D-Wave Quantum Aktie: Washington steigt bei Quantenfirma ein

D-Wave Quantum vereinbart US-Förderung von bis zu 100 Millionen Dollar, während die staatliche Beteiligung und die Kurslage offen bleiben.

Die Kernpunkte:
  • US-Ministerium erhält Minderheitsbeteiligung
  • Förderung unterstützt Quantencomputer-Forschung
  • Aktie bleibt 64 Prozent unter Jahreshoch
  • FAU-Auftrag bringt 20 Millionen Dollar

Es gibt Momente, in denen eine Aktie mehr über einen Strukturwandel erzählt als über sich selbst. D-Wave Quantum ist gerade so ein Fall. Am Dienstag finalisierte das Unternehmen mit dem US-Handelsministerium eine Vereinbarung über eine CHIPS-Act-Förderung von bis zu 100 Millionen Dollar – Geld, das in die Forschung an supraleitenden Quantencomputern fließen soll, sowohl in annealing-basierte als auch in gate-basierte Systeme.

Im Gegenzug erhält die US-Regierung eine minderheitliche, nicht-kontrollierende Beteiligung an D-Wave. Wie groß dieser Anteil tatsächlich ausfällt, haben weder das Ministerium noch das Unternehmen bislang beziffert.

Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Washington steigt bei einem börsennotierten Quantencomputer-Unternehmen ein, ohne dass die Öffentlichkeit weiß, wie viel Prozent der Firma damit dem Staat gehören. Für Anleger ist das eine ungewohnte Gemengelage – einerseits ein handfestes Signal industriepolitischer Rückendeckung, andererseits eine Unschärfe, die sich in der Bilanz erst noch materialisieren muss.

Ein Muster, kein Einzelfall

Was D-Wave widerfährt, ist kein Sonderweg. Auch Rigetti Computing und Quantinuum haben separate CHIPS-Act-Vereinbarungen über jeweils bis zu 100 Millionen Dollar abgeschlossen, ebenfalls verbunden mit Minderheitsbeteiligungen des Bundes. Die US-Regierung baut sich damit ein Portfolio an Quantencomputer-Beteiligungen auf, ähnlich wie sie es zuvor bei klassischen Halbleiterprojekten getan hat.

Für D-Wave bedeutet das: Die Förderung ist kein Alleinstellungsmerkmal, sondern Teil einer sektorweiten Strategie, staatliches Kapital gezielt in die heimische Quantentechnologie zu lenken – mit dem erklärten Ziel, Prozesstechnologien, Qubit-Zahlen, Fehlerraten und Packaging-Fähigkeiten in den USA zu halten.

Die Marktreaktion fiel verhalten aus: Seit der Bekanntgabe legte die Aktie um 0,9 Prozent zu, notiert aber weiterhin rund 64 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro, das im Oktober erreicht wurde.

Der Kurs von 14,49 Euro liegt zudem gut 22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Bild, das eher von struktureller Ernüchterung als von Euphorie geprägt ist.

Operatives Geschäft neben der Förderpolitik

Während die CHIPS-Vereinbarung die Schlagzeilen dominiert, läuft im operativen Geschäft parallel einiges. Vor gut einer Woche berichteten Medien über kommerzielle Fortschritte des Unternehmens: einen Quartalsumsatz von 3,1 Millionen Dollar, wachsende Buchungen im ersten Halbjahr und einen 20-Millionen-Dollar-Verkauf eines Annealing-Systems an die Florida Atlantic University.

Solche Einzelaufträge zeigen, dass D-Wave neben der staatlichen Förderung auch am freien Markt Kunden gewinnt – wenn auch in überschaubarer Größenordnung, gemessen an der Marktkapitalisierung von gut 5,3 Milliarden Euro.

Dazu kommen kleinere, aber nicht bedeutungslose Randnotizen: Ein institutioneller Investor, Manulife, stockte Anfang September seine Position um Aktien im Wert von rund 4,9 Millionen Dollar auf. Gleichzeitig verkaufte Direktor John DiLullo im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans 1.100 Aktien für etwa 19.800 Dollar – ein Vorgang, der eher administrativ als alarmierend wirkt.

Ernster zu nehmen sind Berichte, wonach mehrere Kanzleien mögliche Verstöße gegen Wertpapierrecht im Zusammenhang mit dem Unternehmen prüfen. Details dazu sind bislang dünn, doch solche Untersuchungen begleiten häufig Phasen hoher Volatilität und öffentlicher Aufmerksamkeit.

Die Gretchenfrage: Substanz oder Subvention?

Bleibt die Frage, die sich bei jeder staatlich geförderten Zukunftstechnologie stellt: Trägt das Geschäftsmodell auch ohne den Fördertopf? D-Wave hat mit dem FAU-Auftrag gezeigt, dass zahlende Kunden existieren.

Doch bei einem Quartalsumsatz im niedrigen einstelligen Millionenbereich bleibt die Förderung von bis zu 100 Millionen Dollar der mit Abstand größte Hebel, den das Unternehmen derzeit in der Hand hält.

Die Volatilität von 71 Prozent auf Sicht von 30 Tagen zeigt, dass der Markt genau das nicht sicher einzupreisen weiß – Chance und Verwässerungsrisiko liegen bei diesem Papier näher beieinander als bei den meisten anderen Technologiewerten.

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