei Deals heraus: ein Systemkauf der Florida Atlantic University über 20 Millionen Dollar und ein zweijähriger Cloud-Vertrag mit einem Fortune-100-Unternehmen über 10 Millionen Dollar. Die noch nicht erfüllten Leistungsverpflichtungen lagen Ende März bei 42,4 Millionen Dollar.

Davon sollen rund 54 Prozent innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz verbucht werden. Genau dieser Übergang von Auftragsbestand zu Erlösen dürfte den nächsten Realitätscheck liefern.

Finanziell hat D-Wave Spielraum. Zum ersten Quartal wies das Unternehmen eine Liquiditätsposition von 588,4 Millionen Dollar aus. Im selben Zeitraum setzte D-Wave 250 Millionen Dollar für die Übernahme von Quantum Circuits ein.

Bewertung bleibt anspruchsvoll

Der Kurs liegt trotz des heutigen Rückgangs deutlich über wichtigen Durchschnittswerten. Zur 50-Tage-Linie beträgt der Abstand 34,73 Prozent, zur 200-Tage-Linie 14,85 Prozent. Gleichzeitig notiert die Aktie noch 38,49 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Stifel änderte nach dem Investor Day die laufenden Schätzungen nicht. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied: Die Präsentation stützt die langfristige Story, liefert aber noch keinen unmittelbaren Grund für höhere kurzfristige Gewinn- oder Umsatzprognosen.

Damit ist die Lage klarer als zuvor, aber nicht einfacher. D-Wave hat Kapazitäten, Kundenreferenzen und Buchungen gezeigt. Der nächste Prüfstein ist die Umwandlung dieser Fortschritte in wiederkehrende Umsätze, die zur aktuellen Bewertung passen.

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